Qualifizierung zugekaufter Materialien in der pharmazeutischen Industrie

Qualifizierung zugekaufter Materialien in der pharmazeutischen Industrie

Mannheim

Seminar Nr. 16525


Rückfragen unter:
Tel.: 06221 / 84 44 0 E-Mail: info@concept-heidelberg.de

Sprecher

Dr. Andreas Haffner, Sanofi
Emerich Grassinger, Aenova Group - Haupt Pharma Wülfing
Dr. Matthias Heuermann, Landeszentrum für Gesundheit, LZG.NRW
Manfred Karner, Shire, Österreich
Dr. Reinhard Stidl, European Registered Toxicologist, Österreich

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Zielsetzung

Ziel dieses Seminars ist es, den Prozess der Qualifizierung von zugekauften Materialien (Wirkstoffe, Hilfsstoffe, Packmittel, Hilfsmaterialien, etc.) im Detail zu beschreiben, die regulatorischen Vorgaben zu beleuchten und die praktische Umsetzung im pharmazeutischen Unternehmen aufzuzeigen. Hierbei werden die Teilnehmer auch über die verschärften Vorgaben informiert, die durch das neue Kapitel 5 des EU GMP Leitfadens hinsichtlich der Lieferantenqualifizierung und der Prüfung von Ausgangsmaterialien gefordert sind. Gleichzeitig sollen auch die Chancen aufgezeigt werden, wie diese Qualifizierung effektiv und effizient umgesetzt werden kann und welche Möglichkeiten die Qualitätsfunktion hierdurch zur Optimierung und Kostenreduktion bei der Probenahme und Prüfung hat.

Hintergrund

Im Rahmen der Materialqualifizierung müssen Sie die Sicherheit, Funktionalität und Prozessfähigkeit ihrer eingesetzten Materialien bewerten! Durch ein effizientes Risikoassessment können Sie selbst den Aufwand der Materialqualifizierung steuern.

Weiterhin muss bei der Materialqualifizierung auch das Risiko von Inhomogenitäten der Ausgangsstoffe bewertet werden und die Auswirkung von versteckten Inhomogenitäten auf das Arzneimittel beurteilt werden. Direkte Folgen daraus sind zum Beispiel der Probenahmeplan
für die Ausgangsstoffe und etwaige Maßnahmen, um eine versteckte Inhomogenität frühzeitig zu erkennen resp. um vermeidende Maßnahmen zu ergreifen.

Gemäß Kapitel 5 des EU GMP Leitfadens „Produktion“ kommt der Auswahl, Qualifizierung und „Zulassung“ (approval) der Lieferanten eine wesentliche Bedeutung zu. Das umfasst auch die Risiken, die sich aus der Lieferkette des Ausgangsmaterials ergeben. Neu ist ebenfalls der Passus, dass Verfahren zur Bewertung, dem Einkauf und der Akzeptanz von Ausgangsstoffen, einschließlich kritischer Packmaterialien, im Rahmen des QM-Systems dokumentiert werden müssen. Die Verantwortlichkeit für diese „Zulassung“ der Lieferanten von Ausgangsstoffen unterliegt der Qualitätskontrolle und der Produktion.

Gemäß Kapitel 5 kann das Analysenzertifikat des Herstellers für Wirkstoffe und Hilfsstoffe für die Freigabe herangezogen werden. Hierfür müssen jedoch Mindestanforderungen erfüllt werden, u.a. dass der Arzneimittelhersteller in geeigneten Intervallen durch eine Vollanalyse die Ergebnisse auf dem Analysenzertifikat
mit eigenen Ergebnissen vergleicht. Dadurch soll die Zuverlässigkeit des Analysenzertifikats und des Lieferanten sicher gestellt werden.

Vergleichbare Vorgehensweisen müssen auch für Verpackungsmaterialien etabliert werden.

Zielgruppe

Angesprochen werden Führungskräfte und Mitarbeiter aus den Bereichen Forschung und Entwicklung, Zulassung, Analytische Entwicklung, Qualitätskontrolle, Qualitätssicherung und Produktion. Auch für Mitarbeiter von zuliefernden Betrieben ist dieses Seminar von Interesse.

Programm

Regulatorische Anforderungen an die Lieferantenqualifizierung

  • AMWHV
  • EU GMP-Leitfaden Kapitel 5
  • Lieferantenqualifizierung
  • Audits, Re-Audits, Auditberichte
  • Feststellung der Richtigkeit der Lieferkette
  • Wirkstoffe, Hilfsstoffe, Packmaterial
  • Vollanalysen und reduzierter Prüfumfang
  • Verträge und Dokumentation
Nutzen / Zweck der Materialqualifizierung
  • Wann sollte der Prozess der Materialqualifizierung gestartet werden?
  • Verantwortung/Aufgaben im Rahmen der Materialqualifizierung (MQ)
  • Welche Experten sind für den MQ Prozess notwendig?
  • Steuerung des Aufwands der MQ durch ein effizientes Risikoassessment
  • Prozess der Materialqualifizierung: Teil des Change Control Prozesses vs. Eigenständiger Prozess
  • „Second Source“ – unverzichtbar? Herausforderungen?
Zusammenarbeit mit Lieferanten
  • Auswahl der geeigneten Lieferanten
  • Lieferantenqualifizierung
  • Quality Agreement
  • Lieferantenbewertung
  • Spezifikationen von Materialien
  • Reklamationsbearbeitung
  • Umgang mit Änderungsmeldungen von Rohstoffherstellern
Sicherheitsbewertung und Vermeidung von Verunreinigungen
  • Guidelines und Grenzwerte
  • Prinzipien der Toxikologischen Risikobewertung von Verunreinigungen
  • Materialqualifizierung auf der Basis von Extractables und Leachables
  • Elementare Verunreinigungen
  • Carry-over Bewertung und Abweichungen in der Produktion
Zielführende Lieferantenaudits für die Qualifizierung von Ausgangsstoffen und als Grundlage für den Bemusterungsplan für die Wareneingangskontrolle
  • Wann muss ein Audit stattfinden?
  • Was muss im Rahmen des Audits bzgl Herstellung kontrolliert werden (Prozessvalidierung, Homogenität des Ausgangsstoffes)?
  • Was muss im Rahmen des Audits bzgl. Qualitätssystem kontrolliert werden?
  • Was muss im Rahmen des Audits bzgl. QC und Musternahme kontrolliert werden?
Qualifizierung von Primär- und Sekundärpackmitteln
  • Regulatorische Anforderungen an Primärpackmittel aus Glas und Kunststoff
  • EMA Guideline für Packmaterialien aus Kunststoff
  • Anforderungen an Sekundärpackmittel (Etiketten, Faltschachteln, Beipacktexte)
  • Einbindung der Produktion (Verwender) in der Qualifizierungsphase
  • Abstimmung der optischen Kriterien des Packmaterials vom Hersteller bis zur visuellen Ausgangskontrolle
Allgemeine Qualitätsanforderungen an Wirkstoffe (APIs) und Hilfsstoffe
  • Anforderungen an APIs
  • QP Declaration
  • Arzneibuch – Konformität (CEP)
  • DMF
  • Restlösemittel
  • Elemental Impurities (Q3D)
  • TSE
Festlegung von Probenahmeplänen und deren Optimierung zur Kostenreduktion
Teil 1 – Stichprobenplan gemäß ISO 2859-1

  • Allgemeine Vorgaben der ISO 2859-1
  • Auswahl der Stichprobe und festlegen des Prüfniveaus
  • Probenahmepläne für Packmaterial
WORKSHOP I
Anwendung der ISO 2589-1

Bei der praktischen Anwendung der ISO 2589-1 werden Sie anhand eines Fallbeispiels die Stichprobengröße festlegen und bewerten, bis zu welcher Anzahl an
Fehlermerkmalen Sie die Charge für die Weiterverarbeitung freigeben können bzw. ab wann Sie die Charge rückweisen müssen.
Moderator: Manfred Karner

Festlegung von Probenahmeplänen auf Basis von Risikoevaluierungen und deren Optimierung zur Kostenreduktion – Teil II
  • Probenahmepläne für Hilfs- und Wirkstoffe
  • Festlegung von Prüfungen für die Freigabe
  • Testreduktion in der Wareneingangskontrolle
  • Optimierungsmöglichkeiten der Gebindeidentifizierung
Excipient Risk Assessment gemäß EU Guideline
  • Allgemeine Vorgaben gemäß EU Guideline
  • Ansätze zur Implementierung der Guideline
  • Format einer Risikoanalyse
WORKSHOP II
Erstellung eines Risk Assessments für Excipients

  • Erstellen Sie in einer Gruppenarbeit ein Risk Assessment für ein Excipient und begründen Sie Ihre Einstufungen. Hierbei ist es erwünscht, dass es zu einem Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmern kommt, um die Risiken aus unterschiedlichen Sichtweisen zu betrachten.
Moderator: Manfred Karner

Anforderungen an Hilfsmaterialien und Verwendungsdauer von Materialien
Desinfektionsmittel

  • Verwendungsdauer von Materialien und deren Verlängerung
  • Filter, Schläuche
  • Risikobewertung für die Routineproduktion
    • Spezifikation des Ausgangsstoffes
    • Bekannte Einflüsse ohne Auswirkungen auf den Produktionsprozess oder das Equipment
    • Bekannte Einflüsse mit (negativen?) Auswirkungen
    • Unbekannte Einflüsse mit unbekannten Auswirkungen
    • Möglichkeiten einer Risikobetrachtung
    • Welches Restrisiko ist akzeptabel?
    • Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen
    WORKSHOP III
    Rationale zu den Probenahmeplänen

    • Was müssen Sie bedenken, um repräsentative Muster für die Wareneingangskontrolle zu erhalten?
    • Welche Betrachtungen sind erforderlich für risiko-basierte Probenahmepläne?
    Hierzu werden Fallbeispiele aus der Praxis in kleinen Gruppen diskutiert und Lösungsansätze erarbeitet.
    Moderator: Emerich Grassinger

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