Warning Letter an indischen Sterilhersteller von OTC Produkten

Bereits im Dezember 2025 hatte die FDA den indischen Hersteller von sterilen OTC Produkten inspiziert. Gravierende Mängel sind die fehlende Schutzbarriere im A Bereich, die ungeeignete aseptische Auslegung der Linie sowie Data-Integrity-Verstöße.

Data Integrity im Mikrobiologischen Labor

Die FDA beschreibt schwerwiegende, wiederkehrende Data-Integrity-Verstöße im Labor im Zusammenhang mit kritischen mikrobiologischen Prüfungen und Monitoring-Daten. Konkret fehlten vollständige und originale Rohdaten, die belegen, dass die erforderlichen Prüfungen tatsächlich durchgeführt wurden.
Beispielsweise schreibt die FDA, dass Agarplatten aus dem Personal-Monitoring mit sichtbarem Wachstum am Folgetag erneut im Brutschrank mit identischer Kennzeichnung, jedoch ohne Wachstum, vorgefunden wurden. Es wurde der FDA bestätigt, dass die Originalplatten verworfen und durch neue ersetzt worden waren. Damit seien die ISO-5-Umgebungsbedingungen der aseptischen Linie falsch dargestellt. Zusätzlich beanstandet die FDA, dass Monitoring-Proben (Umgebung & Personal sowie weitere im Verfahren geforderte Proben) häufig nicht gemäß SOP genommen worden waren. Zudem nennt die FDA Unstimmigkeiten bei Probenbeschreibung und Identifikation sowie vorab ausgefüllte Laborformulare mit mikrobiologischen Ergebnissen von z.B. Sterilitätstests. Für die FDA ist die Dokumentation damit nicht vertrauenswürdig. Bemerkenswert ist außerdem die Beobachtung der FDA, dass während der Inspektion mehrfach mikrobielle Kontamination in der ISO-5-Prozessumgebung festgestellt wurde, sobald tatsächlich Proben genommen und die Prüfungen durch die FDA nachverfolgt wurden.

Design der Abfülllinie und Luftströmungsvisualisierung

Die FDA beanstandet, dass die aseptische Abfülllinie für sterile OTC-Produkte keine physische Barriere aufweist, die den ISO-5-(Grade-A)-Abfüllbereich vom umgebenden ISO-7-(Grade-B)-Raum und dessen Personal trennt und schützt. Nach Darstellung der FDA erzeugt diese fehlende Abtrennung ein inakzeptables Risiko für die Sterilität des Produkts. Luftströmungen und Personalbewegungen können Verunreinigungen aus dem weniger kontrollierten ISO-7-Bereich direkt in die ISO-5-Zone eintragen.
Zudem wurden laut FDA mehrere Ausrüstungsteile, die in direkten Kontakt mit dem Produkt, den Behältnissen und den Verschlüssen kamen, nicht sterilisiert. Die FDA betont, dass ausschließlich steriles Equipment direkten Kontakt mit steriler Formulierung, Containern und Verschlüssen haben dürfe. Zusätzlich kritisiert die FDA die Ergonomie sowie Personal- und Materialfluss. So sind im aseptischen Arbeitsbereich zu wenig Platz und die Ausrüstung außerdem in einem schlecht gewarteten Zustand. So schreibt die FDA von Rost an den HEPA-Filtern und deren Diffusorgittern oberhalb der Abfüllanlage.
Die FDA schreibt außerdem, dass die aseptischen Prozesssimulationen (Media Fills) nicht ausreichend repräsentativ für die kommerzielle aseptische Herstellung waren.
Ein zentraler Punkt der Beanstandungen ist, dass die Airflow Visualization (Smoke Studies) nicht unter dynamischen Bedingungen durchgeführt worden ist, um die Risiken durch Interventionen in die aseptische Linie zu bewerten. Die Visualisierung wird als statisch und zu begrenzt beschrieben. Die FDA beschreibt außerdem beobachtete Abweichungen im aseptischen Verhalten von Mitarbeitern (u. a. das Tragen einer Sicherheitsbrille mit exponierter Haut während aseptischer Produktion). Die FDA verweist an dieser Stelle auf ihren Aseptic Guide "Sterile Drug Products Produced by Aseptic Processing-Current Good Manufacturing Practice".

Den ausführlichen Warning-Letter an den indischen Hersteller finden Sie auf der Seite der FDA.

 

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