Wie erfolgt die Verwendung von Referenzsubstanzen in der pharmazeutischen Industrie?

Die Verwendung von Referenzsubstanzen ist ein zentraler Bestandteil der pharmazeutischen Analytik und Qualitätssicherung. Referenzsubstanzen (oder auch Referenzstandards) spielen über den gesamten Lebenszyklus - von der Definition über die Herstellung bis hin zur Anwendung im Labor - eine entscheidende Rolle.

Was versteht man unter einem Referenzstandard?

Ein Referenzstandard ist eine hochreine, charakterisierte Substanz, deren Identität und Gehalt eindeutig bestimmt sind. Sie dient als Vergleichsmaßstab für analytische Untersuchungen. Davon zu unterscheiden sind sogenannte Arbeitsstandards (working standards), die aus Referenzstandards abgeleitet und für Routineanalysen verwendet werden können. Diese besitzen ebenfalls eine gesicherte Qualität, werden jedoch regelmäßig gegen den Primärstandard überprüft. Diese Unterscheidung ist essentiell, da Primärstandards oft teuer und nur begrenzt verfügbar sind, während Arbeitsstandards den praktischen Laborbetrieb ermöglichen.

Welche Regelwerke beschreiben den Einsatz von Referenzsubstanzen?

Die regulatorische Grundlage für den Einsatz von Referenzsubstanzen wird insbesondere durch Pharmakopöen wie die USP (<11>) und die Europäische Pharmakopöe (Ph. Eur. 5.12) definiert. Beide Arzneibücher legen fest, dass Referenzsubstanzen nur für ihren vorgesehenen Zweck verwendet werden dürfen und dass eine hohe Rückführbarkeit auf internationale Standards gewährleistet sein muss. Zudem unterscheiden sie verschiedene Typen von Standards, darunter Primär-, Sekundär- und internationale Standards, wobei letztere häufig von Organisationen wie der WHO bereitgestellt werden.
Weitere Vorgaben in Bezug auf den Einsatz und die Handhabung von Referenzsubstanzen findet man im EU-GMP Leitfaden Teil I, Kap. 6 und Teil II, Kap. 5, 6 und 11 sowie in WHO Technical Report Series 885, WHO Expert Committee on Specifications for Pharmaceutical Preparations, Annex 3.

Wie werden Referenzsubstanzen geprüft?

Die Verwendung von Referenzsubstanzen ist eng mit ihrer Charakterisierung und Zertifizierung verbunden. Vor ihrem Einsatz müssen sie umfassend analytisch geprüft werden. Dazu gehören Methoden wie NMR, HPLC, GC oder Karl-Fischer-Titration zur Bestimmung von Identität, Reinheit und Wassergehalt. Der Gehalt einer Referenzsubstanz wird häufig indirekt über die sogenannte "Potency" berechnet,
indem alle bekannten Verunreinigungen von 100 % subtrahiert werden. Diese systematische Charakterisierung stellt sicher, dass die Substanz als zuverlässiger Vergleichsmaßstab dienen kann.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Etablierung von firmeninternen Referenzsubstanzen (in-house standards). Da offizielle Pharmakopöe-Standards oft teuer sind und nur in kleinen Mengen zur Verfügung stehen, greifen pharmazeutische Unternehmen häufig auf eigene Arbeitsstandards zurück. Diese werden intern hergestellt oder aus Produktionschargen gewonnen und anschließend gegen offizielle Standards qualifiziert. Voraussetzung hierfür ist eine vollständige Dokumentation, eine validierte Analytik sowie der Nachweis der Rückführbarkeit auf einen Primärstandard.

Wie erfolgt die praktische Anwendung von Referenzsubstanzen?

In der praktischen Anwendung werden Referenzsubstanzen für drei Hauptzwecke eingesetzt. Erstens dienen sie der quantitativen Bestimmung, beispielsweise zur Gehaltsbestimmung von Wirkstoffen oder Verunreinigungen. Hierbei wird der Gehalt entweder absolut über eine Massenbilanz oder relativ über eine biologische Aktivität (Potency) bestimmt. Zweitens werden sie für qualitative Analysen genutzt, insbesondere zur Identitätsprüfung und zur Überprüfung der Reinheit einer Substanz. Drittens dienen sie zur Verifizierung der Leistungsfähigkeit analytischer Geräte und Methoden, also zur Sicherstellung, dass ein Messsystem korrekt arbeitet.

Ein wesentlicher Aspekt der Verwendung ist die korrekte Handhabung im Labor. Referenzsubstanzen müssen gemäß den Vorgaben der jeweiligen Pharmakopöe eingesetzt werden, beispielsweise hinsichtlich Wägung, Verdünnung oder eventueller Trocknung vor Gebrauch. Auch die Angaben auf dem Etikett - wie Gehalt, Lagerbedingungen und Verwendbarkeitsfrist - sind strikt zu beachten. Fehler in der Handhabung können unmittelbar zu falschen Analysenergebnissen führen und damit die Qualität von Arzneimitteln gefährden.
Die Anwendung von Referenzsubstanzen erfolgt typischerweise im Rahmen der Qualitätskontrolle. Sie werden verwendet, um Produktionschargen von Wirkstoffen und Fertigarzneimitteln zu prüfen. Dabei wird überprüft, ob Identität, Reinheit und Gehalt den spezifizierten Anforderungen entsprechen. Auch bei der Methodenentwicklung und -validierung spielen Referenzsubstanzen eine wichtige Rolle, da sie als Referenzpunkt für die Bewertung von Messunsicherheiten und Genauigkeit dienen.
 
Neben der analytischen Verwendung ist auch die Verwaltung von Referenzsubstanzen von großer Bedeutung. Dazu gehören Aspekte wie die Lagerung, die Stabilität, die nötigen Reanalysen und die entsprechende Dokumentation. Referenzsubstanzen müssen unter definierten Bedingungen gelagert werden - häufig gekühlt oder tiefgefroren, um ihre Stabilität zu gewährleisten. Zudem werden regelmäßige Nachanalysen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Substanz weiterhin geeignet ist. Typische
Reanalyseintervalle liegen zunächst bei etwa zwei Jahren und später bei jährlichen Überprüfungen.

Wie werden Referenzsubstanzen dokumentiert?

Für jede Referenzsubstanz wird ein Analysenzertifikat (Certificate of Analysis, CoA) erstellt, das alle relevanten Informationen enthält. Hierzu zählen die Herkunft, das Herstellungsdatum, der Gehalt, die Verunreinigungen und der Verwendungszweck des Standards. Diese Dokumentation ist notwendig, um die GMP-Anforderungen zu erfüllen und eine vollständige Rückverfolgbarkeit zu gewährleisten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Referenzsubstanzen in der pharmazeutischen Industrie unverzichtbare Werkzeuge sind. Sie ermöglichen zuverlässige und reproduzierbare Analysen, sichern die Qualität von Arzneimitteln und erfüllen regulatorische Anforderungen. Ihre Verwendung erfordert jedoch eine sorgfältige Auswahl, umfassende Charakterisierung sowie eine strikte Einhaltung von Handhabungs- und Dokumentationsvorschriften. Nur so kann gewährleistet werden, dass sie als verlässlicher Maßstab in der pharmazeutischen Analytik dienen können.

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