Was ist Good Distribution Practice (GDP)?

Die Good Distribution Practice (GDP) – auf Deutsch: Gute Vertriebspraxis – ist ein zentraler Bestandteil der Arzneimittelsicherheit. Sie beschreibt die Qualitätsanforderungen für den Vertrieb und die Logistik von Human- oder Tierarzneimitteln sowie der dafür verwendeten Wirkstoffe entlang der gesamten legalen Lieferkette.

Ziel der GDP ist es, sicherzustellen, dass Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteln vom Hersteller bis zur Abgabe an Apotheken, Krankenhäuser oder andere berechtigte Stellen nicht beeinträchtigt werden.

Während die Good Manufacturing Practice (GMP) den Fokus auf die Herstellung legt, schließt die GDP direkt daran an und regelt alle Lager-, Transport- und Vertriebsaktivitäten. Durch komplexe internationale Lieferketten und steigende Anforderungen an die Fälschungssicherheit hat die GDP in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen.

Regulatorische Grundlagen

Die zentralen rechtlichen Grundlagen für GDP in der EU sind:

Abgedeckt werden unter anderem folgende Themenbereiche:

  • Qualitätsmanagementsystem
  • Personal und Verantwortlichkeiten
  • Räumlichkeiten und Ausrüstung
  • Dokumentation
  • Lagerung und Transport
  • Reklamationen, Rückrufe und Rückgaben
  • Outsourcing und Lieferantenqualifizierung
  • Selbstinspektionen

Zentral ist dabei der risikobasierte Ansatz, der sich am Prinzip des Qualitätsrisikomanagements orientiert.

In Deutschland gibt es, neben den EU-Vorgaben, verschiedene Gesetze und Verordnungen, die den Großhandel mit Arzneimitteln regeln. Diese gesetzlichen Regelungen betreffen die Herstellung, Lagerung, den Vertrieb sowie den Handel mit Arzneimitteln und Wirkstoffen. Hierzu zählen:

In den USA existiert keine eigenständige GDP-Leitlinie, wie sie in der EU vorliegt. Dennoch sind vergleichbare Anforderungen regulatorisch verankert, insbesondere durch:

Die FDA adressiert Distributionsprozesse häufig im Rahmen von GMP-Inspektionen oder bei Untersuchungen zu Fälschungen, Temperaturabweichungen oder Rückrufen.

Zentrale GDP-Anforderungen und Umsetzung in der Praxis

GDP verlangt ein dokumentiertes und wirksam implementiertes Qualitätsmanagementsystem, das alle Distributionsaktivitäten abdeckt. Dieses System muss unter anderem sicherstellen:

  • klare Verantwortlichkeiten
  • definierte Prozesse
  • Lenkung von Abweichungen
  • CAPA-Systeme
  • regelmäßige Selbstinspektionen

Die Geschäftsleitung trägt die Gesamtverantwortung für die Einhaltung der GDP-Anforderungen.

Ein zentrales Element der GDP ist die Benennung einer verantwortlichen Person, die sicherstellt, dass alle GDP-relevanten Prozesse eingehalten werden. Diese Person muss über:

  • ausreichende fachliche Qualifikation,
  • praktische Erfahrung im Arzneimittelvertrieb,
  • Kenntnisse der relevanten Regularien

verfügen und in der Lage sein, qualitätsrelevante Entscheidungen unabhängig zu treffen.

Ein weiterer Aspekt der GDP ist die kontrollierte Lagerung und der kontrollierte Transport von Arzneimitteln. Wesentliche Anforderungen sind:

  • geeignete Lagerbedingungen (z. B. Temperatur, Feuchtigkeit, Licht)
  • qualifizierte Lager- und Transportprozesse
  • Überwachung und Dokumentation der Transportbedingungen
  • Umgang mit temperaturgeführten Arzneimitteln (z. B. Kühlkette)

Abweichungen, etwa Temperaturüberschreitungen, müssen bewertet, dokumentiert und – falls erforderlich – zu einer Sperrung oder Vernichtung der Ware führen.

GDP fordert eine vollständige und nachvollziehbare Dokumentation, die sicherstellt, dass:

  • der Ursprung jedes Arzneimittels bekannt ist,
  • alle Lieferwege nachvollzogen werden können,
  • betroffene Chargen im Rückruffall schnell identifiziert werden.

Dies ist insbesondere im Zusammenhang mit Fälschungsschutz und Rückrufmanagement von zentraler Bedeutung.

Unternehmen müssen klare Verfahren für:

  • Reklamationen,
  • Rückrufe,
  • Rückgaben und
  • verdächtige oder gefälschte Arzneimittel

etabliert haben. Rückgaben dürfen nur unter genau definierten Bedingungen wieder in den verkaufsfähigen Bestand aufgenommen werden.

Umsetzung von GDP in die Praxis

In der Praxis bedeutet GDP nicht nur das Vorhandensein von SOPs, sondern deren konsequente Umsetzung im Tagesgeschäft. Typische Herausforderungen sind:

  • Schnittstellen zwischen GMP und GDP
  • externe Logistikdienstleister
  • internationale Lieferketten
  • digitale Temperaturüberwachung
  • Schulung von Lager- und Transportpersonal

Besonders wichtig ist die Qualifizierung und Überwachung externer Dienstleister, da ausgelagerte Tätigkeiten weiterhin in der Verantwortung des Auftraggebers liegen.

GDP-Schulungen

Um GDP-Anforderungen nachhaltig umzusetzen, sind regelmäßige Schulungen essenziell. Empfohlen werden insbesondere:

  • GDP-Grundlagenschulungen für neue Mitarbeitende
  • Schulungen zum Umgang mit Abweichungen und Rückrufen
  • Auditschulungen für interne und externe GDP-Audits
  • regelmäßige Auffrischungsschulungen

Solche Schulungen unterstützen nicht nur die Compliance, sondern reduzieren auch das Risiko von Beanstandungen bei Inspektionen.

Arbeitsgruppen und weiterführende Informationen

Ergänzende Informationen, Best Practices und fachlichen Austausch bieten u. a.:

Diese Plattformen helfen dabei, regulatorische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und in die eigene Praxis zu überführen.

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