Warning Letter wegen gravierender Mängel bei Anlagen, Dokumentation und Kontaminationskontrolle
Im September 2025 inspizierte die FDA einen chinesischen Wirkstoffhersteller und stellte dabei schwerwiegende Abweichungen von den GMP-Anforderungen fest. Die Beanstandungen betreffen den baulichen Zustand der Anlagen, die Herstellvorschriften sowie Risiken einer Kreuzkontamination.
Der zentrale Kritikpunkt des Warning Letters ist der mangelhafte Zustand von Gebäude und Ausrüstung. So wurden unter anderem starke Korrosion an der Verrohrung eines Produktionstanks beobachtet. Darüber hinaus traten in verschiedenen Bereichen der Facility wiederholt Wasserlecks in den Decken auf, unter anderem im Lager, in Produktions- und Verpackungsbereichen. Infolge dieser Leckagen kam es zu Wasserlachen am Boden in Zone-D-Bereichen. Nach Einschätzung der FDA stellen solche Bedingungen ein erhebliches Risiko für die Produktqualität dar, da Feuchtigkeit sowohl chemische Abbauprozesse als auch mikrobielles Wachstum begünstigen kann.
Die vom Unternehmen vorgelegten Korrekturmaßnahmen bewertet die FDA als unzureichend. Zwar wurden einzelne Reparaturen durchgeführt und Fotos geschickt sowie ein Wartungsprogramm beschrieben, jedoch fehlen detaillierte Angaben zu Art und Umfang der Maßnahmen sowie eine umfassende Untersuchung, ob auch andere Anlagen und Gebäude von Undichtigkeiten betroffen sind. Insbesondere fehlt der FDA eine Risikobewertung, ob und in welchem Umfang bereits hergestellte Wirkstoff-Chargen durch Feuchtigkeit beeinträchtigt wurden.
Ein weiterer wesentlicher Mangel betrifft die Herstellvorschriften. Die FDA beanstandet, dass die Master Batch Records unvollständig sind und wesentliche Prozessparameter fehlen. So wurden einzelne Prozessschritte ohne definierte Zeitvorgaben beschrieben, Mengenangaben nicht festgelegt und kritische Prozessbedingungen nicht ausreichend spezifiziert. Ohne diese Angaben ist aus Sicht der FDA keine ausreichende Kontrolle über den Herstellprozess möglich. Auch hier bewertet die FDA die Antwort des Herstellers als unzureichend. Die vorgenommenen Korrekturen beschränken sich auf einzelne Prozesse und wurden nicht auf alle hergestellten Wirkstoffe ausgeweitet. Zudem fehlt eine rückschauende Überprüfung bereits hergestellter Chargen.
Darüber hinaus stellte die FDA fest, dass die Trennung unterschiedlicher Herstellbereiche unzureichend ist und dadurch das Risiko einer Kreuzkontamination besteht. Die Behörde äußert insbesondere Bedenken im Hinblick auf die mögliche Vermischung verschiedener Wirkstoffe bei zukünftiger Produktion für den US-Markt.
Die FDA fordert umfassende Maßnahmen zur Behebung der festgestellten Mängel. Dazu gehören insbesondere eine detaillierte Risikobewertung hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf bereits in Verkehr befindliche Chargen, eine grundlegende Überarbeitung des Wartungs- und Instandhaltungssystems, die Vervollständigung und Standardisierung der Herstellvorschriften sowie geeignete Maßnahmen zur Vermeidung von Kreuzkontamination.
Den ausführlichen Warning Letter finden Sie auf der Seite der FDA.




