Warning Letter an deutsches Unternehmen - wenn EU und US Regularienunteschiede zur Falle werden

Einordnung: Antitranspirantien in EU vs. USA

In Europa werden klassische Antitranspirantien in der Regel als Kosmetika eingestuft und nicht nach dem Arzneimittelgesetz reguliert. Entscheidend ist hier, dass sie in der Kosmetikdefinition als Produkte zur Reinigung, Parfümierung, Veränderung des Aussehens oder zum Geruchsschutz verstanden werden. Der Fokus liegt also primär auf einem kosmetischen Nutzen, etwa der Reduktion unangenehmer Gerüche.

In den USA ist die Einstufung deutlich strenger: Antitranspirantien, die die Schweißbildung hemmen, gelten dort als OTC-Arzneimittel (over-the-counter drugs). Sie greifen in eine Körperfunktion ein – die Schweißsekretion – und gehen damit über einen reinen „Deo-Effekt“ hinaus, der nur Gerüche bindet oder überdeckt.

Folge: Antiperspirants unterliegen in den USA den Anforderungen an Arzneimittelqualität (CGMP), an Zulassung bzw. Monographenkonformität und an korrekte Kennzeichnung als Drug.

Vor diesem Hintergrund ist auch der nachfolgende Warning Letter der FDA gegen die Thomas Brunner Hygiene GmbH zu verstehen.

Der Warning Letter

Der  FDA-Warning Letter an die Thomas Brunner Hygiene GmbH rügt die Herstellung und Vermarktung der syNeo-Antitranspirantien für den US-Markt. Die Firma ist bei der FDA als Hersteller von OTC-Arzneimitteln registriert. Im Rahmen einer Unterlagenprüfung nach Section 704(a)(4) FD&C Act und einer Überprüfung der Produktkennzeichnung inklusive Website stellt die FDA gravierende Mängel fest.

Mängel bei der Herstellung und Qualitätssicherung

Im Bereich GMP bemängelt die FDA vor allem, dass die Fertigprodukte vor Freigabe nicht ausreichend geprüft werden: Es liegen keine belastbaren Gehaltsbestimmungen der Wirkstoffe vor, sodass Identität und Stärke der aktiven Bestandteile nicht wissenschaftlich abgesichert sind. Zudem fehlt eine angemessene Prozess- und Reinigungsvalidierung. Der Betrieb stützt sich im Wesentlichen auf das Endergebnis („final inspection result“), ohne kritische Prozessparameter und deren Beherrschung systematisch zu belegen, und ohne validierte, reproduzierbare Reinigungsverfahren für nicht dedizierte Anlagen. Auch die Rohstoffkontrollen sind unzureichend: Hochrisiko-Komponenten wie Glycerin werden nicht konsequent auf Diethylenglykol/Ethylenglykol nach USP geprüft; die Qualität des eingesetzten Wassers ist nicht durch ein strukturiertes Monitoring nach den USP-Vorgaben für Wasser abgesichert. Schließlich existiert kein tragfähiges Stabilitätsprogramm mit stabilitätsanzeigenden Methoden und aussagekräftigen Daten über die gesamte Laufzeit. Insgesamt bewertet die FDA die Produkte daher als „adulterated“, weil Methoden, Anlagen und Kontrollen nicht CGMP-konform sind.

Unapproved New Drug & Misbranding

Parallel dazu stellt die FDA fest, dass die syNeo-Antitranspirantien arzneimittelrechtlich nicht regelkonform sind. Durch „Drug Facts“-Angaben und Claims wie „Reduces underarm perspiration“ werden sie eindeutig als Arzneimittel positioniert. Für OTC-Antitranspirantien gilt in den USA die OTC-Monographie M019. Zwar sind die Wirkstoffe Aluminiumchlorhydrat und Aluminiumchlorid jeweils einzeln von dieser Monographie abgedeckt. In den syNeo-Produkten werden sie jedoch in Kombination eingesetzt – eine Kombination, die die Monographie ausdrücklich nicht vorsieht. Damit entsprechen die Produkte nicht den Monographiebedingungen, sind nicht GRASE und gelten als „unapproved new drugs“, für die keine Zulassung vorliegt. Gleichzeitig sind sie wegen Verstoßes gegen die gesetzlichen Vermarktungsbedingungen als „misbranded“ einzustufen.

Die FDA fordert das Unternehmen auf, die Ursachen dieser Mängel zu ermitteln, umfassende Korrektur- und Vorbeugemaßnahmen umzusetzen und innerhalb von 15 Arbeitstagen schriftlich zu reagieren. Bis zur nachgewiesenen Behebung der Verstöße kann die FDA Zulassungen, in denen Thomas Brunner Hygiene GmbH als Hersteller aufgeführt ist, zurückhalten und Produkte aus diesem Werk bei der Einfuhr in die USA zurückweisen. Angesichts der Breite der Defizite empfiehlt die FDA ausdrücklich die Unterstützung durch einen qualifizierten GMP-Berater; die Gesamtverantwortung bleibt jedoch bei der Unternehmensleitung.

Weitere Details finden Sie direkt im veröffentlichten Warning Letter der FDA.

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