Veröffentlichung der EMA Q&A zur Umsetzung der 3D-Druck-Technologie

Die European Medicines Agency (EMA) hat Leitlinien herausgegeben, um die Einführung des 3D-Drucks (3DP), auch bekannt als additive Fertigung, bei der Herstellung fester oraler Darreichungsformen zu unterstützen. Diese neue Technologie ermöglicht die schichtweise Herstellung von Arzneimitteln auf der Grundlage digitaler 3D-Modelle, wie beispielsweise CAD-Dateien, und bietet damit einen äußerst flexiblen und innovativen Fertigungsansatz. Die EMA betont, dass 3DP keine einzelne Technik ist, sondern ein Oberbegriff, der mehrere Drucktechnologien umfasst, von denen jede spezifische Prozessmerkmale und Auswirkungen auf die Produktqualität aufweist.

Ein wesentlicher Vorteil des 3DP liegt in seiner Fähigkeit, ein patientenorientiertes Arzneimitteldesign zu ermöglichen. Durch die Möglichkeit der individuellen Anpassung von Dosierungsstärke, Form, Farbe, Geschmack und Wirkstoffkombinationen unterstützt es die Entwicklung personalisierter Arzneimittel, die auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind. Dies ist besonders vorteilhaft für pädiatrische und geriatrische Patientengruppen, Patienten, die komplexe Medikamentenregime benötigen, sowie für Menschen mit seltenen Krankheiten. Darüber hinaus ermöglicht 3DP eine schnelle Fertigung in kleinem Maßstab durch kompakte Anlagen, weniger Prozessschritte und hochautomatisierte digitale Arbeitsabläufe.

Der EMA-Leitfaden umreißt wichtige Qualitätsaspekte, die bei der pharmazeutischen Entwicklung berücksichtigt werden müssen. Dazu gehören die physikalisch-chemischen Eigenschaften von Wirkstoffen und Hilfsstoffen, wie Partikelgröße, Verträglichkeit und Stabilität unter Druckbedingungen. Die rheologischen Eigenschaften und die Druckbarkeit der Formulierung sowie der physikalische Zustand des Wirkstoffs (z. B. kristallin oder amorph) können die Produktleistung, einschließlich Auflösung und Bioverfügbarkeit, erheblich beeinflussen. Darüber hinaus müssen die Auswirkungen des 3DP-Verfahrens auf kritische Qualitätsmerkmale (CQAs) – wie Gehaltseinheitlichkeit, Zerfall, Porosität und Stabilität – gründlich bewertet werden.

Ein wichtiger Aspekt der 3DP-Herstellung ist die Verwendung von Zwischenprodukten, oft als „Pharma-Tinten“ bezeichnet, die typischerweise in Kartuschen oder Spritzen gelagert werden. Diese Komponenten gelten als kritisch für den Prozess, und ihre Stabilität – sowohl physikalisch-chemisch als auch mikrobiologisch – muss bewertet werden, insbesondere bei Mehrfachanwendungen. Anwendungsstudien, Temperaturwechselprüfungen und rheologische Tests werden empfohlen, um eine konsistente Leistung und Dosierungsgenauigkeit bei wiederholter Anwendung sicherzustellen.

Die Prozessvalidierung ist eine zentrale Anforderung, da der 3D-Druck als nicht standardmäßiges Herstellungsverfahren eingestuft wird. Die Validierung muss nachweisen, dass der Prozess konsistent Produkte hervorbringt, die vordefinierte Qualitätskriterien erfüllen. Jede Änderung an Anlagen oder Prozessparametern erfordert eine risikobasierte Bewertung, um die Notwendigkeit einer erneuten Validierung zu ermitteln. Im Falle eines Technologietransfers müssen Endnutzer die Prozessrobustheit durch zusätzliche Produktionschargen bestätigen.

Um eine gleichbleibende Produktqualität zu gewährleisten, müssen Hersteller eine umfassende Kontrollstrategie festlegen. Dazu gehört die Festlegung von Spezifikationen sowohl für die Pharma-Tinte als auch für das Endprodukt in Übereinstimmung mit den EMA-Richtlinien und den Standards der Pharmakopöen. Der Einsatz fortschrittlicher prozessanalytischer Technologien (PAT) wie Nahinfrarot- (NIR) oder Raman-Spektroskopie wird empfohlen, um eine Echtzeitüberwachung und potenziell Echtzeit-Freigabetests zu ermöglichen.

Schließlich wird in den Leitlinien festgelegt, dass alle Aspekte der 3DP-Herstellung den GMP-Anforderungen entsprechen müssen. Dies umfasst die Auslegung, Qualifizierung und Wartung der Anlagen (einschließlich der Softwarevalidierung), die Herstellung von Zwischenprodukten, den Druckprozess selbst, Qualitätskontrollen sowie die Chargenfreigabe. Grundsätze des Qualitätsrisikomanagements sollten durchgängig angewendet werden, um potenzielle Risiken zu identifizieren und zu mindern und sicherzustellen, dass mittels 3DP hergestellte Arzneimittel denselben hohen Standards hinsichtlich Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität entsprechen wie traditionell hergestellte Produkte.
Insgesamt bietet die 3DP zwar erhebliche Innovationsmöglichkeiten in der pharmazeutischen Herstellung, doch die EMA unterstreicht die Bedeutung einer strengen behördlichen Aufsicht und wissenschaftlichen Erkenntnisse, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen. Lesen Sie den vollständigen EMA-Leitfaden "Questions & Answers on the Implementation of 3DP Technology (Additive Manufacturing Technology) for Solid Oral Dosage Forms" auf der Webseite.

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