Potency von Immuntherapien - FDA veröffentlicht einen Leitfadenentwurf
Seminarempfehlung
24 November 2026
Darmstadt
This conference is part of PharmaLab Congress 2026
Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat im August 2026 einen Leitlinienentwurf zur Potenzprüfung von Active Immunotherapy Products (ACTIMPs) veröffentlicht. Er richtet sich an Hersteller und Sponsoren, die die gleichbleibende Wirksamkeit aktiver Immuntherapien über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg sicherstellen müssen. Der Entwurf ist nicht verbindlich und steht zunächst zur Kommentierung.
Hintergrund und Zweck
ACTIMPs behandeln bestehende Erkrankungen, indem sie Immunzellen mithilfe krankheitsbezogener Antigene induzieren, stimulieren oder modulieren. Dazu gehören peptide- und proteinbasierte Produkte, virale oder bakterielle Vektoren sowie zellbasierte Ansätze. Besonders relevant ist der Entwurf für Krebsimmuntherapien gegen Tumor- und Neoantigene sowie für Ansätze zur Induktion einer Immuntoleranz bei Autoimmunerkrankungen.
Die Potenzbewertung ist anspruchsvoll, weil die therapeutische Wirkung wesentlich von der individuellen Immunreaktion abhängt. Bei personalisierten Produkten erschweren patientenspezifische Antigene und begrenzt verfügbare Reagenzien die Entwicklung geeigneter Bioassays. Die FDA empfiehlt daher einen wissenschafts- und risikobasierten Ansatz, der den Wirkmechanismus (MOA) mit kritischen Qualitätsattributen (CQAs) verknüpft. Nicht erfasst sind unter anderem prophylaktische Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten, Bakteriophagen, lebende biotherapeutische Produkte sowie FMT- und allergene Produkte.
Regulatorischer Rahmen
Der Entwurf betrifft biologische Produkte nach Abschnitt 351 des Public Health Service Act. Für diese ist nachzuweisen, dass sie sicher, rein und potent sind und diese Eigenschaften dauerhaft erhalten bleiben. Potenzassays sind daher insbesondere für Chargenfreigabe, Stabilitätsprüfungen und Vergleichbarkeitsbewertungen bei Prozessänderungen relevant. Bei zugelassenen Produkten müssen sie den geltenden Biologika- und cGMP-Anforderungen entsprechen und validiert sein.
Für Prüfpräparate in frühen klinischen Phasen lässt die FDA einen schrittweisen und iterativen Aufbau der Potenzsicherung zu. Umfang und Tiefe der Nachweise können von Entwicklungsphase, Studiendauer, Darreichungsform und vorhandenen Daten abhängen. Eine ausreichende Potenzbewertung bleibt jedoch Voraussetzung für den Schutz der Studienteilnehmer. Die FDA empfiehlt, Potenzstrategie und Assay-Entwicklung frühzeitig mit dem zuständigen CBER-Review-Team abzustimmen.
Kernaussagen für die Praxis
Potenzassays sollen quantitativ sein und zuverlässig zwischen ausreichend aktiven und unterpotenten Chargen unterscheiden. Je nach Produkt kommen biologische, physikalisch-chemische oder komplementäre Prüfungen infrage. Bei Vektoren sind Gentransfer und biologische Wirkung des exprimierten Antigens zu berücksichtigen. Bei personalisierten Produkten kann nach Qualifizierung von Herstellungsprozess und Bioinformatik-Pipeline eine physikalisch-chemische Prüfung genügen. Für zellbasierte ACTIMPs sind unter anderem Zellviabilität, Antigen- oder Immunmodulator-Expression und relevante Zellfunktionen einzubeziehen.
Der Entwurf unterstreicht die Notwendigkeit einer produkt- und wirkmechanismusspezifischen Potenzstrategie, die über den gesamten Lebenszyklus mit Prozessverständnis, Materialkontrolle, Stabilität und Änderungsmanagement verknüpft ist.
Ausführlichere Informatione bietet Ihnen der Draft Guidance for Industry - Potency Assessment of Active Immunotherapy Products direkt.



