Pflanzliche Arzneimittel: Statement des HMPC zu Pyrrolizidinalkaloiden

Das Herbal Medicinal Products Committee (HMPC) der EMA hat den Entwurf des aktualisierten Public Statement des HMPC zu Pyrrolizidinalkaloiden (PAs) veröffentlicht. Das Statement enthält u.a. die Grenzwerte für die tägliche maximale Aufnahmemenge an PAs und kann bis zum 15. November 2020  kommentiert werden.

Vom HMPC empfohlene maximale tägliche Aufnahmemenge an PAs

Das Dokument ist eine Aktualisierung des 2014 publizierten Public Statements, welches als maximale Aufnahmemenge 0,35 µg PAs pro Tag enthielt. Dieser Grenzwert ist u.a. auch in dem Ph. Eur. Entwurf für das neue Kapitel 2.8.26. Contaminant pyrrolizidine alkaloids genannt. Gleichzeitig entwickelt die USP aktuell ein neues Kapitel zu <1567> Pyrrolizidine Alkaloids.

Bereits 2016 hatte das BfArM die pharmazeutischen Unternehmen aufgefordert, das Risiko einer Kontamination produktspezifisch zu prüfen, den Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden zu bestimmen und bei Bedarf Maßnahmen zu ergreifen. Das Ziel dieser BfArM-Maßnahme war es, eine Exposition mit PAs über 1 µg pro Tag zu vermeiden.

Das überarbeitete HMPC Dokument kommt nun zu folgenden Grenzwerten:

Orale Anwendung von Arzneimitteln (mit PA-haltigen pflanzlichen Ausgangsstoffen / pflanzlichen Zubereitungen):

  • Auf Basis einer 50 kg Person wird eine tägliche Aufnahmemenge von max. 1.0 µg PAs pro Tag für Erwachsene empfohlen.
  • Sensible Gruppen (Kinder): Die maximal zulässige Aufnahmemenge an PAs muss entsprechend umgerechnet werden (laut Dokument würde sich z.B. bei einem Körpergewicht von 20 kg ein Wert von max. 0.5 µg PAs pro Tag ergeben)

Topische Anwendung von Arzneimitteln (mit PA-haltigen pflanzlichen Ausgangsstoffen / pflanzlichen Zubereitungen):

  • Es muss sichergestellt sein, dass die empfohlene tägliche Aufnahmemenge von max. 1.0 µg PAs pro Tag für Erwachsene bei der Anwendung des Arzneimittels eingehalten wird. Die Anwendung ist beschränkt auf intakte Haut. 
  • Sensible Gruppen (Kinder): s. orale Anwendung.

Kontaminationen:

  • Für Kontaminationen von Arzneimitteln mit PAs (z.B. durch Wirk- und / oder Hilfsstoffe) gilt ebenfalls der Grenzwert von max. 1.0 µg pro Tag für Erwachsene. Für Kinder und Jugendliche muss der Grenzwert bezogen auf das Körpergewicht entsprechend umgerechnet werden.
  • Für Arzneimittel mit PA-haltigen pflanzlichen Ausgangsstoffen / pflanzlichen Zubereitungen gilt: Die Summe an PAs des Wirkstoffs und möglicher PA-Kontaminationen (z.B. der Hilfsstoffe) darf die Grenzwerte nicht überschreiten.

Empfohlene Strategie für das Risikomanagement von möglichen PA-Kontaminationen

Das grundlegende Verfahren für das Risikomanagement einer PA-Kontamination in pflanzlichen Arzneimitteln sollte nach dem ALARA-Konzept erfolgen ("As Low As Reasonably Achievable", d.h. das Risiko sollte so niedrig wie möglich sein). Laut dem HMPC sollte eine Kontamination pflanzlicher Ausgangsstoffe mit PA enthaltenden Unkräutern aufgrund der Anforderungen an die pharmazeutische Produktqualität und der Einhaltung von GACP und GMP überhaupt nicht auftreten.

Bezogen auf die Qualität pflanzlicher Arzneimittel sollten zwei Hauptaspekte beachtet werden:

  • Implementierung eines geeigneten Test-Verfahrens zur Sicherstellung und Kontrolle, dass die PA-Werte die Anforderungen an die Grenzwerte erfüllen,
  • Implementierung von Maßnahmen zur Vermeidung oder Verringerung einer möglichen PA-Kontamination in pflanzlichen Arzneimitteln.

Auf der Webseite der EMA kann das "HMPC Public Statement on the use of herbal medicinal products containing toxic, unsaturated pyrrolizidine alkaloids (PAs) including recommendations regarding contamination of herbal medicinal products with pyrrolizidine alkaloids" angesehen werden.

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