Packmittel: DIN-Norm zur Migration veröffentlicht

Im Zusammenhang mit Lebensmittelverpackungen sind Mineralölkohlenwasserstoffe (mineral oil saturated hydrocarbons - MOSHs und mineral oil aromatic hydrocarbons - MOAHs) in den Fokus gerückt, nachdem festgestellt wurde, dass diese zum Teil in Verpackungen aus bedrucktem und/oder recyceltem Karton oder Papier vorkommen und auf Lebensmittel übergehen können (z.B. Cornflakes, Schokolade). Die Migration kann auch dann stattfinden, wenn sich diese Lebensmittel noch in einer weiteren Hülle (z.B. Plastikbeutel) innerhalb des Kartons befinden. Als Hauptquelle der Kohlenwasserstoffe in recyceltem Material (z.B. aus Altpapier) wurden mineralölhaltige Druckfarben identifiziert, die vor allem im Zeitungsdruck verwendet werden. Insbesondere bei der MOAH-Fraktion in Mineralöl aus Druckfarben besteht die Möglichkeit des Vorhandenseins von Substanzen mit möglicherweise kanzerogenem Potential.

Mit der nun verabschiedeten DIN SPEC 5010 "Prüfung von Papier, Karton und Pappe - Bestimmung des Übergangs von Mineralölkohlenwasserstoffen aus Lebensmittel-Bedarfsgegenständen, die mit Altpapierstoffanteilen hergestellt werden" wird ein standardisiertes Messverfahren zur Bewertung der Migration aus Papier, Karton und Pappe zur Verfügung gestellt. Sie erlaubt im konkreten Anwendungsfall Aussagen zur Abschätzung des Übergangs von Mineralölkohlenwasserstoffen aus faserbasierten Papieren, Kartons und Pappen, die mit einer Barriere oder einer anderen Technik ausgestattet sind.

Obwohl sich die Norm mit Lebensmittelverpackungen beschäftigt, kann sie auch Anwendung für Verpackungen für Arzneimittel zur oralen und topischen Anwendung finden, da diese Verpackungen u.a. auch den Lebensmittelanforderungen entsprechen sollten (z. B. gemäß der European guideline on plastic immediate packaging materials).

Die Hersteller von faserbasierten Papieren, Kartons und Pappen mit Barrierefunktion kennen die individuell geeigneten Verarbeitungsbedingungen für ihre Produkte und sollen diese Informationen (beispielsweise zu den Schneid- und Rillanforderungen und möglichen Packungskonstruktionen) an ihre Kunden weitergeben. Dem Verwender (Verarbeiter) soll es dadurch möglich sein - auf Basis der per DIN SPEC 5010 ermittelten Migrations-Werte für das unverarbeitete Material - im Rahmen ihrer Risikobewertung eine auf den konkreten Anwendungsfall bezogene Abschätzung der Migration aus der fertigen Verpackung (Lebensmittel-Bedarfsgegenstand) durchzuführen. Die Messmethode ist auf Materialien in unverarbeitetem Zustand (Bogen- und Rollenware) anwendbar. Die Barriereleistung wird somit bewertbar.

Das Projekt wurde vom Verband Deutscher Papierfabriken e. V. (VDP) initiiert. An der DIN SPEC 5010 haben sich insgesamt 14 Projektpartner aus Industrie, Forschung, Verbänden (insgesamt fünf) und Prüfinstituten beteiligt. Die Projektpartner haben sich für die Veröffentlichung der DIN SPEC 5010 ausgesprochen und die Möglichkeit der Weiterführung des Projektes auf europäischer Ebene wird derzeit diskutiert. Die DIN SPEC 5010 steht als kostenloser Download zur Verfügung.

Gibt es Grenzwerte für MOSHs und MOAHs?
Bisher gibt es keine Regulierung auf europäischer Ebene. Auch in Deutschland gibt es keine bindenden gesetzlichen Vorgaben. Allerdings gibt es mehrere Entwürfe für Änderungen der „Bedarfsgegenständeverordnung“, die Materialien mit Lebensmittelkontakt reguliert:

  • Die „Druckfarbenverordnung“: Sie soll über eine Positivliste sicherstellen, dass nur noch unbedenkliche Druckfarben direkt auf Lebensmittelverpackungen aufgedruckt werden.
  • Die „Mineralölverordnung“: Diese schreibt die Verwendung sogenannter „funktioneller Barrieren“ bei Lebensmittelverpackungen aus Altpapier vor: zum Beispiel eine dünne Schicht auf dem Karton, die den Übergang von Stoffen auf Lebensmittel verhindern soll. Im Entwurf von 2017 wird eine Barriere als „funktional“ definiert, wenn der Übergang von MOAHs auf Lebensmittel unter 0,5 mg/kg liegt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schlägt in seiner Stellungnahme Übergänge von Mineralöl aus Verpackungsmaterialien auf Lebensmittel vom Dezember 2009 einen temporären ADI-(acceptable daily intake) Wert von 0,01 mg/kg Körpergewicht/Tag für Class II / III-Mineralöle (Mineralöle mit mittlerer und niedriger Viskosität und einer mittleren relativen Molekülmasse < 480 / < 400) vor.

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

OK

Zurück

GMP Seminare nach Thema

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

OK