Neues Kapitel im Europäischen Arzneibuch zur visuellen Kontrolle auf sichtbare Partikel

Das EDQM hat ein neues Kapitel über die Prüfung von Parenteralia auf sichtbare, partikuläre Verunreinigungen erarbeitet, wie schon unter Neues vom Europäischen Arzneibuch zur visuellen Kontrolle von Injectabilia zu lesen war. Das neue Kapitel 5.17.2 mit empfehlendem Charakter "Recommendations on testing of particulate contamination: visible particles" wurde im Pharmeuropa 30.4 nun offiziell zu Kommentierung veröffentlicht. Die Vorgaben für die Prüfmethoden auf sichtbare Partikel finden sich nach wie vor im Kapitel 2.9.20. Particulate contamination: visible particles.

Das neue Kapitel unterscheidet zwischen extrinsischen und intrinsischen Partikeln. Erste sind Verunreinigungen aus der Umgebung, der Ausrüstung oder dem Packmittel wie z.B. Haare, Fasern oder Glas. Letzteres sind Verunreinigungen aus der Formulierung, dem Produkt oder den Hilfsstoffen selbst oder dem Prozess, wie z.B. Protein-Agglomerate, Silikon Tröpfchen oder anorganischer Niederschlag. Beide Arten von Partikeln sollten vermieden werden, es wird aber auch darauf hingewiesen, dass es Arzneien (wie in der Zelltherapie oder in Dispersionen) gibt, wo die Partikel selbst das Produkt darstellen.

Ferner wird darauf hingewiesen, dass es Produkte gibt, die aufgrund ihrer Natur schwer visuell zu kontrollieren sind, wie z.B. opaleszente, gefärbte oder trübe Lösungen oder auch Lyophilisate. Hier sollten Maßnahmen ergriffen werden, die eine Detektion verbessern. Genannte sind u.a. eine Verlängerung der Inspektionszeiten von mehr als je 5 Sekunden vor schwarzem und weißen Hintergrund oder Beleuchtungsstärken von mehr als 3750 lux wie vorgegeben im verpflichtenden Kapitel 2.9.20.

Erstmals wird im Ph.Eur. auch von einer zusätzlichen AQL Prüfung mit Bezug auf die ISO 2859-1 im Rahmen der visuellen 100% Kontrolle gesprochen. Diese soll belegen, dass die zuvor durchgeführte 100% Kontrolle korrekt durchgeführt wurde und etwaige Behälter mit Partikeln aussortiert worden sind. Gemäß EDQM sollten verschiedene AQL Grenzwerte eingeführt werden, z.B. für minor, major oder critical defects.
Ferner ist es laut dem neuen Kapitel möglich, auf eine weitere Qualitätskontroll-Prüfung im Rahmen der Chargenfreigabe auf Partikel zu verzichten, wenn die im Rahmen der Produktion durchgeführte 100% visuelle Kontrolle (manuell oder automatisch) als auch die AQL Prüfung erfolgreich waren. Dies gilt nicht für Lyophilisate, für die zusätzliche Proben rekonstituiert und geprüft werden müssen.

Das neue Kapitel schreibt aber auch, dass obwohl das Ziel 0 Partikel pro Behälter ist, dies in Wirklichkeit aufgrund der probabalistischen Natur der visuellen Kontrolle nicht realistisch ist. Eine generelle Empfehlung wird hier aber nicht gegeben.

Die Aussagen im Entwurf des neuen Arzneibuch-Kapitels stimmen mit den Ausführungen im Best Practice Guide der ECA Visual Inspection Group überein.

Der neue Kapitel-Entwurf ist kostenlos auf Pharmeuropa Online verfügbar - dort unter "Texts for comment". Es ist lediglich eine kostenfreie Registrierung erforderlich.

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