Media Fill und aseptisches Verhalten im Mittelpunkt eines FDA Warning Letters

Nach einem ersten Warning Letter vom 04. Februar 2019 erteilte die FDA der amerikanischen Firma Akorn am 13. Juni 2019 den zweiten Warning Letter innerhalb eines halben Jahres. Mit 10 Seiten ist der Warning Letter ungewöhnlich umfangreich. In dieser News werden die festgestellten Mängel beim Media Fill und beim aseptischen Verhalten der Mitarbeiter betrachtet. Warning Letter der FDA referenzieren immer auf entsprechende Kapitel des 21 CFR Part 211.

Your firm failed to follow appropriate written procedures that are designed to prevent microbiological contamination of drug products purporting to be sterile, and that include validation of all aseptic and sterilization processes (21 CFR 211.113(b)).

"Poor Aseptic Behavior"

Hier bemängelte die FDA mehrere schlechte aseptische Praktiken beim Setup und bei der Abfüllung einer Lidocainhydrochlorid-Lösung. U. a. wurden folgende Mängel aufgeführt:

  • Ein Mitarbeiter stellte eine aseptische Verbindung her, ohne zuvor die Hände zu desinfizieren.
  • Ein Mitarbeiter bückte sich um seine Schuhsohlen abzuwischen; ohne die Hände zu desinfizieren, verband dieser Mitarbeiter einen neuen Tank mit der Abfülllinie.
  • Sterile Lidocainhydrochlorid-Lösung leckte während des Setups und der Abfüllung auf den Boden. Während die Mitarbeiter die ausgelaufene Lösung aufwischten, wurde die Abfüllung nicht unterbrochen. Aseptische Verbindungen wurden direkt über dem ausgelaufenen Produkt ausgeführt.
  • Der Inspektor kritisierte die komplette aseptische Abfüllung; sowohl das Maschinendesign, die räumliche Situation im Bereich, in dem aseptische Verbindungen erstellt wurden, als auch die personelle Situation waren unzureichend.

Inadequate Media Fills

Beim Media Fill kritisierte man die unzureichende Simulation von Eingriffen. U. a. wurde eine Schneideeinrichtung bei der aseptischen Abfüllung ungefähr 15 Mal innerhalt des letzten halben Jahres ersetzt, ohne dass dies Eingang in das Media Fill Programm gefunden hätte. Die Lösungsvorschläge der Firma zu diesen Punkten, u. a. der Produktrückruf der betroffenen Charge, Einbeziehung einer dritten Partei zur Verbesserung des Media Fill Programms und der Plan zur Anpassung der Prozeduren und zur Revalidierung, genügten der FDA nicht.

Geforderte Maßnahmen

Die vorgeschlagenen Maßnahmen der Firma in Hinblick auf den Inspektionsbericht genügten der FDA nicht. Vielmehr werden die folgenden Maßnahmen erwartet.

  • eine umfassende und unabhängige Identifizierung aller Kontaminationsgefahren in Hinblick auf den aseptischen Prozess, die Ausrüstung und die Räumlichkeiten. Dabei soll in einer unabhängigen Risikobewertung besonders auf folgende Punkte geachtet werden:
    - alle menschlichen Interaktionen mit dem ISO 5-Bereich
    - Ergonomie und Aufstellung der Anlagen
    - Layout des Betriebs
    - Personal- und Materialfluss
    - zur Verfügung stehender Platz
  • Daraus folgend ein CAPA-Plan mit Fristen, der die Ergebnisse aus der Kontaminations-Risikobewertung betrachtet
  • Eine Verbesserung der Betriebsführung, damit gute aseptische Praktiken und angemessenes Reinraumverhalten sicherstellt werden 
  • Eine vollständige Untersuchung der Leckage bei der Abfüllung der Lidocainhydrochlorid-Lösung
  • Eine Risikobetrachtung, die das schlechte Reinraumverhalten und die ungenügenden aseptischen Praktiken in Hinblick auf die Qualität und Sterilität der Produkte bewertet
  • Eine Aktualisierung der Third-party-Bewertung des Media-Fill-Programms inklusive eines Planes, wie die daraus resultierenden Empfehlungen umgesetzt werden sollen
  • Eine Beschreibung der im letzten Media Fill umgesetzten Verbesserungen in Hinblick auf die Einbeziehung der Eingriffe

Quelle

FDA Warning Letter an Akorn Inc. vom 13. Juni 2019

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