FDA Warning Letter wegen Nichteinhaltung von Vorschriften für klinische Prüfungen

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat einen Warning Letter wegen Nichteinhaltung von Vorschriften bei der klinischen Prüfung eines Prüfpräparats zur Linderung und Behandlung von COVID-19 ausgestellt.

Während einer vom 24. Februar bis zum 3. März 2021 durchgeführten Inspektion überprüfte die FDA die Rolle eines Sponsors von zwei klinischen Prüfungen im Zusammenhang mit COVID-19-Behandlungen. Die Inspektion wurde im Rahmen des "Bioresearch Monitoring Program" der Behörde durchgeführt, das Inspektionen zur Bewertung der Durchführung von klinischen Prüfungen und zur Gewährleistung des Schutzes der Rechte, der Sicherheit und des Wohlergehens der Probanden umfasst.

Keine Einreichung von INDAs

Der Sponsor hat die klinischen Prüfungen eingeleitet und durchgeführt, ohne einen Antrag auf Erlaubnis der Testung eines neuen Arzneimittels (INDA, investigational new drug application) einzureichen. Gemäß den Vorschriften der FDA muss ein Sponsor einen IND-Antrag einreichen und in Kraft haben, bevor er eine klinische Prüfung eines Prüfpräparats am Menschen einleitet, es sei denn, die klinische Prüfung fällt unter eine INDA-Ausnahme.

Lebensmittel oder Arzneimittel?

Der Sponsor argumentierte, dass keine Verpflichtung bestehe, vor Beginn der klinischen Prüfungen eine INDA einzureichen, da es sich bei dem untersuchten Produkt um ein Lebensmittel und nicht um ein Arzneimittel handele. Zur Begründung dieses Arguments erklärte der Sponsor, dass die sekundären Endpunkte dieser Studien hinsichtlich Sicherheit und Verträglichkeit ausschlaggebend seien. Aus diesem Grund, so der Sponsor, handele es sich um einen Lebensmittel-Einsatz, "und in Übereinstimmung mit den Leitlinien der Behörde war es angemessen, diese Studien ohne eine INDA in einer Patientengruppe mit COVID-19 durchzuführen" (Übers. der Red.; im Original: "and consistent with Agency guidance, it was appropriate to conduct these studies without an INDA in a population with COVID-19").

Die FDA kam jedoch zu dem Schluss, dass die während der Inspektion gesammelten Beweise belegen, dass das Prüfpräparat für die Verwendung als Arzneimittel und nicht als Lebensmittel bestimmt war. Der FD&C Act definiert Arzneimittel als "Artikel, die für die Diagnose, Heilung, Linderung, Behandlung oder Vorbeugung von Krankheiten beim Menschen bestimmt sind..." (Übers. der Red.; im Original: "articles intended for use in the diagnosis, cure, mitigation, treatment, or prevention of disease in man . . . .").  Aufgrund des Studiendesigns handelte es sich bei dem in diesen klinischen Prüfungen verwendeten Prüfpräparat um ein Arzneimittel, da es für die Linderung und Behandlung von COVID-19 untersucht wurde. Daher war der Sponsor verpflichtet, vor Beginn der klinischen Prüfungen eine INDA bei der FDA einzureichen und in Kraft zu haben.

In der Antwort auf den 483er der FDA erklärte der Sponsor, "ein Verfahren zur Bestimmung der Notwendigkeit einer INDA bei der Entwicklung von Protokollen für klinische Studien in einer Patientengruppe, deren Endpunkte als Diagnose, Linderung, Behandlung, Vorbeugung oder Heilung einer Krankheit angesehen werden können" zu entwickeln." (Übers. der Red.; im Original: "a procedure for determining the need for an INDA when developing protocols for clinical studies in a disease population where endpoints may be viewed as diagnosing, mitigating, treating, preventing, or curing a disease.") "Der Plan für die Korrekturmaßnahmen enthält jedoch keine ausreichenden Einzelheiten über das neue Verfahren zur Festlegung von INDAs", so die FDA (Übers. der Red.; im Original: "corrective action plan does not provide sufficient details about its new procedure for INDA determination.") Daher ist die Behörde nicht in der Lage festzustellen, ob der vorgelegte CAPA-Plan geeignet ist, um ähnliche Verstöße in Zukunft zu verhindern.

Der vollständige FDA Warning Letter an Kaleido Biosciences ist auf der Website der FDA verfügbar.

Zurück

GMP Seminare nach Thema