FDA Warning Letter: Schwere GMP-Abweichungen bei chinesischem API-Hersteller
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6/7 October 2026
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat Tianjin Kilo Pharmaceutical Sci-tech Co., Ltd. in einem Warning Letter vom 6. August 2026 erhebliche Verstöße gegen die Anforderungen der Guten Herstellungspraxis (GMP) für Wirkstoffe vorgeworfen. Im Mittelpunkt stehen fehlende Prozessvalidierungen, unvollständige Herstellungsunterlagen, nicht validierte Analysenmethoden und ein unzureichendes Stabilitätsprogramm. Zusätzlich soll das chinesische Unternehmen zwei Arzneimittel nicht unter dem eigenen Labeler Code gelistet haben. Die FDA hat die Produkte des Unternehmens bereits auf Import Alert 66-40 gesetzt.
Fehlende Prozessvalidierung für in die USA gelieferte Wirkstoffe
Nach Angaben der FDA stellte Tianjin Kilo Wirkstoffe her und lieferte sie in die USA, ohne zuvor angemessene Prozessvalidierungsstudien durchzuführen. Das Unternehmen habe gegenüber der Behörde erklärt, die betreffenden Wirkstoffe befänden sich noch in der Entwicklung und seien keine kommerziellen Produkte. Deshalb seien unter anderem Standardarbeitsanweisungen und formale Validierungsdokumente noch nicht abschließend erstellt worden.
FDA-Daten zeigten jedoch, dass die Wirkstoffe an US-amerikanische 503A-Compounding-Apotheken vertrieben wurden. Damit fehlte nach Einschätzung der Behörde der grundlegende Nachweis, dass die Herstellungsprozesse die Wirkstoffe reproduzierbar in der vorgesehenen Qualität und Reinheit erzeugen können.
Die FDA fordert deshalb unter anderem:
- eine umfassende Darstellung des Validierungsprogramms über den gesamten Produktlebenszyklus,
- Zeitpläne für Prozessleistungsqualifizierungen (PPQ),
- Qualifizierungsprotokolle für Anlagen und Einrichtungen sowie
- eine Risikobewertung der bereits ohne Prozessvalidierung hergestellten und vertriebenen Wirkstoffe.
Unvollständige oder fehlende Herstellungsunterlagen
Ein weiterer zentraler Kritikpunkt betrifft die Master-Produktions- und Kontrollunterlagen. In mindestens einem vorgelegten Chargenprotokoll fehlten nach FDA-Angaben wichtige Angaben zu kritischen Prozessschritten. Unter anderem seien bestimmte Prozessparameter und wesentliche Ausrüstung nicht aufgeführt gewesen.
Für einen weiteren Wirkstoff habe Tianjin Kilo trotz mehrfacher Aufforderung überhaupt kein Chargenprotokoll vorgelegt. Ohne vollständige und angemessen detaillierte Herstellungsunterlagen sei es nicht möglich, Prozessschwankungen innerhalb einer Charge oder zwischen verschiedenen Chargen zuverlässig zu überwachen und zu bewerten.
Die FDA verlangt daher:
- eine unabhängige, weltweite Überprüfung der Produktionsprozesse,
- vollständige Master-Batch-Records für alle am US-Markt angebotenen Wirkstoffe und
- eine angemessene Dokumentation aller wesentlichen Herstellungsschritte und eingesetzten Anlagen.
Analytische Prüfmethoden nicht validiert
Auch das Laborsystem des Unternehmens weist laut Warning Letter erhebliche Lücken auf. Tianjin Kilo habe für die bei US-vertriebenen Wirkstoffen eingesetzten chemischen und mikrobiologischen Prüfmethoden weder eine ausreichende Methodenvalidierung noch - bei Verwendung von Arzneibuchmethoden - eine entsprechende Verifizierung durchgeführt. Damit fehle die notwendige wissenschaftliche Grundlage, um Identität, Gehalt, Qualität, Reinheit und Wirksamkeit der Wirkstoffe verlässlich zu bestimmen.
Die FDA fordert u.a. folgende Maßnahmen:
- Unabhängige Bewertung der Laborpraktiken, Prüfmethoden und Geräte
- Überprüfung der Dokumentation und der Qualifikation des Laborpersonals
- Vollständige Liste aller eingesetzten chemischen und mikrobiologischen Prüfmethoden
Kein belastbares Stabilitätsprogramm
Darüber hinaus stellte die FDA fest, dass Tianjin Kilo kein dokumentiertes, fortlaufendes Stabilitätsprogramm etabliert hatte. Für mindestens einen am Standort hergestellten Wirkstoff wurden keine Stabilitätsdaten vorgelegt. Nach Auffassung der Behörde fehlt damit der Nachweis, dass die Wirkstoffe ihre festgelegten Qualitätsmerkmale während der angegebenen Haltbarkeits- beziehungsweise Retest-Zeiträume unter den vorgesehenen Lagerbedingungen beibehalten.
Gefordert werden unter anderem:
- eine rückblickende Risikobewertung für bereits vermarktete Wirkstoffe,
- ein umfassendes CAPA-Programm zur Stabilitätsprüfung,
- Stabilitätsstudien in den vermarkteten Verpackungssystemen,
- geeignete stabilitätsanzeigende Prüfmethoden,
- eine genaue Festlegung der zu prüfenden Qualitätsmerkmale und Zeitpunkte,
- ein jährliches Monitoring repräsentativer Chargen.
Verstöße bei der Arzneimittellistung
Neben den GMP-Abweichungen beanstandet die FDA Verstöße gegen die Anforderungen an die Meldepflicht für Arzneimittel. Tianjin Kilo habe die Arzneimittel Demecarium bromide und Chlorambucil nicht unter dem eigenen Kennzeichnungscode gelistet, obwohl das Unternehmen die Produkte hergestellt und in die USA versandt habe. Die Produkte waren laut FDA zwar gelistet, jedoch unter dem Kennzeichnungscode eines anderen Unternehmens. Dadurch seien sie nach Einschätzung der FDA falsch gekennzeichnet beziehungsweise „misbranded“.
Mögliche regulatorische Folgen
Die FDA setzte am 21. Juli 2026 alle Arzneimittel und Arzneimittelprodukte des Unternehmens, die in die USA eingeführt werden sollen, auf Import Alert 66-40. Zudem kann die Behörde Zulassungen oder Zulassungsergänzungen mit Tianjin Kilo als Hersteller zurückhalten, bis die Abweichungen vollständig behoben und die GMP-Compliance bestätigt wurde. Das Unternehmen muss innerhalb von 15 Geschäftstagen nach Erhalt des Schreibens schriftlich Stellung nehmen und konkrete Korrektur- und Präventionsmaßnahmen vorlegen. Die FDA behält sich eine weitere Inspektion vor, um die Umsetzung und Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen.
Den kompletten Inhalt des Warning Letters finden sie auf der FDA-Website.



