FDA Warning Letter - Müllsäcke mit entsorgten Analysedaten, vorab unterschriebene Formblätter und rückdatierte GMP-Daten
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22./23. April 2026
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Die FDA hat einen neuen Warning Letter veröffentlicht, in dem sie grundlegende Mängel in der Datenintegrität sowie erhebliche Qualitätsdefizite in einem indischen Auftragslabor beanstandet.
Datenintegrität
Im Mittelpunkt der Feststellungen steht ein grundlegendes Versagen der Daten-Governance. Im Warning Letter heißt es, dass der „Inspektor zwei Müllsäcke mit zerrissenen analytischen Aufzeichnungen entdeckte, darunter chromatographische Ergebnisse, nicht identifizierte Zahlenlisten sowie Tabellen zur Methodenvalidierung von Verunreinigungen mit handschriftlichen Notizen. Für die Methodenvalidierungsstudie enthielten die offiziellen Unterlagen lediglich handschriftliche Werte, während die Originaldaten in den Müllsäcken entsorgt worden waren. […] Darüber hinaus nutzten Labormitarbeiter inoffizielle persönliche Notizbücher, um Arbeitsabläufe, analytische Beobachtungen, Ergebnisse, Methodenänderungen und Abweichungsbeschreibungen zu dokumentieren.“ (Übersetzung d. Red.)
Das Unternehmen argumentierte, dass die in den Müllsäcken gefundenen Validierungsunterlagen nicht mit Arzneimitteln für den US-Markt in Zusammenhang stünden.
Die FDA stellt jedoch klar, dass solche Praktiken die Rückverfolgbarkeit aufheben und erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit sämtlicher am Standort erzeugter Daten aufwerfen – unabhängig vom vorgesehenen Markt.Laborabweichungen und Out-of-Specification-(OOS)-Ergebnisse
Die FDA stellte fest, dass ein inoffizielles Auditformular zur Dokumentation von Mängeln verwendet wurde, „einschließlich einer Abweichung, bei der mikrobiologische Probenplatten in einem Inkubator nicht auffindbar waren, obwohl ein Logbucheintrag bestätigte, dass die Platten dort platziert worden waren.“ (Übersetzung d. Red.)
Weitere Mängel wurden im Zusammenhang mit der Handhabung von OOS-Ergebnissen und Abweichungen festgestellt. Nach Auftreten von OOS-Ergebnissen wurden Prüfungen wiederholt und die nun spezifikationskonformen Ergebnisse entsprechend verwendet. Warum es ursprünglich zu OOS-Ergebnissen kam, wurde jedoch weder überprüft noch ordnungsgemäß dokumentiert.
Auch die Argumentation des Unternehmens, bestimmte Prüfungen seien „nur zu Informationszwecken“ durchgeführt worden, wurde von der FDA ausdrücklich zurückgewiesen. Die Behörde betonte, dass sämtliche Prüfaktivitäten den CGMP-Anforderungen entsprechen müssen.
Dokumentation
Darüber hinaus stellte die FDA fest, dass Dokumentationen nicht zeitnah erstellt und teilweise manipuliert wurden, darunter vorab unterzeichnete Wartungsprotokolle sowie rückdatierte analytische Daten. Besonders kritisch ist, dass diese Mängel bereits bei früheren Inspektionen beanstandet wurden. Dies sieht die FDA als Hinweis auf systemische und nicht nur vereinzelte Probleme.
Die Situation wurde zusätzlich durch die Behinderung der Inspektion verschärft. Die FDA schreibt: „Ihr Unternehmen hat den Zugang zu während der Inspektion angeforderten Unterlagen eingeschränkt. Zu Beginn der Inspektion beobachtete unser Inspektor, dass Ihr Unternehmen versuchte, zwei große Müllsäcke zu entfernen, bei denen sich später herausstellte, dass diese Analysedaten enthielten. Weitere Unterlagen, die aus dem Qualitätskontrolllabor entfernt worden waren, wurden angefordert, jedoch unserem Inspektor nicht zur Verfügung gestellt.“ (Übersetzung d. Red.)
Eine vollständige Auflistung der Feststellungen finden Sie im Warning Letter der FDA an Tentamus India Private Limited, der auf der Website der FDA veröffentlicht ist.



