FDA Warning Letter für US-amerikanischen Fertigarzneimittelhersteller

Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) hat einen Warning Letter an Blaine Labs Inc, einen in den USA ansässigen Arzneimittelhersteller, veröffentlicht. In dem auf den 5. Mai 2020 datierten Brief sind eine ganze Reihe von Verstößen gegen die Vorschriften der Guten Herstellungspraxis (cGMP) für Fertigarzneimittel zusammengefasst.

Während einer Inspektion vom 25. bis 30. September 2019 in der Produktionsstätte des Unternehmens in Santa Fe Springs, Kalifornien, wurde von den FDA-Inspektoren in den folgenden Bereichen GMP-Verstöße dokumentiert:

Unzureichende OOS-Untersuchungen

In dem Warning Letter wird darauf hingewiesen, dass mehrere Untersuchungen zu OOS-Testergebnissen, sowohl für Fertigprodukte als auch für Rohstoffe, unzureichend waren. Obwohl dies der Quality Unit (QU) des Unternehmens bekannt war und keine Untersuchungen auf mögliche Fehler bei der Herstellung eingeleitet worden waren, wurden die betreffenden Chargen freigegeben.

Nach Angaben der FDA war die Antwort auf den 483er Mängelbescheid, der dem Warning Letter vorausgegangen war, unzureichend, da Blaine Labs Inc. den internen Prozess weder nachweisbar verbessert noch nachträgliche Untersuchungen eingeleitet hatte. Als Konsequenz darauf verlangt die FDA nun eine rückwirkende, unabhängige Überprüfung der OOS-Ergebnisse.

Versäumnisse im Bereich Validierung

Auch im Bereich der Validierung wirft die FDA dem Unternehmen zahlreiche Verstöße vor:

  • fehlende Prozessvalidierung für eine antifungale Lösung zur topischen Anwendung und eine Creme
  • unzureichende Qualifizierung der zur Herstellung der Produkte verwendeten Ausrüstung
  • fehlende Validierung der "hold time"
  • Versäumnisse bei der Reinigungsvalidierung

In dem Warning Letter fordert die FDA eine detaillierte Zusammenfassung des Validierungsprogramms sowie einen Zeitplan für die Durchführung der Prozess-Leistungs-Qualifizierung (PPQ) für jedes der vermarkteten Arzneimittelprodukte. Außerdem verlangt die FDA Verbesserungen im Bereich der Reinigungsvalidierung sowie Nachuntersuchungen an den vorhandenen Rückstellmustern. Die Ergebnisse der Nachanalytik sollen der FDA unaufgefordert vorgelegt werden.

Unzureichende Überprüfung der Qualität des Pharmawassers

Die FDA kritisiert, dass das Unternehmen das Pharmawasser nicht ausreichend überwachte, um sicherzustellen, dass es für den beabsichtigten Verwendungszweck geeignet ist und routinemäßig getestet wird, um eine kontinuierliche Übereinstimmung mit den entsprechenden chemischen und mikrobiologischen Spezifikationen zu gewährleisten.

Die Quality Unit kam ihren Aufgaben nicht im erforderlichen Umfang nach

Als weiteren Punkt führt die FDA an, dass die Quality Unit (QU) nicht dafür gesorgt hat, dass angemessene Verfahren und eine Aufsicht über die Herstellungsaktivitäten eingerichtet wurden. Die FDA nennt diesbezüglich mehrere Beispiele:

  • dem Unternehmen fehlten schriftliche bzw. genehmigte Verfahren in den Bereichen Qualifizierung, Prozessvalidierung, OOS-Untersuchungen, Stabilitätsprogramm und Änderungskontrolle
  • es waren mehrere Versionen eines Formblatts zeitgleich im Umlauf
  • das Laborpersonal unterzeichnete seine eigenen Analysenberichte, ohne unabhängige Prüfung durch eine zweite Person

Die FDA hat das Unternehmen aufgefordert, die in dem Warning Letter genannten Verstöße umgehend zu beseitigen. Andernfalls drohen Blaine Labs Inc rechtliche Schritte.

Weitere Einzelheiten finden Sie auch im vollständigen FDA Warning Letter an Blaine Labs Inc. auf der Website der FDA.

Zurück

GMP Seminare nach Thema