FDA Warning Letter: Aseptische Prozesse unter scharfer Kritik

Die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) hat Eugia Pharma Specialities Limited am 13. August 2026 wegen erheblicher Verstöße gegen die Current Good Manufacturing Practice (CGMP) verwarnt. Betroffen ist das Werk Unit 1 im indischen Bundesstaat Telangana, das die FDA vom 16. bis 27. Februar 2026 inspiziert hatte. Die Beanstandungen beziehen sich vor allem auf sterile Injektionspräparate, die überwiegend im aseptischen Verfahren hergestellt werden.

Im Mittelpunkt des Warning Letters steht die Auslegung der aseptischen Produktionslinien und der eingesetzten Restricted Access Barrier Systems (RABS). Nach Einschätzung der FDA waren Teile der Linien nicht ausreichend vom Umfeld getrennt und erfüllten damit nicht zuverlässig die Funktion einer wirksamen Barriere zum Schutz der kritischen ISO-5-Bereiche. Die Behörde nennt unter anderem Defizite bei der ergonomischen Gestaltung, der Positionierung von Komponenten und der räumlichen Trennung zwischen ISO 5 und ISO 7. Dadurch konnten Bediener bei Einrichtung und Produktion wiederholt in Bereiche der aseptischen Linie eingreifen. Die Häufigkeit dieser manuellen Interventionen erhöhte nach Auffassung der FDA das Risiko, dass kritische Oberflächen, offene Vials oder Produktkontaktbereiche kontaminiert werden.

Besonders problematisch waren Eingriffe in Bereichen, in denen der Schutz durch die RABS-Barriere nicht durchgängig gewährleistet war. Bei bestimmten Arbeitsschritten konnten Bediener den Oberkörper über offene Prozess- oder Transferbereiche beugen. Außerdem wurden RABS-Öffnungen auf gegenüberliegenden Seiten der Produktionslinie über längere Zeit offengelassen, während gleichzeitig weitere Türen oder Zugänge im Reinraumbereich geöffnet wurden. Die FDA sieht darin eine unnötige Exposition der aseptischen Prozessumgebung gegenüber weniger reiner Luft. Auch bei der Installation von Komponenten wurden sterile Teile des Systems berührt oder Gowning-Sleeves streiften offene Komponenten. Eine anschließende ausreichende Desinfektion war nach den Beobachtungen der Inspektoren nicht regelmäßig sichergestellt.

Die Mängel beschränkten sich damit nicht auf einzelne Bedienfehler. Die FDA betont vielmehr, dass die Anlagen so gestaltet sein müssen, dass kritische Eingriffe möglichst vermieden oder technisch beherrscht werden. Eugias Reaktion, unter anderem mit zusätzlichen Desinfektionsmaßnahmen, Schulungen, Sterile-to-Sterile-Konnektoren und überarbeiteten Prozesssimulationen, ging der Behörde deshalb nicht weit genug. Sie vermisste eine umfassende Auseinandersetzung mit den grundlegenden Designschwächen und eine verbindliche Zusage für eine umfangreichere Neugestaltung der aseptischen Abläufe und Anlagen.

Zusätzliche Kritik übte die FDA am Umweltmonitoring. Bestimmte verlängerte ISO-5-Bereiche, in denen kritische aseptische Verbindungen hergestellt wurden, seien nicht angemessen nach ISO-5-Grenzwerten überwacht worden. Zudem bildeten die Prozesssimulationen beziehungsweise Media Fills nicht alle kritischen Interventionen der kommerziellen Herstellung ab. Als Beispiel nennt die Behörde eine aseptische Verbindung, die bei der Herstellung bestimmter Injektionspräparate relevant war, in der entsprechenden Requalifizierung der Simulation jedoch fehlte. Damit konnten die Media Fills die tatsächlichen Worst-Case-Bedingungen des Produktionsprozesses nicht vollständig abbilden.

Besonders schwer wiegt außerdem, dass laut FDA vergleichbare Mängel bei aseptischen Praktiken und beim Design der Produktionslinien bereits an Eugia-Standorten der Units II und III festgestellt wurden. Die wiederholten Befunde an mehreren Werken deutet die Behörde als Hinweis auf unzureichende Managementverantwortung und fehlende wirksame globale Qualitätsaufsicht. Eugia muss deshalb nicht nur den betroffenen Standort, sondern seine weltweiten Herstellungs- und Qualitätssysteme umfassend bewerten. Lesen Sie den vollständigen Warning Letter auf der FDA Webseite.

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