FDA beanstandet Luftströmung, aseptische Bedingungen und visuelle Inspektion bei koreanischem Hersteller
Die FDA inspizierte im April 2026 die Arzneimittelproduktion eines Sterilherstellers in Südkorea. Der Warning Letter vom 2. Oktober 2026 fasst gravierende Verstöße gegen die CGMP-Vorschriften für steril hergestellte Fertigarzneimittel zusammen.
Mangelhafte aseptische Verfahren und Verhalten im Reinraum
Die FDA beobachtete während Rüst- und Abfüllvorgängen wiederholt Verhaltensweisen, die das First-Air-Prinzip unterbrechen: Mitarbeiter führten Arme, Oberkörper und Kopf über offene sterile Schläuche und weitere offene Behältnisse (Bezeichnung im Original geschwärzt). Zudem wurden Hilfsmittel direkt über offenen Flaschen, Verschlüssen und Kappen eingesetzt. Ein Mitarbeiter arbeitete im Grade-A-Bereich mit sichtbar verschmutzter Reinraumbekleidung.
Unzureichende Strömungsvisualisierung
Die dynamischen Strömungsvisualisierungen (Smoke Studies) können nach Auffassung der FDA nicht belegen, dass die Luftströmung die aseptische Linie ausreichend schützt. Bei geöffnetem Barrieresystem strömt die Luft in einem scharfen Winkel nach oben zu den Abluftöffnungen, sodass kritische Bereiche während der Eingriffe ungeschützt bleiben. Die FDA bezeichnet dies als grundlegenden Konstruktionsfehler, durch den Luft minderer Qualität aus dem umgebenden Bereich der Klasse 10.000 (ISO 7) in die Klasse 100 (ISO 5) gelangen kann. Weitere Konstruktionsmängel an den Produktionsanlagen führen nach Auffassung der FDA zu ungünstiger Ergonomie und zu aseptischen Praktiken, die die unidirektionale Luftströmung beeinträchtigen. Zudem sind die Strömungsvisualisierungen unvollständig, da sie die Strömungsrichtung während kritischer Tätigkeiten nicht ausreichend zeigt.
Die Antwort des Unternehmens sieht eine Neugestaltung der Abfülllinie, neue Smoke Studies nach dem Umbau sowie Schulungen und Qualifizierungen des Personals vor. Die FDA nimmt diese Zusagen zur Kenntniss, hält die Antwort jedoch für unzureichend. Ein umfassendes Programm zur Überwachung des Personalverhaltens in der Produktion fehle, was die FDA angesichts früherer Feststellungen zu aseptischem Verhalten besonders kritisch sieht. Zudem fehlten grundlegende Verbesserungen, wie Strömungsvisualisierungen realisiert werden sowie Qualitätssicherungsmaßnahmen zur objektiven Bewertung künftiger Studien durch qualifizierte Fachleute.
Reinigung und Sterilisation der Ausrüstung
Die FDA stellt fest, dass der aseptische Prozess nicht so ausgelegt ist, dass er Kontaminationen der sterilen Produkte verhindert. Kritische Kontaktflächen zu Behältnissen und Verschlüssen werden nach Darstellung der FDA nicht sachgerecht sterilisiert, sondern lediglich mit sporoziden Desinfektionsmitteln abgewischt. Nach Auffassung der Behörde dürfen jedoch ausschließlich sterile Ausrüstungsteile mit der sterilen Formulierung, den Behältnissen und Verschlüssen in Berührung kommen. Die FDA fordert eine umfassende Risikobewertung aller Kontaminationsgefahren für aseptische Prozesse, Anlagen und Räume, einschließlich der Personal- und Materialflüsse sowie der Desinfektionspraktiken, und darauf aufbauend einen CAPA-Plan mit Zeitvorgaben.
Mangelhaftes Umgebungsmonitoring
Das Umgebungsmonitoring der kritischen Bereiche ist nach Auffassung der FDA unzureichend. Standorte und Häufigkeiten für die mikrobiologische Probenahme von Luft und Oberflächen sowie für das Partikelmonitoring sind nicht ausreichend begründet und nicht geeignet, Kontaminationsrisiken rechtzeitig zu erkennen. Insbesondere fehlt die Beprobung der Umgebung von Behältnissen und Verschlüssen sowie der Oberflächen der Barrieren, die den ISO-5-Bereichen zugewandt sind. Ohne ein ausreichendes Programm fehlt der tägliche Nachweis der Umgebungskontrolle, der für die Sterilität aseptisch hergestellter Produkte grundlegend ist. Die FDA fordert die Überarbeitung des Umgebungsmonitorings im Rahmen der Risikobewertung und des CAPA-Plans.
Unzureichende visuelle Inspektion
Die FDA bemängelt das Programm zur 100-%-visuellen-Inspektion der sterilen Produkte. Defekte werden nicht routinemäßig kategorisiert, und es fehlen angemessene Grenzwerte. Die Behörde weist darüber hinaus auf erhebliche Defektraten hin. Fremdkörper verdienen besondere Aufmerksamkeit, da sie auf unhygienische oder mikrobielle Kontamination hindeuten können und eine gründliche Untersuchung sowie geeignete CAPA erfordern. Die FDA fordert eine unabhängige Bewertung und Sanierung des Programms. Dazu gehören die Definition von critical, major und minor Defekten mit Einzelgrenzwerten, die Qualifizierung der Prüfmethoden und des Personals, die Einbeziehung von Abweichungsdaten, Reklamationen und Rückrufen sowie gegebenenfalls zerstörende Prüfungen mit statistisch belastbaren Stichprobenumfängen.
Den ausführlichen Warning Letter an den koreanischen Sterilhersteller finden Sie auf der Seite der FDA.




