EMA Non-Compliance Report für einen brasilianischen Hersteller steriler Antibiotika

Non-Compliance Reports werden von europäischen Überwachungsbehörden in der EudraGMDP-Datenbank der European Medicines Agency (EMA) veröffentlicht. Sie beziehen sich auf Inspektionen sowohl innerhalb als auch außerhalb der Europäischen Gemeinschaft (European Union). Die Non-Compliance Reports werden von den nationalen Behörden eigenverantwortlich auf einem standardisierten Formblatt in die Datenbank eingestellt. Für die betroffene Firma hat ein solcher Non-Compliance Report, bis zur Behebung der Verstöße, schwerwiegende Konsequenzen. Es kann u.a. ein Ruhen der Zulassung sowie Rückrufe der betroffenen Produkte angeordnet werden.

Am 5. Januar 2017 veröffentlichte die EMA einen Non-Compliance Report  zum brasilianischen Antibiotikahersteller Antibioticos do Brasil LTDA in Sao Paulo. Der Wirkstoffhersteller wurde von der italienischen Überwachungsbehörde "Italian Medicines Agency" inspiziert. Im Rahmen der Inspektion wurden vier kritische und sieben schwerwiegende Abweichungen beobachtet. Als Maßnahmen wurden ein Vertriebsverbot für Produkte aus dem inspizierten Betrieb empfohlen wie auch eine Aussetzung des CEP (Certification of Suitability)

Kritische Abweichungen:

  • Es wurde eine unzureichende Wartung und Reinigung bemängelt. Weiterhin kritisiert wurde eine unzureichende Qualifikation der Mitarbeiter, deren fehlendes Verständnis für GMP, eine kaum vorhandene Aufsicht der Mitarbeiter und nichtautorisierte bzw. betrügerische Aktivitäten wurden erst kurz vor dem Eintritt der Inspektoren in zwei Reinräumen der Klassen D und C gestoppt
  • Beim Umgebungsmonitoring (Kristallisation in Reinraumklasse B) wurde weder den Prinzipien des Annex A (gemeint ist wohl Annex 1) des EU GMP Leitfadens gefolgt noch wurden zusätzliche Umgebungsmonitoring-Maßnahmen angewendet
  • Es fehlte ein robustes pharmazeutisches QM-System. Z.B. wurden Vorschriften nur teilweise befolgt und weitergehende Maßnahmen wurden weder untersucht, risikobewertet, begründet noch ausreichend dokumentiert.
  • Die Dokumentation gestattete nicht die Rückverfolgbarkeit der Aktivitäten

Schwerwiegende Abweichungen:

  • Es wurden in manchen Situationen inkonsistente Antworten gegeben und mancher Mitarbeiter war nicht in der Lage, eine korrekte Antwort zu geben bzw. das korrekte Dokument zu zeigen
  • Im Labor gab es keine robusten Policies, Vorschriften oder Kontrollen, welche die Vertrauenswürdigkeit und Integrität der analytischen Daten gewährleisteten
  • Der Materialfluss im Mikrobiologielabor war nicht so ausgerichtet, ein potentielles Kontaminationsrisiko bei der Testdurchführung zu vermeiden
  • Einige Arbeitsvorschriften waren aufgrund fehlender Detaillierung bzw. fehlerhafter Inhalte unzureichend
  • In einem Raum für die Dosierung und den Probezug gab es keine Vorschriften in Bezug auf die Vermeidung von Kontaminationen
  • Die Qualität von in der Produktion verwendetem Purified Water und Stickstoff wurde nicht ausreichend analysiert und überwacht
  • Es gab im Trainingsprogramm weder ein spezielles Training in Hinblick auf die europäischen GMP-Vorschriften noch ein Training, welches die Unterschiede von brasilianischen und europäischen GMP-Vorschriften betrachtete 

Quelle: EudraGMDP Datenbank der EMA

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