ECA ATMP Group veröffentlicht Position Paper zu Specifications considering Patient-Centricity

Das Positionspapier "Reflections on specifications for ATMPs, considering patient-centricity" der ECA ATMP Group beschäftigt sich mit einer zentralen regulatorischen und wissenschaftlichen Herausforderung: Der Festlegung geeigneter Produktspezifikationen für Zell- und Gentherapien, insbesondere für autologe Zelltherapien.

Im klassischen pharmazeutischen Entwicklungs- und Herstellungsmodell werden Spezifikationen - also Qualitätsattribute, Prüfmethoden und Akzeptanzkriterien - auf Basis von kontrollierten Herstellungsprozessen und reproduzierbaren Ausgangsmaterialien definiert. Dieses Konzept ist in regulatorischen Leitlinien wie den ICH-Guidelines verankert und funktioniert gut für konventionelle Arzneimittel oder biotechnologisch hergestellte Proteine. Bei ATMPs stößt dieser Ansatz jedoch an Grenzen.

Der Hauptgrund liegt in der hohen Variabilität des Ausgangsmaterials. Bei vielen ATMPs, insbesondere bei autologen Zelltherapien, stammen die Ausgangszellen direkt vom Patienten und unterscheiden sich naturgemäß stark in ihren Eigenschaften. Faktoren wie Alter, Krankheitszustand, vorherige Therapien, Entzündungsprozesse oder Tumorumgebung können die Qualität und Funktion der Zellen erheblich beeinflussen. Dadurch ist die Herstellung von ATMPs mit diesen Ausgangsmaterialien wesentlich schwerer zu kontrollieren als bei klassischen industriellen Produktionsprozessen.

Ein weiteres Problem ist, dass Wirkmechanismen vieler ATMPs komplex und oft noch nicht vollständig verstanden sind. Insbesondere die Entwicklung geeigneter Potency- oder Bioaktivitätsassays stellt eine große Herausforderung dar. In manchen Fällen sind die therapeutischen Effekte patientenspezifisch, etwa durch individuelle Antigene. Dadurch lassen sich standardisierte Referenzmaterialien oder eindeutige In-vitro-Tests nur schwer etablieren. Gleichzeitig erschweren kleine Chargengrößen und kurze Haltbarkeiten eine umfassende Charakterisierung der Produkte.

Vor diesem Hintergrund stellt das Papier die Frage, ob die derzeit üblichen regulatorischen Ansätze - die stark auf prozessbasierte Spezifikationen und statistische Auswertung von Chargendaten fokussieren - für ATMPs ausreichend geeignet sind. Insbesondere besteht das Risiko, dass zu enge Spezifikationsgrenzen zu häufigen "Out-of-Specification"-Ergebnissen führen. Bei autologen Therapien hätte dies direkte Konsequenzen für Patienten: Ein nicht freigegebenes Produkt könnte eine erneute Gewebeentnahme oder Biopsie erforderlich machen, was zusätzliche Risiken und Belastungen für Patienten/innen bedeutet.

Als möglichen Lösungsansatz diskutiert das Positionspapier das Konzept der patientenzentrierten Spezifikationen (patient-centric specifications). Dieses Konzept orientiert sich stärker daran, welche Qualitätsattribute tatsächlich relevant für Sicherheit und Wirksamkeit bei Patienten/innen sind, anstatt ausschließlich die Herstellungsfähigkeit des Prozesses abzubilden. Ziel ist es, Spezifikationen so zu gestalten, dass sie sowohl die inhärente Variabilität von ATMPs berücksichtigen als auch eine sichere und wirksame Therapie ermöglichen.

Damit plädiert das Dokument für ein Umdenken in der regulatorischen und wissenschaftlichen Bewertung von ATMP-Qualitätsanforderungen: weg von rein prozessbasierten Kriterien hin zu einem stärker patientenorientierten Qualitätsverständnis, das die Besonderheiten personalisierter Zelltherapien besser abbildet.

Das vollständige Position Paper finden Sie im Members' Area der ECA ATMP Group Website. Falls Sie noch kein Mitglied sind, melden Sie sich einfach an; die Mitgliedschaft ist kostenlos. Lernen Sie das Papier außerdem im Detail kennen und diskutieren Sie mit den Autoren/innen - auf der ATMP Conference beim PharmaCongress am 24./25. März in Wiesbaden.

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