Begründung für den Wegfall des Terms "gut verschlossen" aus dem allgemeinen USP Kapitel <671>

Im Pharmacopeial Forum 42(4) [Juni-Juli 2016] wurde ein Stimuli Artikel zur Begründung des vorgeschlagenen Wegfalls der Angabe "gut verschlossen" (well-closed) aus dem allgemeinen Kapitel <671> Containers-Performance Testing veröffentlicht.

Der vorliegende Beitrag "erläutert die Rationale für den Wegfall des Packaging and Storage Statements aus bestimmten Monographien im USP-NF sowie für die Streichung der Anforderung "gut verschlossen" aus dem USP-NF. Des Weiteren wird das Festlegen von Definition und Akzeptanzkriterien für "dicht" (tight) der Kapitel <659> Packaging and Storage Requirements (Anforderungen an die Verpackung und die Lagerung) und <671> als Standard für diejenigen Produkte und Materialien vorgeschlagen, die keine formale Stabilitätsprüfung durchlaufen."

Die Integrität der Verpackung ist erforderlich, um die Qualität des Arzneimittels während seiner Haltbarkeitsdauer sicherzustellen. Wie in der News zum Einfluss der Pimärverpackung auf die Arzneimittelstabilität fester Darreichungsformen berichtet, ist das Eindringen von Feuchtigkeit in das Arzneimittel ein kritisches Qualitätsattribut für feste orale Darreichungsformen. Eine geringe Feuchtigkeitsbarriere ist eine der häufigsten Ursachen für Misserfolge bei Produktverpackungen. Methoden für die Bestimmung der Wasserpermeation durch Verpackungen (z.B. für Packmittelsysteme mit Verschluss, Blisterpackungen) finden sich im USP-Kapitel <671> Containers-Performance Testing.

Zusätzlich zu den Tests und Spezifikationen im Kapitel <671> enthält das allgemeine USP Kapitel <659> Packaging and storage Requirements die folgenden Definitionen:

Hermetisches Behältnis:
Ein Verpackungssystem, das unter den normalen oder üblichen Bedingungen der Handhabung, des Versands, der Lagerung und des Vertriebs undurchlässig für Luft oder jedes andere Gas ist.

Dichtes Behältnis:
Ein Verpackungssystem, das den Inhalt unter den normalen oder üblichen Bedingungen der Handhabung, des Versands, der Lagerung und des Vertriebs vor Kontamination durch fremde Flüssigkeiten, Feststoffe oder Dämpfe schützt; vor dem Verlust des Inhalts sowie vor Auskristallisation, Verflüssigung und Verdunsten und das wieder dicht verschlossen werden kann. Ist ein dichtes Behältnis vorgegeben, kann es für eine Einzeldosis des Arzneimittels durch ein hermetisches Behältnis ersetzt werden. [Anmerkung - Wenn die Verpackung oder Lagerung in einem dichten oder gut verschlossenen Behältnis in einer individuellen Monographie festgelegt ist, muss das Behältnis, das für einen Artikel verwendet wird, der aufgrund einer Verschreibung abgegeben wird, die Anforderungen in Kapitel <671> Containers-Performance Testing erfüllen.] 

Gut verschlossenes Behältnis
Ein Verpackungssystem, das unter den normalen oder üblichen Bedingungen der Handhabung, des Versands, der Lagerung und des Vertriebs den Inhalt vor Kontamination durch fremde Feststoffe und vor dem Verlust des Inhalts schützt. Siehe Containers-Performance Testing <671>.

Derzeit sieht die Methode für die Bestimmung des Eindringens von Wasserdampf in Mehrfachdosenbehältnisse für Kapseln und Tabletten in Kapitel <671> zwei Akzeptanzkriterien für Behältnisse vor, die als "dicht" (tight) und "gut verschlossen" (well-closed) definiert werden. Auf "dicht" wird im Packaging and Storage Statement von >2600 USP-Monographien Bezug genommen und dabei auf Arzneimittel wie Lösungen, Suspensionen, Cremes, Salben, Zäpfchen, Tabletten, Kapseln und Zubereitungen zur Injektion angewendet. Auf die Definition "gut verschlossen" wird in >1300 USP-Monographien verwiesen und zudem auf dieselben Arzneimittelkategorien angewendet wie "dicht". Obwohl Kapitel <671> ursprünglich für feste orale Darreichungsformen gedacht war, wurde es auf alle USP-Darreichungsformen und USP-Monographien (Hilfsstoffe, Wirkstoffe, Nahrungsergänzungsmittel und Zubereitungen) angewendet, weshalb die Unterscheidbarkeit der beiden Behältnisarten in Frage gestellt wird. Auf die Blisterklassen (A, B, C und D), die in Kapitel <671> definiert sind, wird bislang in keiner einzigen USP-Monographie verwiesen.

Der vorliegende Beitrag betont, dass "nur mit Hilfe von Stabilitätsprüfungen festgestellt werden kann, welches Maß an Feuchtigkeitsschutz für einen Wirkstoff oder ein Arzneimittel erforderlich ist und ob das gewählte Verpackungssystem hierfür geeignet und sicher ist. Die Stabilität von Wirkstoffen oder Arzneimitteln über die jeweilige Laufzeit wird festgestellt, indem sie in einem spezifischen Verpackungssystem gelagert und getestet werden."

"Stabilitätsdaten werden verwendet, um die Anforderungen an das Verpackungssystem und die Lagerung von Wirkstoffen und Arzneimitteln festzulegen. Dies gilt jedoch nicht gleichermaßen für Hilfsstoffe. Wenige Hersteller von Hilfsstoffen führen formale Stabilitätstests durch. Wenn ein Hilfsstoff offensichtlich nicht stabil ist, dann werden möglicherweise Stabilitätstests durchgeführt, um die Haltbarkeitsdauer des Materials basierend auf definierten Lagerbedingungen festzustellen. Auch die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln und von Rezepturarzneimitteln führen im Allgemeinen keine formalen Stabilitätstests durch, um die Verpackungs- und Lagerungsanforderungen ihres Produkts zu ermitteln."

In diesem Zusammenhang schlägt das USP Packaging and Distribution Expert Committee (USP-Sachverständigenausschuss für Verpackung und Vertrieb) Folgendes vor: 

  • Streichung des Packaging and Storage Statements aus den USP Arzneimittel- und Wirkstoff-Monographien. Gleichzeitige Aufnahme der Anforderung, "dass die gewählten Verpackungssysteme und Lagerungsbedingungen für Arzneimittel und Wirkstoffe auf Daten basieren sollten, die im Rahmen von Stabilitätsstudien gewonnen wurden" in die General Notices and Requirements, unter Abschnitt 10. Preservation, Packaging, Storage, and Labeling
  • Das Packaging and Storage Statement wird bei Monographien für Hilfsstoffe, Nahrungsergänzungsmittel und Rezepturarzneimittel beibehalten, die Definition und das Kriterium "dicht" sollten hier jedoch der Standard sein. 
  • Kapitel <671> soll überarbeitet werden, indem es in zwei Teile geteilt wird. 1) ein Teil für Verpackungssysteme, die von Herstellern von Wirkstoffen und Arzneimitteln sowie von Umverpackern verwendet werden und 2) ein zweiter Teil für Verpackungssysteme, die für Hilfsstoffe, Nahrungsergänzungsmittel, Rezepturarzneimittel und bei der Abgabe von Arzneimitteln verwendet werden. 
  • Streichung der Definition und Spezifikation "gut verschlossen" in den USP-Kapiteln <659> und <671>.

Aufgrund der Auswirkungen der vorgeschlagenen Änderungen (z. B. Anzahl der betroffenen Monographien, die geändert werden müssen) bittet die USP um Feedback, um gemeinsam den besten Weg bei der Überarbeitung der Verpackungs- und Lagerspezifikationen in USP-NF Monographien zu finden.

Nachdem Sie sich kostenlos auf der Webseite des USP Pharmacopeial Forum registriert haben, können Sie den gesamten Artikel "Rationale for the Omission of the Packaging and Storage Statement from USP-NF Monographs and the Omission of the "Well-Closed" Specification from Containers-Performance Testing <671>" lesen.

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