Ausführliche Analyse des PIC/S Dokumentes "Recommendations on Qualification and Validation" - Teil I

Seit September 2007 liegt das PIC/S-Dokument PI 006 in Version 3 ("Recommendations on Validation Master Plan, Installation and Operational Qualification, Non-Sterile Process Validation, Cleaning Validation") vor. Die überarbeitete Version 4 ("Recommendations on Qualification and Validation") wird zum 1. Oktober 2026 gültig und erweitert Umfang und Anspruch deutlich. Was ist neu? Nachfolgend sind Änderungen von Version 4 zur Version 3 beschrieben. 

Der Umfang des Dokumentes steigt von 26 (Version 3) auf 49 Seiten (Version 4) und der thematische Fokus wird spürbar breiter. Neu bzw. stärker detailliert sind u. a. Qualitätsrisikomanagement (QRM), Prä-Qualifizierungsstufen, fortlaufende Prozessverifikation, Transportverifizierung, Verpackungsvalidierung (feste Formen), Qualifizierung von Hilfssystemen, Validierung von Testmethoden, visuelle Inspektion in der Reinigungsvalidierung sowie das Aufrechterhalten des validierten Reinigungsprozesses; gleichzeitig entfallen u. a. Inhalte zur Altanlagenqualifizierung und zur retrospektiven Validierung.

Einführung

Bereits in der Einführung verankert Version 4 konsequent den Lebenszyklus-Gedanken bei einer Qualifizierung und Validierung. Neu, im Vergleich zur Version 3, ist die Erwartung eines Zeitplans, der den Lebenszyklus Review des Kontrollzustands ("state of control") qualifizierter Anlagen und validierter Prozesse abbildet. Übergreifend wird ein stärkerer Einsatz statistischer Methoden empfohlen. Besonders deutlich ist die Betonung von Data Governance und Datenintegrität als Querschnittsanforderung über alle Qualifizierungs- /Validierungsaktivitäten hinweg. Ebenso wird das Änderungsmanagement ("Change Control/Change Management") herausgestellt: Änderungen sollen eng nachverfolgbar sein (inklusive Termin Tracking), die Qualitätseinheit ist in Freigaben nach einem Change einzubinden, und ein Verzicht auf Wirksamkeitsprüfungen nach einer Änderung ist zu begründen. QRM soll den gesamten Lebenszyklus begleiten; in diesem Kontext wird auch ein "Subject Matter Expert" (SME) als Beteiligter erwähnt. Als relevante Risikofelder nennt das Dokument u. a. angrenzende Tätigkeiten/Räume, Mehrprodukt Fertigung auf/in Ausrüstung und Räumlichkeiten sowie Lieferkettenrisiken.

Validierungsmasterplan

Der Validierungsmasterplan (VMP) bleibt das zentrale Steuerungsdokument und soll weiterhin Qualifizierungen, Requalifizierungen, prospektive und begleitende Validierungen sowie fortlaufende Prozessverifizierung (OPV) umfassen. Neu ist die Forderung nach einer zeitlich definierten, regelmäßigen Überprüfung des VMP mit ggf. Anpassung bei Bedarf. Rationalen für "Worst case"-Ansätze sollen beschrieben werden; zusätzlich erwartet die Version 4  u. a. eine Begründung für Requalifizierungsfrequenzen, sowie eine Liste der Produkte/Prozesse, die der fortlaufenden Prozessverifizierung unterliegen im VMP. Wesentlich sind die erweiterten Angaben zu Abweichungsmanagement und Datenintegrität im VMP: Abweichungen sollen nicht nur in Protokollen/Berichten erscheinen, sondern auch im formalen Abweichungssystem erfasst werden, um Untersuchungen zu ermöglichen; die Bestätigung der Datenintegrität in den Qualifizierungs-/ und Validierungsberichten sollte durch vollständig unabhängiges Personal erfolgen.

Qualifizierung

In der Qualifizierung erweitert Version 4 das Stufenmodell um eine Prä-Qualifizierung und betont, dass unterschiedliche Ansätze zulässig sind; explizit genannt wird der Verifizierungsansatz nach ASTM 2500. Neu bzw. deutlich stärker verankert sind Benutzeranforderungen (URS), FAT (Abnahmetests beim Lieferanten) und SAT (Inbetriebnahmetests am Standort), die bei Vorliegen formaler Pläne/Berichte in die Qualifizierung integriert werden können. Insgesamt verschiebt sich der Schwerpunkt weg vom früheren IQ/OQ Fokus hin zu einer stärkeren Betonung von DQ und PQ sowie einer belastbaren Designspezifikation in der Version 4. Abweichungen in der (Prä-)Qualifizierung sollen in geeignete CAPA-Maßnahmen überführt werden.  (Prä-)Qualifizierungsprojekte starten typischerweise über einen Change Control Antrag, und auch Änderungen an der URS sind über Änderungskontrolle zu verfolgen. Die Mindestanforderungen an die IQ werden erweitert; für die PQ werden risikobasierte Testbegründungen, erhöhte Probenahmen sowie - in einem eigenen Unterkapitel - statistische Werkzeuge (z. B. Kontrollkarten, Cpk/Ppk-Werte, multivariate Prozesskontrolle) empfohlen. Praxisnah ist u. a. der Hinweis, dass "like for like"-Teilwechsel über Wartung außerhalb der Change Control möglich sein können, sofern dokumentiert, begründet und durch die Qualitätseinheit freigegeben; außerdem wird die Einbettung von Qualifizierungsaspekten in den PQR angesprochen.

Im Teil II des Newsletters lesen Sie die Detailauswertungen zur Prozessvalidierung, den anderen im Dokument beschriebenen Qualifizierungen und Validierungen sowie zur Reinigungsvalidierung - und natürlich ein Fazit.

Sie finden die Version 4 des PIC/S-Dokumentes auf der PIC/S-Website.

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