Aktuelle Entwicklungen in der Rohrleitungstechnik: Biegen und Passivieren

GMP-Anlagen in der Pharma- oder Biotech-Produktion bestehen auch heute noch zu einem wesentlichen Teil aus Rohrleitungen. Die Kosten für die Errichtung - aber auch für Umbauten - variieren stark. Auch Ausschreibungen dazu gestalten sich oft sehr unterschiedlich.
Aktuell gibt es zwei wesentliche Entwicklungen in diesem Bereich:

  • Der vermehrte Einsatz von Biegemaschinen (statt zugekaufter Rohrbögen)
  • Der Verzicht auf eine chemische Passivierung

Beide Entwicklungen wurden mit den Teilnehmern bei diversen Pharma-Technik-Seminaren diskutiert.
Die Diskussionen und Umfrage-Ergebnisse dazu vom deutschen und englischen Webinar am 26. Mai 2020 mit über 70 Teilnehmern werden nachfolgend vorgestellt.

Biegemaschinen und Rohrbögen

Viele Vorgaben und Ausschreibungen schließen auch heute noch Biegemaschinen aus. Schlechte Erfahrungen mit Sanitär-Handwerks-Technik mögen dabei oft eine Rolle spielen. Aber das Bild wandelt sich:
Die Umfrage zum Biegen hat ergeben, dass zwar immer noch die Mehrheit Bögen zukauft und einschweißt, aber ca. 30% der Projekte auch Biegemaschinen einsetzen.

Welche Art der Bogen-Erstellung setzen Sie bei Ihren Pharma- / Biotec - GMP-Rohrleitungsbau-Projekten ein?

Es werden stets Bögen gekauft und eingeschweißt 42%
Bögen werden i. d. R. mittels Biegemaschine direkt auf der Baustelle oder in der Montage-Vorfertigung erstellt 14%
Kleine Rohrnennweiten bis DN50 werden durch Einsatz einer Biegemaschine direkt auf der Baustelle oder in der Montage-Vorfertigung erstellt, nur größere Rohrnennweiten werden als Zukauf-Bogen eingeschweißt 21%
Keine der 3 genannten / keine Angabe 23%

Die Vorteile sind bekannt: Man spart zwei Schweißnähte und kann beliebige Winkel erstellen. In engen Räumen (z. B. bei Schacht-Einfädelungen) ergeben sich daraus neue Möglichkeiten, kompakt zu planen und zu bauen. Untersuchungen von zugekauften Bögen - und der Vergleich mit selbst durch Kompakt-Dorn-Biegemaschinen direkt auf der Baustelle hergestellten Bögen hatten schon vor 10 Jahren bei einem renommierten pharmazeutischen Konzern in Basel gezeigt, dass beide gleichwertig sind. Eine wichtige Rolle spielen dabei moderne halb-automatische Biegemaschinen - mit Computer-Steuerung und PTFE-Dorn, bei denen das hochwertige Material nicht mit Öl oder Fett verunreinigt wird.
Es gibt auch weiter viele Stimmen, die gegen die Nutzung von Biegemaschinen sprechen - meist Qualitätsbedenken oder wirtschaftliche Gründe für z. B. die Komponenten-Hersteller.

Chemische Passivierung

Eine weitere Änderung der Ansichten kann beim Thema Passivieren beobachtet werden.
Vor 20 Jahren wurde fast jedes 1.4404/1.4435-Rohrbau-Projekt im Bereich Biotech und Pharmazie mit einer Passivierung abgeschlossen. Zumeist als Kreis-Spül-Prozess für 30 Minuten bis zu vier Stunden mit warmer, verdünnter Zitronensäure oder 5%-iger Salpetersäure. Inzwischen finden sich zahlreiche Publikationen, die diese Vorgehensweise in Frage stellen - zumindest für saubere Baustellen, bei denen das Material nicht durch fettige Finger verschmutzt wird. Die Umfrage zum Passivieren mit untenstehenden Fragen hat ergeben, dass man diesen Punkt inzwischen nicht mehr dogmatisch betrachtet.

Welche Art der Passivierung setzen Sie bei Ihren Pharma- / Biotec - GMP-Rohrleitungsbau-Projekten ein?

Es wird immer mit verdünnter Säure passiviert, auch wenn in einem System nur 2 Schweißnähte erneuert werden 24%
Neu-Anlagen werden mit verdünnter Säure passiviert, kleine Erweiterungen oder Änderungen werden fallweise auch nicht so behandelt, sondern gehen direkt ohne chemische Passivierung in Betrieb 28%
Es wird nicht mehr chemisch passiviert, der natürliche Aufbau einer Passivschicht durch sauerstoffhaltige Medien ist ausreichend. 18%
Keine der 3 genannten / keine Angabe 30%

Die Umfrage bestätigt, dass die Mehrheit der GMP-Projekte fallweise auch auf eine extra Passivierung verzichtet. Bei fast einem Fünftel der Projekte wird inzwischen nicht mehr mit Chemikalien passiviert.
Besonders für Stichleitungssysteme wie Druckluft oder Reinstdampf kann man damit enorme Kosten sparen. Letztlich wurde auch bisher die Dicke der Passiv-Schicht vor- und nach einer Passivierung wird i. d. R. nicht ermittelt.

Fazit

Der Stand der Technik entwickelt sich und es ist wichtig, sich regelmäßig zu informieren.

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