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Im Rahmen der Pharmawasser-Konferenz 2007 gab Herr Klaus Feuerhelm vom
Regierungspräsidium Tübingen im Pre-Conference Workshop "Behördeninspektionen"
Auskunft über die kritische Betrachtung von Wassersystemen in einer
GMP-Inspektion. Einige der interessantesten, im Laufe des Workshops gestellten
Fragen sind im Folgenden aufgeführt:
1. Welche Ozonkonzentrationen sind in Wassersystemen erforderlich?
In der Fachliteratur findet man unterschiedliche Angaben für die
Ozonkonzentrationen in Wassersystemen. Folgende Tabelle enthält Hinweise zu
Ozonkonzentrationen.
| Literaturangaben |
Konzentrationen |
| Kudernatsch PharmInd 8a/2002 |
> 0,01 ppm |
| ISPE Baseline Water and Steam |
0,02 ppm - 0,2 ppm |
| Collentro, Pharmaceutical Water |
0,2 ppm - 0,5 ppm |
| Pfäfflin, Annette PharmInd |
3/2000 0,04 ppm |
| W.Setz, Ciba-Geigy 1990 |
max 0,04 ppm, zur Sanitisierung 0,05 ppm |
Die Angabe in der ISPE Baseline bezieht sich auf die Konzentration, die benötigt
wird, um ein Keimwachstum zu verhindern. Man kann wohl davon ausgehen, dass
Wachstum ab 20 ppb Ozon verhindert wird.
Vergleicht man die Angaben von Anlagenlieferanten, so stellt man fest, dass
diese ebenfalls variieren, aber praktisch im Range der ISPE-Empfehlungen
liegen.
| Anlagenlieferanten |
Konzentrationen |
| Anlagenlieferant A |
0,015 ppm - 0,1 ppm |
| Anlagenlieferant B |
0,02 ppm - 0,1 ppm |
| Anlagenlieferant C |
0,1 ppm - 0,2 ppm |
| Anlagenlieferant D |
< 0,1 ppm |
Ist ein systemischer Schutz erwünscht, also eine ständige Anwesenheit von Ozon
im Wasser, sind niedrigere Ozonwerte ausreichend.
Als Resultat aus dem, was ich in der Praxis bei Inspektionen bis jetzt gesehen
habe, wären für Aqua Purificata zirka 0,02 bis 0,05 ppm ausreichend. Bei der
Sanitisierung hängt es natürlich davon ab, in welchen Zeitintervallen
sanitisiert wird, z.B. täglich oder wöchentlich. Letztendlich wird die für die
Anlage erforderliche Ozonkonzentration im Rahmen der Validierung des
Gesamtsystems ermittelt.
2. An welchen Stellen im Wassersystem sollten Ozonmessstellen vorhanden sein?
Wird Ozon zur Sanitisierung des Ringleitungssystems eingesetzt, sollte man den
Effekt auch nachweisen. Dies geschieht zum einen indirekt über die Ermittlung
der KBE-Werte und zum anderen durch den Nachweis, dass an den entsprechenden
Stellen im Wassersystem die Ozonkonzentration gemessen wird. Die ISPE Baseline
nennt aus diesem Grund mindestens drei Messstellen:
- Im Lagerbehälter
- Nach der UV-Anlage
- Im Rücklauf
Die Messung im Lagerbehälter zeigt, dass während der permanenten Ozonisierung
die Konzentration ausreichend ist. Nach dem UV-System wird gemessen, um zu
zeigen, dass das Ozon abgebaut wird. Im Rücklauf des Rohrleitungssystems, um
nachzuweisen, dass während der Sanitisierung die Ozonkonzentration ausreichend
hoch ist.
3. Gibt es aus GMP-Sicht eine bevorzugte Sanitisierungsmethode?
Im Wesentlichen werden heute folgende drei Sanitisierungsverfahren eingesetzt:
- Heißwasser-Sanitisierung
- Sanitisierung mit Dampf
- Chemische Sanitisierung
Die FDA favorisiert hier die thermische Sanitisierung mit Dampf. Die ISPE
bevorzugt dieses Verfahren in ihrer Baseline ebenfalls. Der Guidance for
Industry: "Sterile drug products produced by aseptic processing Prepared by Task
Force" (Japan) enthält folgenden Hinweis:
"Since water for injection needs to be microbiologically pure, the equipment
used for its production should be capable of withstanding periodic sterilization
with pure steam at temperatures over 121°C for a given length of time. If steam
sterilization is not possible because of low heat tolerance, an alternative
sterilization or sanitization procedure (e.g., hot water or chemical agents)
should be used for the equipment."
GMP schreibt keine spezielle Methode vor. Nach dem Stand der Technik sollte man
jedoch die Sanitisierung mit Dampf, wenn machbar, den Vorzug geben.
4. Kann die FAT/SAT - Dokumentation als Bestandteil der
Qualifizierungsdokumentation
genutzt werden?
Der Annex 15 nennt die Begriffe FAT und SAT nicht.
Eine Einbindung in die Qualifizierungsdokumentation ist möglich. Man sollte sich
allerdings schon im Voraus überlegen wie.
Was im Detail beim FAT gemacht werden muss, sollte vertraglich festgelegt
werden.
- Prüfung auf Vollständigkeit
- Funktionsprüfung
- Verwendung der vorgegebenen Bauteile und Materialien
Der SAT kann ebenfalls vertraglich vorgegeben werden und steht häufig im
Zusammenhang mit zu leistenden Zahlungen.
Grundsätzlich sollte man darauf achten, dass die Dokumentation GMP-gerecht
erstellt wird, Testergebnisse ausreichend protokolliert werden und der Umgang
mit Abweichungen geregelt ist. Die zeitliche Abfolge der Tests sollte durch
entsprechende Referenzierungen auf die FAT/SAT Dokumente erkennbar sein.
Unter bestimmten Voraussetzungen ist die Einbindung von FAT/SAT - Dokumenten in
die Qualifizierungsdokumentation möglich.
5. Ist eine Kaltlagerung in WFI-Systemen erlaubt?
Für WFI und Gereinigtes Wassers werden hier unterschiedliche Temperaturen
verwendet. WFI wird normalerweise heiß gelagert.
Im FDA Guide to Inspections of High purity Water Systems findet man zwei Angaben
über Temperaturen, die eigentlich in sich widersprüchlich sind. Das erste
Temperaturintervall ist unter Systemdesign angegeben. Im ersten Kapitel wird
grundsätzlich unter Systemdesign festgestellt, dass es erwiesen ist, dass
Heißwassersysteme - und unter Heißwassersystemen werden hier Systeme mit 65 bis
80° C verstanden - selbst keimreduzierend wirken.
Eine weitere Angabe zu einem Temperaturintervall findet man im Kapitel
Rohrleitungen. Hier heißt es konkret, dass dieser Guide für Systeme gilt, die
bei 75 bis 80° C betrieben werden. Diese Angaben stehen im Zusammenhang mit der
6d-Regel.
FDA - GUIDE TO INSPECTIONS OF HIGH PURITY WATER SYSTEMS
One common problem with piping is that of "dead-legs". The proposed LVP
Regulations defined dead-legs as not having an unused portion greater in length
than six diameters of the unused pipe measured from the axis of the pipe in use.
It should be pointed out that this was developed for hot 75 - 80°C circulating
systems.
Aus dem Gesagten geht hervor, dass Kaltsysteme für WFI eigentlich nicht den
Vorgaben entsprechen. Dennoch möchte ich sie nicht völlig ausschließen. Wenn
durch entsprechende Maßnahmen (Anlagendesign und Sanitisierungsmaßnahmen)
sichergestellt ist, dass mikrobielles Wachstum verhindert wird, könnte auch eine
Kaltlagerung eingesetzt werden.
Leitlinien und Standards geben unterschiedliche Grenzwerte für die Kaltlagerung
an.
Wallhäuser: 4°C
ISPE: 4° bis 10°C
Eine Kaltlagerung dürfte ein größeres Risiko für die mikrobielle Beschaffenheit
des Prozesswassers darstellen. Weitere Faktoren wie die wahrscheinlich schnelle
Bildung eines Biofilms sollten berücksichtigt werden. Ein im Rahmen der
Validierung ermitteltes Sanitisierungskonzept für Kaltanlagen ist unbedingt
erforderlich. Ferner ist anzunehmen, dass von der FDA kalte WFI-Systeme nicht
akzeptiert werden.
6. Sind endständige Filter in Wassersystemen zulässig?
Eine Beantwortung der Frage erfordert die Prüfung der rechtlichen Vorgaben und
der Standards und Guidelines zum Thema Wasser. Der EG-GMP-Leitfaden beschreibt
in einigen Punkten die Anforderungen an Anlagen und Ausrüstung. In engem
Zusammenhang mit den endständigen Filtern dürften folgende Hinweise stehen:
EG-GMP 3.38. Die Ausrüstung sollte so installiert sein, dass keine Gefahr eines
Fehlers oder einer Verunreinigung besteht.
EG-GMP 3.39 Die für die Produktion verwendete Ausrüstung sollte für die Produkte
kein Risiko darstellen.
EG-GMP 3.36. Die Herstellungsausrüstung sollte so konstruiert sein, dass sie
sich leicht und gründlich reinigen lässt.
EG-GMP Annex 1: Wasseraufbereitungs- und Verteilungsanlagen sollten so
ausgelegt, konstruiert und gewartet werden, dass Wasser von geeigneter Qualität
zuverlässig erzeugt wird.
In fast allen Guidelines findet man dann auch Hinweise zu endständigen Filtern.
Als Beispiel hier ein Auszug aus einer relativ neuen Guideline.
Sterile drug products produced by aseptic processing (Japan 2006)
As a rule, sterilizing filters should not be placed at water use points since
the filters could mask microbiological contamination in the water system.
Endotoxins could also be released from dead micro-organisms retained in the
filters. If the use of filters is unavoidable, the interval of replacement
should be based on validation results.
Der Hinweise zu endständigen Filtern in diesem japanischen Dokument sind
eindeutig. Normalerweise sollte man endständigen Filter nicht nutzen. Es kann
aber durchaus Ausnahmen geben. Die Filter sollten nicht zur Maskierung von zu
hohen KBE-Werten dienen. Letztendlich sollte man begründen, weshalb man einen
solchen Filter nutzt.
Klaus Feuerhelm
GMP-Inspektor
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