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GMP-News
25. April 2006

 

Das Ende der Prozessvalidierung?

 
Die "FDA Guideline General Principles on Process Validation" ist mittlerweile 19 Jahre alt und das darin beschriebene Konzept der Prozessvalidierung ist reif für den Mülleimer – so Laura Bush in ihrem Artikel zur Prozessvalidierung in der Online-Ausgabe des US-Magazins Pharmaceutical Technology. Da viele Unternehmen daran arbeiten, ihre Prozesse besser zu verstehen, verliert die traditionelle Prozessvalidierung an Bedeutung.

Die Experten sind sich einig, dass sich das Thema Prozessvalidierung im Laufe der Zeit immer mehr in Richtung Dokumentation entwickelt hat anstatt sich auf den eigentlichen Sinn zu konzentrieren: nämlich die Qualität zu sichern. Ein ganzer Industriezweig entstand um das Thema Prozessvalidierung herum, mit der Folge einer sehr aufgeblähten Dokumentation. Trotzdem gibt es immer noch Prozesse, die nicht richtig "arbeiten".

Prozessverständnis lautet das neue Schlüsselwort. Bisher herrschte bei vielen Prozessen nur ein unzureichendes Prozessverständnis. Darauf aufbauend sind Validierungsaktivitäten sinnlos, so Prof. Muzzio von der Rutgers Universität. Muzzio sieht auch Schwächen im bisherigen Valdierungsmodell darin, dass die Qualitätskontrolle die Aufgabe hat, schlechte Chargen zu verwerfen, um die Produktqualität hoch zu halten. Das ist in seinen Augen ineffizient.

Nach Dr. Philippe Cini von Tunnel Consulting erreichen Arzneimittel nach dem Six Sigma Qualitäts-Ansatz zwar einen hohen Standard. Die hohe Qualität entsteht aber nicht schon in der Produktion, sondern durch Qualitätsmanagement-Systeme, mit denen bereits produzierte, aber qualitativ mangelhafte Arzneimittel ausgesondert werden.

Eine weitere Schwäche des aktuellen Validierungskonzeptes ist die Vermeidung von Änderungen bis hin zur Vermeidung von Verbesserungen, da Änderungen regulatorisch relevant sein können. Dies kann sogar so weit gehen, keine neuen Daten zu generieren, um zu verhindern, dass - bedingt durch die neuen Daten - der Eindruck entsteht, den Prozess nicht gut zu verstehen.

Bei neuen Produkten wissen die Firmen oftmals relativ wenig über die entsprechenden Prozesse, da die Entwicklungszeiten möglichst kurz gehalten werden, um möglichst schnell auf den Markt zu kommen. Jeder Tag, den ein Produkt nicht auf dem Markt ist, wird als Einkommensverlust gedeutet. Größere Datenmengen über den Prozess werden dann folglich erst im kommerziellen Maßstab generiert.

Hier tritt derzeit ein Wandel ein. Firmen investieren mehr Zeit in die Entwicklung und Verbesserung Ihrer Prozesse. Neue Technologien (PAT) tragen dazu bei.

Anwendungsbeispiele von PAT-Studien bei Pfizer, Astra Zeneca und Genentech verdeutlichen diesen Wandel. Interessanterweise sind die Ziele bei den Firmen jedoch unterschiedlich: Für Pfizer steht die Reduzierung von Abweichungen im Vordergrund, AstraZenecas' Ziel ist "real-time release" und für Genentech stehen frühe Phasen der Prozessentwicklung im Mittelpunkt. Design of Experiments (DoE) ist hierbei für Genentech das Mittel der Wahl, um Prozessverständnis zu erlagen. Erste Ergebnisse dieser Methode bei der Entwicklung des monoklonalen Antikörpers Avastin ergaben überraschenderweise eine Zeitersparnis, da mittels DoE die eigentlich kritischen Parameter (mit enger Bandbreite) ermittelt wurden. Nur noch mit diesen Parametern wird dann weiter getestet.

Für Genentech war diese Vorgehensweise auch der Schlüssel zum schnellen Erhalt der Zulassung, da aufgrund Ihrer Vorgehensweise statistisch valide Daten eingereicht werden konnten und die Validierung sich nur auf wenige Parameter beschränken musste.

In Zukunft werden sich Industrie und Behörden stärker auf "Good Science" konzentrieren. Für Ron Branning von Genentech ist es aber weniger wichtig, in die Tiefe zu gehen als sich vielmehr mit den bekannten Themen zu beschäftigen. Auch für Prof. Muzzio ist klar, dass, sobald ein neuer Qualitätsstandard erreichbar wird, dieser auch allgemein erwartet wird

Der gesamte Beitrag ist verfügbar unter:
http://www.pharmtech.com/pharmtech/article/articleDetail.jsp?id=173672
 

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Weitere aktuelle Veranstaltungen zu Design of Experiments (DoE) und Validierung:

DoE - Design of Experiments in der pharmazeutischen Industrie am 20. Juni in Mannheim

Der Validierungsbeauftragte (QV 16) - 3-Tage-Intensivseminar vom 28. bis 30. Juni in Bremen

Die neuen FDA-Anforderungen an die Validierung - cGMP im 21. Jahrhundert (QV 20) am 6. Juli in Heidelberg

 
Autor:
Sven Pommeranz
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