Die "FDA Guideline General Principles on Process Validation" ist
mittlerweile 19 Jahre alt und das darin beschriebene Konzept der
Prozessvalidierung ist reif für den Mülleimer – so Laura Bush in ihrem
Artikel zur Prozessvalidierung in der Online-Ausgabe des US-Magazins
Pharmaceutical Technology. Da viele Unternehmen daran arbeiten, ihre
Prozesse besser zu verstehen, verliert die traditionelle
Prozessvalidierung an Bedeutung.
Die Experten sind sich einig, dass sich das Thema Prozessvalidierung im
Laufe der Zeit immer mehr in Richtung Dokumentation entwickelt hat anstatt
sich auf den eigentlichen Sinn zu konzentrieren: nämlich die Qualität zu
sichern. Ein ganzer Industriezweig entstand um das Thema
Prozessvalidierung herum, mit der Folge einer sehr aufgeblähten
Dokumentation. Trotzdem gibt es immer noch Prozesse, die nicht richtig
"arbeiten".
Prozessverständnis lautet das neue Schlüsselwort. Bisher herrschte
bei vielen Prozessen nur ein unzureichendes Prozessverständnis. Darauf
aufbauend sind Validierungsaktivitäten sinnlos, so Prof. Muzzio von der
Rutgers Universität. Muzzio sieht auch Schwächen im bisherigen
Valdierungsmodell darin, dass die Qualitätskontrolle die Aufgabe hat,
schlechte Chargen zu verwerfen, um die Produktqualität hoch zu halten.
Das ist in seinen Augen ineffizient.
Nach Dr. Philippe Cini von Tunnel Consulting erreichen Arzneimittel
nach dem Six Sigma Qualitäts-Ansatz zwar einen hohen Standard. Die
hohe Qualität entsteht aber nicht schon in der Produktion, sondern durch
Qualitätsmanagement-Systeme, mit denen bereits produzierte, aber
qualitativ mangelhafte Arzneimittel ausgesondert werden.
Eine weitere Schwäche des aktuellen Validierungskonzeptes ist die
Vermeidung von Änderungen bis hin zur Vermeidung von Verbesserungen, da
Änderungen regulatorisch relevant sein können. Dies kann sogar so weit
gehen, keine neuen Daten zu generieren, um zu verhindern, dass - bedingt
durch die neuen Daten - der Eindruck entsteht, den Prozess nicht gut zu
verstehen.
Bei neuen Produkten wissen die Firmen oftmals relativ wenig über die
entsprechenden Prozesse, da die Entwicklungszeiten möglichst kurz
gehalten werden, um möglichst schnell auf den Markt zu kommen. Jeder Tag,
den ein Produkt nicht auf dem Markt ist, wird als Einkommensverlust
gedeutet. Größere Datenmengen über den Prozess werden dann folglich
erst im kommerziellen Maßstab generiert.
Hier tritt derzeit ein Wandel ein. Firmen investieren mehr Zeit in die
Entwicklung und Verbesserung Ihrer Prozesse. Neue Technologien (PAT)
tragen dazu bei.
Anwendungsbeispiele von PAT-Studien bei Pfizer, Astra Zeneca und
Genentech verdeutlichen diesen Wandel. Interessanterweise sind die Ziele
bei den Firmen jedoch unterschiedlich: Für Pfizer steht die Reduzierung
von Abweichungen im Vordergrund, AstraZenecas' Ziel ist "real-time
release" und für Genentech stehen frühe Phasen der
Prozessentwicklung im Mittelpunkt. Design of Experiments (DoE) ist hierbei für Genentech
das Mittel der Wahl, um Prozessverständnis zu erlagen. Erste Ergebnisse
dieser Methode bei der Entwicklung des monoklonalen Antikörpers Avastin
ergaben überraschenderweise eine Zeitersparnis, da mittels DoE die
eigentlich kritischen Parameter (mit enger Bandbreite) ermittelt wurden.
Nur noch mit diesen Parametern wird dann weiter getestet.
Für Genentech war diese Vorgehensweise auch der Schlüssel zum
schnellen Erhalt der Zulassung, da aufgrund Ihrer Vorgehensweise
statistisch valide Daten eingereicht werden konnten und die Validierung
sich nur auf wenige Parameter beschränken musste.
In Zukunft werden sich Industrie und Behörden stärker auf "Good
Science" konzentrieren. Für Ron Branning von Genentech ist es aber
weniger wichtig, in die Tiefe zu gehen als sich vielmehr mit den bekannten
Themen zu beschäftigen. Auch für Prof. Muzzio ist klar, dass, sobald ein
neuer Qualitätsstandard erreichbar wird, dieser auch allgemein erwartet
wird
Der gesamte Beitrag ist verfügbar unter:
http://www.pharmtech.com/pharmtech/article/articleDetail.jsp?id=173672
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