Für die Hersteller von Humanarzneimitteln (inkl. Biologika, APIs) und
Tierarzneimitteln veröffentlichte die FDA im Januar 2006 eine neue
Guidance, die den formalen Umgang mit der Behörde bei Unstimmigkeiten
bezüglich wissenschaftlicher und technischer cGMP-Fragestellungen
vorstellt; Fragestellungen, die insbesondere bei der Inspektion oder bei
der Bewertung von Inspektionsergebnissen in der Behörde auftreten. Nicht
von dieser Guidance abgedeckt sind administrative Fragestellungen sowie
Medizinprodukte und Lebensmittel.
Die Guidance ergänzt bisherige Vorgaben bei Unstimmigkeiten mit der
Behörde, z.B. "21 CFR 10.75, Internal Agency Review of
Decisions", CDER/CBER guidance for industry "Formal Dispute
Resolution: Appeals Above the Devision Level" etc.
Inhalt der Guidance
Prinzipiell geht die Behörde davon aus und empfiehlt dies auch, dass
Unstimmigkeiten vor Ort während der Inspektion und vor dem Aushändigen
des 483-Formblatts mit dem Inspektor geklärt werden.
Für alle Unstimmigkeiten, die für die Vor-Ort-Abklärung zu komplex
oder zu zeitintensiv sind, wird ein 2-Stufen Process "dispute
resolution process" zur Klärung mit der Behörde vorgestellt:
Stufe 1: Adressaten sind hier das "Office of Regulatory Affairs
(ORA)" und die "Center Levels"
Wer der konkrete Adressat ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- für einheimische Human- und Tierarzneimittelhersteller das
zuständige "District Office"
- für ausländische Human- und Tierarzneimittelhersteller die
"Division of Field Investigations"
- für einheimische und ausländische Hersteller von Biologika das
"Office of Enforcement"
Der Widerspruch sollte schriftlich innerhalb 30 Arbeitstagen nach
Erhalt des 483-Formblatts bei der Behörde eingehen. Der Hersteller sollte
dabei alle Argumente und unterstützende Dokumentation der genannten
Stelle zur Verfügung stellen. Die entsprechende ORA-Einheit bewertet die
Eingaben, kann dazu auch zusätzliche Kräfte der Behörde, die nicht in
den Vorgang involviert sein müssen, hinzuziehen. Innerhalb 30
Arbeitstagen wird die Behörde dann schriftlich antworten.
Akzeptiert die Behörde die Einwände, wird in Form eines Briefes
oder einer Anlage an das 483-Formblatt geantwortet. Das Ergebnis wird
intern kommuniziert und auch zur Veröffentlichung bereitgestellt.
Akzeptiert die Behörde die Einwände nicht, kann der Hersteller,
soweit er mit dieser Entscheidung nicht einverstanden ist, die Stufe 2
einleiten.
Stufe 2: Adressat ist hier das "Dispute Resolution (DR) Panel on
Scientific and Technical Issues"
Das DR Panel besteht aus Vertretern der "program centers",
des ORA und dem Vorsitzenden des "FDA Council on Pharmaceutical
Quality".
Der Hersteller muss den schriftlichen Widerspruch gegen die Stufe
1-Entscheidung innerhalb 60 Arbeitstagen nach Zustellung dieser
Entscheidung stellen. Das DR Panel bewertet den Widerspruch in einer
Sitzung, kann dabei sowohl interne als auch externe Experten sowie
Rechtsanwälte des Office of Chief Counsel (OCC) heranziehen. Die Antwort
erfolgt dann innerhalb 30 Arbeitstagen nach der Sitzung und wird ebenfalls
intern und nach extern kommuniziert.
Die Guidance enthält weiterhin formale Informationen zu dem Prozess
sowie die entsprechenden Adressen der beteiligten Stellen. Weiterhin
werden an Beispielen aus 4 verschiedenen Themenbereichen aufgezeigt, was
für den "Dispute Resolution Process" in Betracht kommt:
- Failure to Comply With a Precise Element of CGMP Regulations
- Failure to Comply With a Precise Requirement Established in an
Approved Application
- The Regulatory Significance of Failing to Comply With a Precise
Requirement
- Issues Not Raised During the Inspection
Abschließend sei betont, dass alle Informationen des beschriebenen
"Dispute Resolution Process" im Rahmen des Freedom of
Information (FOI) process betrachtet werden, also der Öffentlichkeit
zugänglich sind.
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