|
So lautet die Einleitung des Leitartikels
im Gold Sheet, Ausgabe Mai 2000. Der Leitartikel beschäftigt sich mit dem
Thema Risikomanagement. Hauptsächlich das Konzept der Hazard Analysis and
Critical Control Points (HACCP) wird favorisiert.
Historisch als Prozesssteuerungselement
in der lebensmittelverarbeitenden Industrie eingesetzt, hat das
HACCP-Konzept mittlerweile auch im Medizinprodukte-Bereich in den USA Fuss
gefasst.
Das Interesse der FDA das HACCP-Konzept
in die pharmazeutische Industrie zu übertragen wurde von Field Director
Gary Dykstra formuliert. Beginnend mit einer intensiven Diskussion
innerhalb der FDA ist in naher Zukunft zu erwarten, dass das Konzept nach
außen getragen wird. Somit werden zukünftig die kritischen
Regelungspunkte und die Steuerung des Herstellungsprozesses verstärkt in
den Fokus geraten.
Das HACCP-Konzept gliedert sich in sieben
Schritten:
- Analyse und Identifizierung
potentzieller Risiken (Hazard Analysis)
- Bestimmung der kritischen
Kontrollpunkte* (Critical Control Points)
- Definition von Grenzwerten
- Etablierung eines Monitoringsystem
- Festlegung von Korrekturmaßnahmen
- Fortlaufende Überprüfung des
Systems (Verifizierung)
- Festlegung von Art und Umfang der
Dokumentation
*Wobei unter kritischen Kontrollpunkten
örtliche Gegebenheiten, Tätigkeiten oder Verfahren gemeint sind, an
denen regulierend eingegriffen werden kann, um ein erkanntes Risiko zu
mindern oder ihm vorzubeugen. Kontrolle ist als „unter Kontrolle
haben" im Sinne von „beherrschen" und nicht im Sinne von
testen, prüfen zu verstehen.
Jeder Prozess(teil)schritt ist vor dem
Hintergrund jeder der sieben Schritte zu bewerten.
Aus FDA-Sicht offeriert das HACCP-Konzept
den Inspektoren die Möglichkeit, sich auf die wirklich kritischen
Herstellungstätigkeiten konzentrieren zu können.
Seit 1998 hat das Center for Devices and
Radiological Health (CDRH), die überwachende Behörde für
Medizinprodukte der FDA, Erläuterungen herausgegeben, wie das
HACCP-Konzept bei Medizinprodukten angewandt werden kann. Die Punkte, die
derzeit zwischen der FDA und der Medizinprodukte-Industrie diskutiert
werden, sind dieselben, die auch im pharmazeutischen Bereich relevant
sind.
Nach der Einführung von QS-Regulations (QSR)
im Medizinproduktebereich suchte das CDRH nach Möglichkeiten, die
Inspektionen effizienter zu gestalten. Hierzu wurde ein Team gebildet, das
Inspektionen auf Basis von Plänen, die auf dem HACCP-Konzept basieren,
innerhalb einer Studie umsetzen sollten.
Die generelle Botschaft des CDRH lautet
mittels HACCP-Konzept eine effizientere – und damit auch kürzere -
Inspektion bei den Unternehmen durchzuführen, die ein HACCP-Konzept
entwickelt haben.
Derzeit wird überlegt, den Firmen, die
ein HACCP-Konzept eingeführt haben, zu erlauben, dies auch auf Ihrem
Label zu kennzeichnen.
Um Inspektionen nach dem HACCP-Konzept
durchführen zu können wurden gemeinsame Schulungen der Inspektoren mit
der Industrie durchgeführt.
Nach Abschluss der Studie wird mit den
beteiligten Firmen anhand von Benchmarks, wie der Anzahl von
Produktrückrufen, Reworking und Beschwerden, eine Machbarkeitsstudie
erstellt und diese der gesamten FDA unterbreitet.
Kritiker aus dem CDRH argumentieren, dass
das HACCP-Konzept nur einen Teil der gesamten QS-Regulations abdeckt und
deshalb nicht als vollwertiger Ersatz für eine „klassische"
Inspektion dienen kann.
Befürworter aus der Industrie sagen
wiederum, dass die Zielsetzung von Inspektionen hauptsächlich produkt-
und prozessbezogen ist und genau da greift das HACCP-Konzept. Deshalb ist
es auch ein geeignetes „Tool" um sich auf Preapproval Audits
vorzubereiten.
Eine Option für die FDA wäre es bei
Firmen, die ein HACCP-Konzept implementiert haben, nach einer
vollständigen Inspektion des gesamten QS-Systems die Re-Inspektionen nur
noch verkürzt durchzuführen.
Und wo ist nun der Bezug zur
pharmazeutischen Industrie?
Möglichkeiten einer Anwendung des
HACCP-Konzepts in der pharmazeutsichen Industrie werden hauptsächlich im
Bereich der Validierung und der Failure Investigation mit anschließender
Korrektur- und Folgemaßnahmen gesehen. Mit HACCP können die Changes, die
auf die Failure Investigation erfolgen, strukturierter gehandhabt werden.
QA VP Ronald Banning von Aventis Behring
setzt eine auf dem HACCP-Konzept basierenden Risikoanalyse zur Ermittlung
der wirklich kritischen Prozessvariablen im Rahmen einer
Prozessvalidierung ein. Mit dem Erfolg, sich auch nur um diese wirklich
kritischen Variablen bei der Validierung kümmern zu müssen. Neben der
immensen Zeitersparnis ist damit natürlich auch eine Kostenersparnis
verbunden.
Nach Abschluss der Validierung werden
alle relevanten Qualitätsdaten, wie Banning berichtet, systematisch in
einem „Referenzbuch" erfasst. Dieses „Referenzbuch" dient
sowohl als Basis für die Vorbereitung auf Inspektionen als auch als
Steuerungselement für die Tagesplanung. Dieser Gedanke ist die Umsetzung
von statistischer Prozesssteuerung (SPC) in ein Management-Werkzeug.
Paul Mc Allister von SmithKline Beecham
setzt neben Diagrammen und Tabellen auch die „Failure Mode and Effects
Analysis" (FMEA) und die Methode „Design of Experiments" (DOE)
als Risikoanalyse ein. Er sieht als großen Vorteil mögliche Risiken in
einem Prozess schon im Vorfeld zu erkennen, um bei deren möglichen
Eintreten gezielt und strukturiert gegensteuern zu können.
Fazit: Das HACCP-Konzept ist derzeit
keine verbindliche Forderung der FDA bei der Produktion von Arzneimitteln.
Das Konzept ist allerdings, aus den ebenfalls von der FDA überwachten
Bereichen der Lebensmittelfertigung und der Medizinprodukte-Industrie, der
Behörde gut bekannt. Der Einsatz einer Risikoanalyse wird gerne gesehen
und stärkt in Zusammenhang mit entsprechenden Validierungsstudien und
einem angemessenen „Monitoring" im Sinne einer statistischen
Prozesssteuerung (SPC) das Vertrauen der Behörde.
Für weitere Informationen empfehlen wir
Ihnen die nachfolgend aufgeführten Quellen:
- The Gold Sheet, F-D-C-Reports, May
2000
- Veranstaltungsordner Risikoanalyse –
Die Grundlage einer erfolgreichen Validierung Veranstaltung von
Concept Heidelberg 3./4. Mai 2000, Darmstadt
- Jahnke, M.: Hazzard Analysis and
Critical Control Points. In: Schmidt, Oliver (Hrsg.): Pharmaceutical
QA System in Pharmaceutical Quality Systems, Interpharm Press, Denver,
Colorado, 2000, S. 319-361.
- Autor: Sven Pommeranz,
Projektleiter, CONCEPT HEIDELBERG
|