Bedingt durch den Freedom of Information Act (FOI) sind
Inspektionsergebnisse der FDA öffentlich zugänglich. Nur sehr selten
erfährt man allerdings Inspektionsergebnisse europäischer
Überwachungsbehörden. John Taylor von der britischen
Überwachungsbehörde MHRA hat im Rahmen der ECA Veranstaltung "How
to Pass EU and FDA Inspections - GMP Compliance Auditor", 16.-18.
November 2005, Prag, Inspektionsergebnisse seiner Behörde präsentiert.
(ECA Webseite www.gmp-compliance.org)
Die MHRA ging aus der 2003 durchgeführten Fusion der Medicines Control
Agency und der Medical Devices Agency hervor.
Die MHRA hat als Inspektionsfrequenz für die eigenen
Herstellungsbetriebe (700) einen 2 Jahresrhythmus und für die "Third
country manufactures" (300) einen 3 Jahresrhythmus vorgegeben.
Die Klassifikation von Inspektionsergebnissen erfolgt durch die MHRA in
"critical", "major" und "others". Wobei
"critical" einen Mangel charakterisiert, der einen signifikanten
Einfluss darauf hat, dass ein Produkt einen Patienten schädigen könnte.
Auch eine Kombination von "major"-Abweichungen, die auf einen
kritischen Systemfehler hindeuten, gehören in diese Kategorie.
Ein "major"-Mangel könnte ein Produkt erzeugen, das nicht in
Übereinstimmung mit der Zulassung steht.Oder er steht für eine
Kombination von "other"-Abweichungen, die auf einen Systemfehler
oder auf wiederholende "other"-Abweichungen hindeuten.
Ein "other"-Mangel ist eine Abweichung, die nicht in
"critical" oder "major" eingeordnet werden kann, aber
auf eine GMP-Abweichung hindeutet.
Die Top-Ten-Liste der "critical" und
"major"-Abweichungen aller inspizierten Bereiche
(einschließlich Drittländer, wholesalers, Lohnlabore) zeigt auf Platz 1
und 3 findigs in Bezug auf das Quality-System (s. Bild 1). Die FDA
veröffentlichte unlängst eine Statistik Ihrer Inspektionen (1/2004 –
3/2005). Auf die 6 Inspektionssysteme bezogen nahm auch hier das
Quality-System mit 47% aller Mängel den 1. Platz ein.

Bild 1
Auf die britische pharmazeutische Industrie bezogen stellte John Taylor
auch ein Trending vor (s. Bild 2).

Bild 2
GMP-Abweichungen in Drittländer sind oft auch aufgrund eine Unkenntnis
bzgl. europäischen GMP-Regeln begründet. Abbildung 3 und 4 zeigen eine
Auflistung dieser Mängel und ein Trending.

Bild 3

Bild 4
Sehr interessant sind ebenfalls die ernsthaften "Good Distribution
Practice" Abweichungen. Auffällig ist, dass die Temperaturkontrolle
und das Monitoring sowie "Returns" und die QS-Dokumentation
zusammen mehr als 50% der Mängel ausmachen (s. Bild 5).

Bild 5
Bezüglich Mängel bei der Fertigung von klinischen Prüfmustern findet
sich auch hier das QM-System unter den Top 3 (s. Bild 6).

Bild 6
Auf freiwilliger Basis führt die MHRA auch Wirkstoffinspektionen
gemäß Annex 18 durch. Die fünf häufigsten Mängel waren:
- Quality system documentation
- Potential for contamination
- IPC
- Starting material sampling and testing
- Training
Ebenfalls aufgelistet sind die Mängel bei der Impfstoffherstellung (s.
Bild 7) und die Top Five bzgl. Mängeln im Blut- und Gewebebereich (s.
Bild 8).

Bild 7

Bild 8
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