FDA
Warning Letters an europäische Pharmafirmen
nehmen wieder zu!
Im Rahmen unserer systematischen Auswertung der FDA Warning Letters (WLs)
haben wir uns diejenigen genauer angesehen, die nach einer GMP-Inspektion
durch die FDA an europäische Firmen ausgestellt wurden. Berücksichtigt
wurden alle vom Oktober 2001 bis jetzt erschienenen Warning Letters, d.h.
der untersuchte Zeitraum umfasst nahezu 4 vollständige Fiskaljahre.
Im Folgenden kurz die wichtigsten Befunde:
Während im Fiscal Year 02 und 03 kein Warning
Letter für eine europäische Firma ausgestellt wurde, wurden 2004 gleich
3 Warning Letters an EU-Firmen versendet. 2005 waren es aber auch
bereits 2 - und das, obwohl das Fiscal Year noch nicht beendet ist.
FY 04: 3
FY 05: 2
Firmensitz der WL-Empfänger:
FY 04: Schweiz, Österreich, Frankreich
FY 05: Schweiz, Italien
Alle 5 Firmen sind Hersteller steriler Arzneimittel.
Folgende GMP-Mängel wurden am häufigsten gefunden:
Keine ausreichenden Vorkehrungen zur Vermeidung
mikrobiologischer Kontaminationen (21 CFR 211.113); in 4 von 5 WLs
Mangelhaftes Review der Chargendokumentation,
schlechtes Abweichungsmanagement (21 CFR 211.192); in 4 von 5 WLs
Prüfmethoden sind für den vorgesehenen Zweck
nicht geeignet oder werden nicht befolgt (21 CFR 211.160); in 3 von 5
WLs
Wartung und Reinigung der Ausrüstung ist
ungenügend bzw. schlecht dokumentiert (21 CFR 211.67); in 3 von 5 WLs
Gemäß ihrem risikoorientierten Ansatz inspiziert
die FDA Pharmafirmen, die sterile Arzneimittel produzieren, mit oberster
Priorität und – wie diese Zusammenstellung vermuten lässt –
besonders streng.
Nachfolgend einige Auszüge aus den Warning Letters
im Originalwortlaut, beispielhaft zu jedem der o.g. CFR-Paragrafen:
"Appropriate written procedures designed to
prevent microbiological contamination of drug products purporting to be
sterile, were not established and followed. Specifically, written
procedures were not established and followed to validate the … filling
process because of deficiencies in media fill studies. 21 CFR
211.113."
"Failure of the quality control unit to
review production records to assure that no errors have occurred or, if
errors have occurred, that they have been fully investigated [21 CFR
211.22 and 211.192]."
"Written control procedures were not always
followed when changes were made to test methods and validated systems,
… [21 CFR 211.160].
"There is not sufficient documentation to
determine the effectiveness of your cleaning agent … 21 CFR
211.67."
Durch alle findings zieht sich wie ein roter Faden
die generelle Unzufriedenheit der FDA mit der Dokumentation und den
schriftlichen Anweisungen in den verschiedenen Abteilungen, sei es in
Bezug auf Reinigung (Produktion), Prüfmethoden (Qualitätskontrolle) oder
Nachverfolgung von Abweichungen (Qualitätssicherung). In engem
Zusammenhang damit steht das nicht konsequente Befolgen der eigenen
Anweisungen durch das Personal – ein Mangel, der den FDA-Investigatoren
bei Firmen mit unbefriedigendem GMP-Status kaum verborgen bleibt und der
in den Warning Letters immer wieder zu lesen ist.
Aus den Ergebnissen dieser Untersuchung lässt sich
nicht unbedingt ein "europaspezifischer" Fokus der FDA bei der
Inspektion von Pharmafirmen ableiten. Die oben genannten häufig
gefundenen GMP-Verstöße sind z.B. auch in der Auswertung aller Warning
Letters des Fiskaljahres 2004 unter den ersten sechs der TopTen-Liste der
häufigsten findings zu finden (siehe unsere GMP-News
vom 7. Februar 2005). Auf jeden Fall sind Firmen, die einen
Besuch der FDA erwarten, sicher gut beraten, diese Punkte besonders
sorgfältig in die Vorbereitung der Inspektion mit einzubeziehen.
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