Die FDA organisiert jährlich eine Konferenz in
Washington, DC, die von der PDA mitorganisiert wird.
Auf der Veranstaltung wurde ein interessantes Spektrum aktueller Themen
behandelt, obwohl mehrere erwartete FDA Guidance-Dokumente noch nicht in
ihrer Druckfassung vorgestellt werden konnten. Ihre Inhalte wurden aber
z.T. schon diskutiert.
Die Konferenz ist inhaltlich und bei der Auswahl der Referenten sehr
stark auf die FDA ausgerichtet. Unter den über 50 Referenten war kein einziger Referent der europäischen Pharmaindustrie. Nur ein Referent der europäischen Überwachung wurde eingeladen. Dr. Jörg Neuhaus von der Bezirksregierung Köln ist einer der wenigen in den USA anerkannten GMP-Inspektoren aus Europa. Als Experte für aseptische Prozesse,
Biotech/Blut Produkte und GMP in der Entwicklung gehört er zu den gefragtesten Experten.
Wir haben Herr Dr. Neuhaus gebeten, die aus seiner Sicht interessantesten Informationen zusammenzufassen.
Im folgenden finden Sie eine Zusammenfassung
von Herrn Dr. Neuhaus:
Die wirklich interessanten Neuerungen waren bei Themen zu beobachten,
zu denen die US-FDA in den letzten Jahren Guidances veröffentlicht oder
Initiativen gestartet hatte. Die FDA-Vertreter begründeten dies damit,
dass sie erst die Guidance-Dokumente fertig stellen wollten und sich nun
daran gemacht haben, die entsprechenden Inspection Policies zu
überarbeiten. Hier sind also in Kürze einige Überraschungen zu
erwarten, die sich auf der Konferenz schon angedeutet haben.
Gleich mehrere Sessions beschäftigten sich mit Process Analytical
Technique (PAT). Die FDA hat hier noch keine endgültige Richtung
festgelegt, sondern scheint noch entsprechende Konzepte zu suchen. Dies
spiegelt sich auch in der Tatsache wieder, dass derzeit nur zwei
PAT-Projekte der Industrie durch die FDA eine Zulassung erhalten haben und
18 weitere Projekte in fortgeschrittenem Stadium behandelt werden.
[CONCEPT HEIDELBERG. Siehe hierzu auch
die Veranstaltung: PAT - Das Praxisseminar]
Im Bereich der Prozessvalidierung hat die FDA ihre Erwartungen
weiterentwickelt und einige europäische Standpunkte übernommen.
Entsprechend werden die bisher schematisch geforderten 3
Validierungschargen nicht mehr als in jedem Falle ausreichend angesehen
sondern nur noch als "Conformation Batches" betrachtet. Die FDA
erwartet, dass künftig bei der Validierung ein ernsthafterer Nachweis der
Qualitätsfähigkeit und Beherrschung der Prozesse geführt wird. Dazu ist
in der Validierung ein tiefgehendes Verständnis des Prozesses zu
entwickeln und nach einem Life Cycle Konzept kontinuierlich
fortzuschreiben. Ein Entwurf eines überarbeiteten Process Guides wurde
noch für 2005 in Aussicht gestellt. Es lohnt sich also in jedem Falle,
diese Entwicklung weiter zu beobachten. [Concept Heidelberg: Siehe
hierzu auch die Veranstaltung: Aktuelle FDA Anforderungen an die
Validierung]
Im Bereich des Aseptic Processings ist ein deutlicher Paradigmenwechsel
der FDA zu beobachten, der mit einer stärkeren Ausrichtung an den Risiken
für Produkt und Patient verbunden ist. Die entsprechenden Schulungen der
FDA-Inspektoren laufen bereits. Unmittelbare Auswirkungen auf die
Inspektionspraxis sind also schon in Bälde zu erwarten. Ferner sollen
ausdrücklich moderne risikoarme Technologien belohnt werden. So sollen
für Isolatoren weitere Erleichterungen in den Anforderungen gegenüber
der konventionellen Reinraumtechnologie eingeräumt werden. Darüber
hinaus will die FDA u.a. die neue Kategorie der Restricted Access Barriers
(RABS) definieren. Dabei handelt es sich um
"Beinahe-Isolatoren", die ebenfalls mit einigen Erleichterungen
belohnt werden sollen. [Concept Heidelberg: Siehe
hierzu auch die Veranstaltungen: Der neue FDA Aseptic Guide]
Im September 2004 hatte die FDA den Entwurf einer Guidance for
Industry: Quality Systems Approach to Pharmaceutical Current Good
Manufacturing Practice publiziert. Dieses Dokument definiert Anforderungen
an ein Qualitäts-System für pharmazeutische Hersteller. Mit dem Dokument
soll dem Umstand Rechnung getragen werden, dass in den aktuellen cGMP
Regulations der FDA (21 CFR 210/211) keine Hinweise zu Qualitäts-Systemen
zu finden sind. Damit orientiert sich die FDA an dem Quality Systems
Inspection Technique (QSIT) Konzept, welches bereits erfolgreich im
Bereich der Medical Devices (Center for Devices and Radiological Health)
etabliert ist. Die Draft Guidance for Industry "Quality Systems
Approach to Pharmaceutical Current Good Manufacturing Practice" soll
eventuell noch 2005 als finale Guidance publiziert werden. Die FDA will
nach eigenem Bekunden nicht warten, bis über die ICH das Dokument ICH Q
10 zu Quality Systems veröffentlicht wird. Allerdings hat die FDA
angekündigt die eigene Guideline zurückzuziehen, sobald die ICH das
Dokument Q 10 finalisiert hat. [Concept
Heidelberg: Siehe hierzu auch die Veranstaltung: FDA's new Quality Systems
and Risk Approach mit dem ehemaligen FDA Deputy Director Jim Lyda]
Wesentlich weniger weit entwickelt sind dagegen die Vorstellungen zu
einem überarbeiteten 21 CFR Part 11 und entsprechenden Guidances zu
computerisierten Systemen. Hier wird nur im günstigsten Falle noch in 2005
eine Vorstellung erfolgen.
In einer Session zu ICH Q10 (Quality Assurance Systems) verliehen die
Industrievertreter ihrer hohen Erwartung Ausdruck, dass mit der
Harmonisierung der Qualitätssicherungssysteme eine Erleichterung der
regulatorischen Änderungsprozesse verbunden sein muss. Der ICH-Prozess
ist aber über das Stadium der Einigung, Q10 anzugehen, noch nicht
hinausgekommen. Ein Konzept existiert noch nicht. Aufgrund des hohen
Industrieinteresses soll der Prozess jedoch schnell vorangetrieben werden
und binnen 12 bis 18 Monaten zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht
werden.
Bemerkenswert war, dass in mehreren Randgesprächen die FDA-Vertreter
immer wieder betonten, dass sie sich viele Fortschritte vom angestrebten
Beitritt zu PIC/S versprechen – und das nicht nur im Sinne einer
Harmonisierung. Dem Autor ist bekannt, dass der Beitrittsantrag inzwischen
beim PIC/S-Sekretariat eingetroffen ist und die mit der Evaluation
beauftragten PIC/S-Mitgliedsbehörden (Groß Britannien und Frankreich)
bereits festgelegt sind.
Insgesamt konnte festgestellt werden, dass die US-FDA ihre Initiative
for the 21st Century und ihren Risk Based Approach immer mehr
mit Leben erfüllt. Ein durchaus positives Ergebnis!
Autor: Dr. Jörg Neuhaus
Einige interessante Vorträge der FDA-Referenten können Sie hier
einsehen.
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