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Das Barr-Urteil von 1993 war der
zentrale Ausgangspunkt der daraufhin in der pharmazeutischen Industrie
aufgekommenen Diskussion um die GMP-gerechte Handhabung von abweichenden
Analysenergebnissen (Out-of-Specification Results).
Das Hauptanliegen einer OOS Untersuchung ist es, die Ursache eines
abweichenden Analysenergebnisses zu ermitteln (Laborfehler oder
Produktionsfehler?). Gleichzeitig müssen die im Labor intern festgelegten
Regelungen sicherstellen, dass man sich nicht dem Vorwurf aussetzt, ein
"testing into compliance" durchzuführen, d.h. so lange
Wiederholungsmessungen durchzuführen, bis ein spezifikationskonformes
Ergebnis auftaucht. Der Vorwurf des "testing into compliance"
war einer der zentralen Punkte im Barr-Urteil. Das Barr-Urteil (Wolin
Judgement) ist ein sehr ausführliches Gerichtsurteil, das viele
analytische Fragestellungen detailliert anspricht. Z.B. wie viele
Wiederholungsanalysen erforderlich sind, um ein OOS Ergebnis für
ungültig erklären zu können. Auch wenn das Barr-Urteil heute nicht mehr
ganz aktuell ist, so stellt es noch immer eine gute Informationsquelle zum
Thema OOS dar.
Für alle, die einen Einblick in die wichtigsten, für das Labor
relevanten Aussagen des Barr-Urteils erhalten wollen, gibt es eine
interessante Zusammenfassung hier.
Obwohl inzwischen viele Jahre seit dem Barr-Urteil vergangen sind,
bleibt das Thema OOS weiterhin aktuell, wie im Gold Sheet vom März 2005
aufgeführt: "OOS Investigations Remain Key FDA Target".
Konkrete Beispiele finden sich in FDA Warning Letters:
"Confirmed OOS results for blend uniformity were obtained and no
failure investigation have been performed. …. Additionally, there was no
evaluation of the impact of these failures on other batches of this
product currently on the market."
"Inadequate method validation in that OOS findings were discarded
without investigation the cause of the OOS results and analytical data was
selectively reported."
Laut Gold Sheet vom März 2005 ist einer der Hauptpunkte bei den
beanstandeten Fehleruntersuchungen in Warning Letters, dass man die
Fehleruntersuchungen nicht umfassend genug durchführt. So wird heute
erwartet, dass man bei der Untersuchungen von Prozess- und
Produktabweichungen die Fehleruntersuchung auch auf andere Chargen
ausweitet, um zu sehen, ob andere Chargen des gleichen Produktes ebenfalls
betroffen sind.
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