Am 5. April 2005 wurde in Berlin im Rahmen der Pharmatechnik-Konferenz
2005 der von CONCEPT HEIDELBERG im Jahr 1987 initiierte und mit EURO
5.000, dotierte "Wallhäußer-Preis 2004 für Arzneimittelqualität
und -sicherheit" verliehen.
Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die durch Publikationen oder
ihr Lebenswerk einen wesentlichen Beitrag auf dem Gebiet der
Arzneimittelqualität bzw. Arzneimittelsicherheit geleistet haben.
Die Juroren des Wallhäußer Preises, Dr. Wolfgang Schumacher, F.
Hoffmann-La Roche AG, und Rudolf Völler, Regierungspräsidium Darmstadt,
sprachen den Wallhäußer Preis 2004
Herrn Dr. Michael Pfeiffer, Boehringer Ingelheim,
zu.
Im folgenden ist ein Auszug aus der Laudatio von Herrn Dr. Wolfgang
Schumacher wiedergegeben:
Herr Pfeiffer hat in Frankfurt Biologie studiert mit den Schwerpunkten
Mikrobiologie, Humangenetik und Pharmakologie, im Jahre 1980 sein Diplom
gemacht, und danach seine Dissertation am Hygieneinstitut der Uni
Frankfurt bei Prof. Knothe angefertigt. Das Thema handelte von der
Antibiotika-Resistenz von Darmkeimen nach Cephalosporingabe. Die erste
Industrieanstellung hatte Herr Dr. Pfeiffer bei B. Braun Melsungen AG in
Melsungen. Dort hat sich Herr Pfeiffer in der ersten Zeit im damaligen
Geschäftsbereich Forschung und Entwicklung mit der Entwicklung von
Desinfektionsmitteln befasst. In der Hauptsache waren das Produkte auf der
Basis von PVP-Jod und Alkohol, also zum Bereich Pharma dieses Unternehmens
gehörig. Ab 1993 wechselte er in die Qualitätskontrolle von
Medizinprodukten und ab 1998 in die Qualitätssicherung Pharma. Vor 5
Jahren ist Herr Pfeiffer dann zu Boehringer Ingelheim gewechselt und ist
dort als Referatsleiter u.a. für die Durchführung und Betreuung von
Audits zuständig.
In seiner beruflichen Tätigkeit sowie in seiner wissenschaftlichen
Arbeit hat er sich sehr zielstrebig mit den Endotoxinen
auseinandergesetzt, die beim Menschen für pyrogene Reaktionen, d.h. für
das Auslösen von Fieber, verantwortlich sind. Diese Endotoxine befinden
sich vor allem in den Zellwänden von (gram-negativen) Bakterien.
Die von Herrn Pfeiffer bearbeitete In-vitro-Ersatzmethode zum
Tierversuch ist der sogenannte LAL Test, der auf einem biologischen
Phänomen beruht: Aus dem Blut des amerikanischen Pfeilschwanzkrebses
(Limulus Polyphemus) wird ein sehr sensitiver In-vitro-Test gefertigt, der
es ermöglicht, die Pyrogenität mit sehr grosser Sicherheit ohne den Tod
von unzähligen Kaninchen nachzuweisen.
Das geschieht durch eine komplizierte Eiweissreaktion. Herr Pfeiffer
hat sich um dieses Verfahren verdient gemacht und ihm dazu verholfen,
zugelassen zu werden. Solche neuen Verfahren werden von allen
Gesundheitsbehörden als sehr kritisch eingestuft, und es dauert viele
Jahre bis zu deren Zulassung als offizielle Arzneibuchmethoden. Herr
Pfeiffer führte entsprechende Arbeiten ab Mitte der neunziger Jahre
durch, noch zu Zeiten seiner Tätigkeit für die Firma B. Braun in
Melsungen.
Wenn er als Vertreter der Spezies Qualität an die Öffentlichkeit
tritt, um seine Erkenntnisse kund zu tun, dann geschieht dies meist in
Form von Publikationen. Dementsprechend nimmt Herr Pfeiffer, was die
Anzahl der Arbeiten aus der deutschen pharmazeutischen Industrie angeht,
eine Spitzenstellung ein.
Seit neuester Zeit widmet er sich auch einem anderen Gebiet: dem
Qualitätsmanagement und der Qualitätslenkung. Ein Mittel hierzu sind
Audits von Lieferanten, Auftragsherstellern und externen Prüflabors sowie
die interne Auditierung, durch Selbstinspektion. Eine im letzten Jahr von
Herrn Pfeiffer publizierte Arbeit beleuchtet ein neues Verfahren, solche
Ergebnisse von Audits zu quantifizieren, d.h. transparenter darzustellen,
und eine objektivere Bewertung zuzulassen.
Herr Pfeiffer hat hier eine Nachweismethode entwickelt, Auditergebnisse
prädiktiv als "Inspection Readiness" in einer Prozentzahl
auszudrücken und auch die Ergebnisse von Behördeninspektionen derart
festzulegen. Hier hat man – wie in international tätigen Unternehmen
üblich - natürlich Messlatten entwickelt, die ein zu schlechtes
Abschneiden sofort erkennen lassen.
Mit der heutigen Auszeichnung wird ein Kollege geehrt, der einen
unermüdlichen Einsatz für die pharmazeutische Qualität zeigt. Für das
Jahr 2004 haben wir ihn ausgewählt, da er im vergangenen Jahr den
eingangs erwähnten Artikel "GMP-Selbstinspektionen als
Vorbereitungs-Tool auf Kunden- und Behördenaudits" (PharmInd. 10,
2004) publiziert und sich über so viele Jahre hinweg unermüdlich für
die Optimierung der pharmazeutischen Qualität eingesetzt hat.
Der Preis wird ausdrücklich für das Lebenswerk von Herrn Dr. Pfeiffer
vergeben.

Von links nach rechts: Jurymitglied Dr. Wolfgang Schumacher (F. Hoffmann-La Roche AG),
Preisträger Dr. Michael Pfeiffer (Boehringer Ingelheim Pharma GmbH &
Co. KG), Oliver Schmidt (Geschäftsführer Concept Heidelberg GmbH)