Die EU Kommission und die EMEA haben neue, bezw. geänderte GMP
Anforderungen veröffentlicht. Mit einer umfangreichen Publikation werden
unterschiedliche Teilbereiche behandelt. Die Publikation umfasst:
1) Concept Papier zur Änderung des EG GMP Guide in Kapitel 3
Räumlichkeiten und Ausrüstungen für bestimmte Arzneimittel
Die EMEA schreibt, dass die Notwendigkeit besteht, genauer zu
definieren, wann sogenannte "dedicated" und geschlossene
(self-contained) Herstellungsräume existieren müssen. Das neue Concept
Paper ist so erstaulich, weil in der Ankündigung bereits auf eine Guidance
verwiesen wird, die noch nicht veröffentlicht ist, aber in den nächsten
Wochen erwartet wird. Dabei handelt es sich um die ICH Q9 "Quality
Risk Management". Die EMEA schreibt, dass die geplanten Änderungen
unter vollständiger Berücksichtigung der ICH Q9 erfolgen.
Die Umsetzung ist bereits konkret in einem Timetable geplant. Direkt
nach Publikation von ICH Q9 soll ein Draft erarbeitet werden, der zum
Oktober 2005 verfügbar sein soll. Anschließend ist eine 6-monatige
Kommentierungsphase vorgesehen. Bereits im ersten Quartal 2006 wird das
Dokument gültig werden.
Eine Top Konferenz zu ICH Q 9 organisiert
die Universität Heidelberg. U.a. werden 2 Mitglieder von ICH Q9 den dann
vorliegenden Draft ausführlich kommentieren. Sie finden das Programm
unter www.gmp-conference.org
.
Das Concept Paper zu Änderung von Kapitel 3.6 finden Sie
wenn Sie hier clicken.
2) Concept Papier zur Änderung des Annex 14 zu Blutprodukten
Auch die EMEA ist sich bewusst, dass es besonders für Blut und
Blutprodukte eine ganze Reihe von heterogenen Richtlinien und Guidelines
gibt. Dabei konnte bisher eine inhaltliche Überlappung der einzelnen
Dokumente nicht vermieden werden. Die EMEA hat diese Gefahr erkannt und
betont in einem neu veröffentlichten Konzeptpapier, dass diese
Schnittmengen zukünftig vermieden werden müssen. Eine klare
Unterscheidung über den Geltungsbereich jedes einzelnen Dokuments ist
notwendig. In einem ersten Schritt soll dazu der Annex 14 der EU GMP
Richtlinie überarbeitet werden. Hier soll vor allem eine klare Trennung
zwischen Good Practice Anforderungen für das Sammeln und Testen für
Plasma zur Fraktionierung und GMP Anforderungen an die Produktion von
Arzneimitteln aus Blut und Plasma erarbeitet werden. Am Ende des
Konzeptpapiers, das Sie sich unter diesem
Link ansehen können, finden Sie eine sehr nützliche Auflistung aller
relevanten Richtlinien. Da die Deadline for Comments bereits Mai 2005 ist,
ist es besonders wichtig, sich kurzfristig über die aktuellen Änderungen
der rechtlichen Rahmenbedingungen zu informieren. Diese beinhalten auch
die neuen technischen Annexe der EU-Blutdirektive 2001/98/EC.
Einen umfassenden Überblick über die
derzeitigen Anforderungen und deren Auswirkungen auf die tägliche Praxis
erhalten Sie auf dem Seminar "Qualität und Sicherheit bei Blut
und Blutprodukten". Es findet statt am 6./7. April 2005 in
Mannheim.
Vertreter der Bundesoberbehörde, vom
Regierungspräsidium Tübingen, von Blutspendediensten und der
plasmaverarbeitenden Industrie helfen Ihnen, die für Sie wichtigen
Informationen zu finden, zu interpretieren und umzusetzen. Das Programm
der Veranstaltung finden Sie hier.
3) Guidance zu Gründen bei denen eine Inspektion bei Herstellern von
pharmazeutischen Wirkstoffen durchgeführt wird
Die Guidance wurde erstellt, um einheitliche Gründe für die Inspektion
von Herstellern pharmazeutischer Wirkstoffe zu definieren. Auch das Umpacken und Umetikettieren von Wirkstoffen durch einen Händler wird
behandelt. Die Guidance regelt demnach auch nicht nur Wirkstoffe innhalb
der EU, sondern ebenfalls die Wirkstoffe, die von außerhalb der EU
importiert werden. Dies sind ca. 80 % der Wirkstoffe (API´s). In der
Einführung wird definiert, dass angekündigte und unangekündigte
Inspektionen durchgeführt werden können, wenn es Gründe oder
Verdachtsmomente von non GMP Compliance gibt. Die Guidance führt aus, dass
der Hersteller von Fertigarzneimitteln verpflichtet ist, ausschließlich
Wirkstoffe einzusetzen, die GMP konform hergestellt werden. Daher erwartet
die EMEA, dass der Hersteller sich selbst durch ein Audit oder und durch ein
Auftragsaudit (Third Party Audit) von der GMP Compliance bei dem
Wirkstoffhersteller überzeugt. In der Guidance sind dann unter Punkt 1
Beispiele aufgeführt nach denen eine Inspektion geeignet erscheint.
Top aktuell ist daher der ICH Q7A Master Class Course
in Basel für Fortgeschrittene sowie der GMP Basiskurs
Wirkstoffe, der einen vollständigen Überblick über die GMP
Anforderungen für pharmazeutische Wirkstoffe gibt. Wie man GMP Compliance
Inspektionen durchführt, darüber informiert unser Seminar "GMP
Compliance Inspektionen".
Die EMEA "Guidance on the occasions when it is
appropriate for Competent Authorities to conduct inspections at the
premises of Manufacturers of Active Substances used as starting
materials" können Sie lesen wenn Sie hier
klicken.
4) Strukturelle Änderungen zu Annex 18 "GMP für
pharmazeutische Wirkstoffe"
Die Veröffentlichung eines Drafts zum einleitenden Kapitel (Section 1)
von Annex 18 führt zu einer strukturellen
Änderung der Einbindung der GMP für pharmazeutische Wirkstoffe in die
Gesamtdarstellung der GMP Regelwerke in Europa. Die Sektionen 2 bis 20 des
Annex 18 bleiben unverändert. Die EU Kommission betont, dass die
GMP Anforderungen für pharmazeutische Wirkstoffe ebenfalls auch für den Veterinär Bereich Anwendung finden.
Durch diese strukturellen Änderungen wird es zu einer grundlegenden
Änderung des EG-GMP-Leitfadens kommen. Es ist vorgesehen, zukünftig in
einem Part I des EG GMP Guides die grundlegenden
Basis-GMP-Anforderungen festzulegen und den modifizierten Annex 18 in
einen Part II mit Basis-Anforderungen an Wirkstoffe aufzunehmen. Die
weiteren Ergänzenden Leitlinien (Annexe) werden sich dann auf beide Teile
(Part I und Part II) beziehen und müssen hierfür noch
überarbeitet werden. Hierzu wird die EMEA in Kürze ein Concept Papier
veröffentlichen. Damit wird die Bedeutung der GMP Anforderungen für
Wirkstoffe erheblich gestärkt. Klicken Sie hier
um den Text zu lesen.
5) Entwurfsdokument zu Form und Inhalt von Import und GMP
Zertifikaten
Die EU Kommission publiziert einen Entwurf zu "Format
for the Authorisations for manufacturing and import" zur
öffentlichen Kommentierung. Die GMP ad hoc Arbeitsgruppe für den Bereich
GMP Inspektionen bei der EMEA hat erst kürzlich die COMPILATION
OF COMMUNITY PROCEDURES ON INSPECTIONS AND EXCHANGE OF INFORMATION
(eine umfassende Zusammenstellung von Texten, die für alle wichtig sind,
die in ihren Firmen GMP-Inspektionen begleiten) geändert Der zweite
Draft zur öffentlichen Kommentierung betrifft die GMP Zertifikate für
Hersteller.
Heidelberg 09. März 2005 Dr. U. Herber, CONCEPT HEIDELBERG
O. Schmidt, CONCEPT HEIDELBERG
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