Ende 2004 hat die APIC (Active Pharmaceutical Indgredient Committee), das
ist die Sektorgruppe des europäischen Chemieverbandes CEFIC, eine
"Guidance on Qualification of Existing Equipment" herausgegeben.
Die APIC repräsentiert die Interessen der Industrieunternehmen, die
pharmazeutischen Wirkstoffe herstellen.
Die Guidance ist 13 Seiten lang und gliedert sich in 7 Kapitel. Neben
der Vorstellung der Autorengruppe, einer Einführung und Zielsetzung,
sowie den regulatorischen Anforderungen nimmt das Kapitel 5
"Guidance" den meisten Raum ein. Referenzen, ein Glossar und ein
Abkürzungsverzeichnis komplettieren das Dokument.
Als Zielgruppe wird die gesamte Wirkstoffhersteller-Industrie
angesprochen, einschließlich den Herstellern von
Wirkstoffzwischenprodukten und ggf. auch Hersteller von frühen
Wirkstoffstufen.
Das (Haupt-)Kapitel "Guidance" beginnt mit der Thematik
Risiko-Bewertung ("Risk Assessment"). Die Risko-Bewertung wird
als sehr hilfreiches Tool angesehen, das auf alle Arten der Qualifizierung
(Alt-Gebäuden, Alt-Ausrüstung, Alt-Systeme) angewendet werden kann.
Als Techniken zur Risiko-Betrachtung werden HAZOP, FMEA und
"decision trees" erwähnt. Diese Aufzählung ist allerdings als
nicht abschließend gekennzeichnet, so dass auch andere Techniken möglich
sein sollten.
Zur Risiko-Betrachtung von "unit operations" oder Funktionen
sind 6 Fragen aufgelistet, die eine Einschätzung der Kritikalität
hinsichtlich möglicher Qualitätseinbußen u./o. Kreuzkontaminationen
geben.
Wenn einer dieser 6 Fragen mit ja beantwortet wird, ist die
entsprechende Funktion GMP-relevant. Danach soll während der
Risiko-Betrachtung die Wahrscheinlichkeit des Auftretens und die
Entdeckbarkeit des Fehlers bewertet werden sowie Maßnahmen zur
Risikominimierung identifiziert werden.
Ferner ist ein Beispiel einer technischen GMP-Risikobetrachtung
aufgeführt.
Ein 10 Punkteprogramm führt durch die eigentlichen
Qualifizierungsaktivitäten:
- Sammeln von Fließdiagrammen und Matrices als Übersichts- und
Monitoringtool
- Verweis auf eine Durchführungsmatrix, die Beispiele für
Tätigkeiten, im Rahmen von Qualifizierungen und zur Dokumentation
gibt.
- Erstellung eines Validierungsmasterplans (VMP) u./o
Qualifizierungsplans
- Sammeln, bewerten und aktualisieren der Anlagendokumentation. Zur
Hilfestellung wird eine Beispiel-Dokumentationsmatrix empfohlen. Mit
dieser lässt sich sehr schnell die Notwendigkeit und Verfügbarkeit
der entsprechenden Dokumente (z. B. Lastenheft, Wartungsprotokolle...)
sowie deren Nummerierung eruieren.
- Risk-Assessment zur Identifizierung der notwendigen
Qualifzierungsaktivitäten.
- Erstellung einer Qualification Matrix für die IQ (Ein Beispiel ist
angegeben)
- Aktualisierung der IQ-Dokumente entsprechend den tatsächlichen
Bedingungen vor Ort.
- Erstellung einer weiteren Qualifizierungsmatrix für die OQ und PQ,
um die notwendigen Tätigkeiten identifizieren zu können. (Auch
hierzu ist ein Beispiel angegeben).
- Durchführung der OQ und PQ
- "Ongoing Change Management" nachdem die Ausrüstung als
qualifziert freigegeben wurde.
Ein Fließdiagramm verdeutlicht nochmals das 10 Punkte-Programm.
Fazit: Das Dokument ist sehr praxisnah geschrieben. Durch die vielen
Beispiele wird die Thematik der Altanlagenqualifizierung sehr transparent
erläutert. Etwas überraschend ist der
relativ späte Einsatz der Risikoanalyse erst unter Punkt 5 innerhalb des
10-Punkte Programms. Im entsprechenden Fließdiagramm steht die
Risikoanalyse allerdings - sinnvollerweise - gleich nach dem
Validierungsmasterplan an zweiter Stelle. Eine kleine Inkonsistenz, die
die Qualität des Dokuments nicht wirklich schmälert.
Im Rahmen unserer Veranstaltung "cGMP
bei der Altanlagenqualifizierung in der Wirkstoffproduktion", 15.
März 2005 in Mannheim, gehen wir auf die APIC-Guidance dezidiert ein.
Selbstverständlich erhält jeder Teilnehmer der Veranstaltung die
Guidance im Rahmen der Veranstaltungsdokumentation.