Nach Abschluss der Auswertung der FDA Warning Letters an
Arzneimittelhersteller im Fiskaljahr 2004 (Oktober 2003 bis September
2004) bietet sich ein überraschendes Bild. Gegen den § 211.67 des Code
of Federal Regulations (21 CFR) wurde sehr häufig verstoßen. In 18
Warning Letters (von insgesamt 33 zu Part 211) sind Mängel zu
"Equipment cleaning and maintenance" – das ist der Titel
des § 211.67 – verzeichnet. Im vorherigen Fiskaljahr lag die Häufigkeit der Zitate noch bei 8 von
insgesamt 46 Warning Letters zu Part 211 (Drugs). Damit liegt dieser Paragraf an Platz zwei
der Hitliste der zehn häufigsten Warning Letters-Zitate, nur knapp unter
§ 211.100 (Written procedures; deviations), der in insgesamt 19 Warning Letters zitiert wird. Zu diesem Paragrafen werden stets die
meisten Verstöße gefunden, da sich mangelhafte GMP-Compliance in der
Regel in diesem Bereich offenbart.
Die Zusammenstellung offenbart noch weitere überraschende Befunde: "Control
of microbiological contamination" wurde in 11 (!) Warning Letters
zitiert – im Vor(Fiskal-)jahr tauchte dieser Mangel nur in einem Warning
Letter auf. Auch mangelhafte "Stability Testing" wird
häufig angemahnt – insgesamt in 17 Warning Letters gegenüber 9 im FY
2003.
Die folgende Übersicht zeigt die zehn häufigsten Mängel, die in den
an Arzneimittelhersteller gerichteten Warning Letters des Fiskaljahres
2004 gefunden wurden (zum Vergleich s.a. unsere GMP-News vom 28. Juni
2004):
Seit ca. drei Jahren geht die FDA bei ihren Inspektionen
systemorientiert vor, d.h. ein Arzneimittel herstellender Betrieb wird in
folgende 6 Systeme eingeteilt:
Quality System
Facilities and Equipment System
Materials System
Production System
Packaging and Labeling System
Laboratory Control System
Die Zuordnung dieser Systeme zu den Kapiteln des 21 CFR 211 ist im
COMPLIANCE PROGRAM GUIDANCE MANUAL festgelegt, das die FDA am 1. Februar
2002 veröffentlicht hat. Dieses lesenswerte Dokument richtet sich an die
Inspektoren und enthält Instruktionen, wie die systemorientierte
Betrachtungsweise in der Inspektionspraxis vor Ort anzuwenden ist.
In der folgenden tabellarischen Zusammenstellung der zehn häufigsten
Mängel ist diese Zuordnung zu den jeweiligen Systemen angegeben:
CFR-Paragraf
Genaue Bezeichnung
Anzahl der Zitate (Anzahl
Zitate im FY 03)
System
211.100
Written procedures; deviations
Subpart F – Production and Process Controls
19 (25)
Quality System
211.67
Equipment cleaning and maintenance
Subpart D – Equipment
18 (8)
Facilities and Equipment System
211.22
Responsibilities of quality control unit
Subpart B – Organization and Personnel
17 (18)
Quality System
211.166
Stability Testing
Subpart I – Laboratory Controls
17 (9)
Laboratory Control System
211.192
Production record review
Subpart J – Records and Reports
15 (18)
Quality System
211.160
General requirements
Subpart I – Laboratory Controls
13 (16)
Quality System + Laboratory Control System
211.165
Testing and release for distribution
Subpart I – Laboratory Controls
13 (24)
Quality System + Laboratory Control System
211.113
Control of microbiological contamination
Subpart F – Production and Process Controls
11 (1)
Production System
211.84
Testing and approval or rejection of components, drug product
containers, and closures
Subpart E – Control of Components and Drug Product Containers
and Closures
10 (15)
Materials System
211.188
Batch production and control records
Subpart J – Records and Reports
9 (17)
Production System
211.186
Master production and control records
Subpart J – Records and Reports
8 (11)
Production System
211.25
Personnel qualifications
Subpart B – Organization and Personnel
7 (14)
Quality System
211.42
Design and Construction Features
Subpart C – Buildings and Facilities
7 (3)
Facilities and Equipment System
Diese Tabelle zeigt bei näherer Betrachtung auch eines ganz deutlich:
die Zahl der Warning Letters zu Drugs insgesamt nimmt ab. In exakten
Zahlen ausgedrückt sieht dieser Trend über die letzten drei Fiskaljahre
(FY) folgendermaßen aus:
FY 2002: 77 Warning Letters
FY 2003 46 Warning Letters
FY 2004 33 Warning Letters
Es wäre jedoch verfehlt, daraus den Schluss zu ziehen, die FDA sei
generell "gnädiger" in ihrer Einschätzung der GMP-Mängel
geworden. Eher das Gegenteil ist der Fall. Seit März 2003 durchlaufen
alle Warning Letters zunächst einen zentralen Review durch das CDER
(Center of Drug Evaluation and Research) bevor sie an die Firmen versendet
werden. Dort erhalten Sie sozusagen den "letzten Schliff". Beim
Lesen der Warning Letters fällt daher sofort auf, dass sie von wesentlich
höherer Qualität sind was die Referenzierung der GMP-Verstöße in Bezug
auf die "Predicate Rule" also den Part 211 des CFR sowie die
Schärfe und Klarheit der Formulierung angeht, als diejenigen aus den
vorherigen Jahren. Ein ausgestellter Warning Letter wiegt in seiner
Bedeutung jetzt noch schwerer als früher und ist juristisch praktisch
nicht mehr anfechtbar.
Insgesamt ist die FDA in punkto Warning Letters sehr viel effizienter
geworden. Wie sagte doch der Deputy Commissioner Lester Crawford auf der
GMP-Konferenz in Athens 2003 über die Versandpraxis der Warning Letters: "We
no longer intend to just send them like we send Christmas cards."
Interessant ist auch der Anteil der Warning Letters, der an Firmen
außerhalb der USA ausgestellt wurde. Hier ist ein Anstieg zu beobachten. Bei den Arzneimittelherstellern
waren das immerhin 3 Firmen (von 33 WLs insgesamt im FY 2004): in
Österreich, in der Schweiz und in Frankreich. Der Löwenanteil der
Warning Letters an "foreign companies" richtete sich allerdings
an die Medical Device-Hersteller in folgenden Ländern:
Bei der Warning-Letter-Auswertung werden jedoch ausschließlich Warning
Letters aus dem Bereich Drugs, Biologics und APIs berücksichtigt. Wirkstoffhersteller außerhalb der USA erhielten ebenfalls Warning
Letters und zwar in den Ländern:
Tschechien (1 Firma)
China (2 Firmen)
Die hier vorgestellten Analysen sind Teil einer umfassenden
Datensammlung und Auswertung der Warning Letters der letzten drei
Fiskaljahre.
Die Detailauswertung erhalten Sie kostenfrei in Form der CD "FDA
Navigator" beim Besuch des Seminars
Informieren Sie sich umfassend über die neuesten Entwicklungen und
Trends.
Autor:
Dr. Gerhard Becker
CONCEPT HEIDELBERG
P.S. Wenn Sie im Datenbestand der Warning Letters nach speziellen
Fragestellungen suchen möchten, so können Sie dies auf dieser Website
unter dem Menüpunkt "Search" (siehe gelbe Leiste oben) tun.
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