Zu Beginn des Jahres 1996 erschien das
Dokument PH 1/96 "Principles of Qualification and Validation in Pharmaceutical
Manuacture" der Pharmazeutischen-Inspektions-Convention (PIC). Erstmals wurden mit
diesem Dokument definierte Angaben für den Produktionsbereich zu den Themen:
- Validierungs-Master-Plan
- Installation und Operational Qualification
- Nichtsterile Prozessvalidierung
- Reinigungsvalidierung
vorgegeben.
Dieses Dokument sollte zwei Jahre "erprobt" werden und
dann aufgrund der Probephase überarbeitet werden.
Bis hierhin sind das wahrscheinlich noch keine Neuigkeiten.
Aber, daß das Dokument PH 1/96 schon seit März 1999 als
überarbeitetes Dokument mit dem Namen PIC/S PR 1/99-1 gültig ist und zudem
die Basis für eine 15. ergänzende Leitlinie zum EG-GMP-Leitfaden werden wird,
könnte eventuell schon neu sein. Mit einem Entwurf für diese 15. ergänzende Leitlinie,
die GMP-Anforderungen an Qualifizierungen und Validierungen stellen wird, ist zum Ende des
Jahres zu rechnen.
In der Einleitung wird deutlich darauf hingewiesen, daß das
Dokument PR 1/99-1 als Leitlinie für Inspektoren verfaßt wurde aber auch von der pharmazeutischen
Industrie und der Wirkstoffproduktion verwendet werden soll. Insbesondere das
Kapitel Reinigungvalidierung wurde dahingehend modifiziert, dass auch Bezug auf die
Wirkstoffherstellung genommen wurde.
Und was gibt es Neues von der FDA?
Immer noch im Raum stehen die geplanten Änderungen (Proposed Amendment of Certain
Requirements for Finished Pharmaceuticals vom 3. May 1996) des Code of Federal Regulations
(CFR). Unter den Paragraphen 210.3, 211.22, 211.220, und 211.222 sind Definitionen zum
Thema Validierung, Verantwortlichkeiten bezüglich Validierung, Angaben zu Umfang und
Dokumentation von Validierungen und zur Methodenvalidierung vorgesehen. Im eigenständige
Unterkapitel "Process Validation" werden sehr allgemein Art und Umfang von
Validierungen beschrieben. Ziel ist es u.a. zu erreichen, daß alle Hersteller gleiche
Standards anwenden. Zur weiteren Absicherung, daß Validierungen auf dem "aktuellen
Stand" sind, soll der Hersteller verpflichtet werden, einen oder mehrere Mitarbeiter
zu benennen, denen die Verantwortung und Zuständigkeit erteilt wurde, für das
Unternehmen u.a. Prozess- und Methodenvaliderungen durchzuführen. Über das genaue Datum
des Inkrafttretens dieser geplanten Änderungen gibt es allerdings noch keine
Informationen.
Neu ist allerdings ein Entwurf einer Guidance zur
Prozessvalidierung im Bereich der Medizinprodukte. Dieser sehr umfangreiche Entwurf
(36 Seiten) beinhaltet im Annex auch Beispiele für Qualifizierungsreports.
Neben einer allgemeinen Einleitung (Kapitel 1) und der Beschreibung
der Rationale für die Prozessvalidierung (Kapitel 2) werden im 3. Kapitel Definitionen
festgelegt. Hier hält die FDA - wie auch in der immer noch gültigen "Guideline on
General Principles of Process Validation" vom Mai 1987 - an der Performance
Qualification fest und sieht sie nicht gleichbedeutend mit der Prozessvalidierung
an, wie es das PIC/S-Dokument PR 1/99-1 tut.
In Kapitel 4 gibt ein "process validation decision tree"
Hilfestellung, ob ein Prozess validierungsrelevant ist. Besonders erwähnt wird in diesem
Kapitel auch die Notwendigkeit der Validierung von Software, sofern sie am
Herstellungsprozess oder an einem Testprozess beteiligt ist.
Sehr ausführlich wird in Kapitel 5 beschrieben, welche Methoden und
Hilfsmittel Teil einer Validierung sein können. Insbesondere wird auf Kontrollkarten und
Prozessfähigkeitsindices (Cpk-Werte) sowie auf "Failure Mode and Effects
Analysis" (FMEA) und Fehlerbaumanalysen ("Fault Tree Analysis",
FTA) eingegangen. Überhaupt wird im FDA-Draft den statistischen Hilsfmitteln zur
Risikoanalyse als Beginn einer Validierung ein großes Gewicht beigemessen.
Anmerkung: Interessanterweisse sieht das PIC/S-Dokument PR 1/99-1
ebenfalls die Möglichkeit, Prozessfähigkeitsindices im Rahmen von Validierungen
einzusetzen.
Im 6. Kapitel wird der Master Validation Plan sowohl als
zeitliches wie auch organisatorisches Planungsinstrument direkt angesprochen. Welche
Inhalte "Validation Protocols" und die Qualifizierungsstufen IQ, OQ und PQ
beinhalten sollen, wird ebenfalls relativ ausführlich dargestellt. Eine kurze Checkliste
zum "Rewiew" von Validierungsaktivivitäten rundet dieses Kapitel 6 ab.
Im Rahmen des 7. Kapitels geht der FDA-Entwurf auf das Thema
Revalidierung ein und beschreibt u.a. auch wann Revalidierungen notwendig sind. Die
Revalidierungen müssen nicht den gleichen Aufwand wie die Erstvalidierung umfassen
sondern sollen situationsbezogen durchgeführt werden. Wesentlich wichtiger als die
periodische Revalidierung sieht das Dokument ein geeignetes Monitoring vor, so daß
sich entwickelnde Probleme oder auch Änderungen schnell erkannt und ggf. eine
Revalidierung durchgeführt werden kann.
Immer noch beschrieben wird die retrospektive Prozessvalidierung
(Kapitel 8). Bei ihr ist wichtig, daß die notwendigen Vorgaben (stabiler Prozess ohne
Änderungen) eingehalten werden und eine adäquate Dokumentation erfolgt. Das
heißt auch retrospektive Validierungen sollen wie alle anderen Validierungen
schriftlich geplant und in einem Bericht zusammengefasst werden.
In der Zusammenfassung (Kapitel 9) wird darauf hingewiesen, daß die
"Guidance" als "everyday tool" zu verstehen ist und deshalb sehr
umfangreiche Beispiele (16 Seiten) für IQ-, OQ-, PQ-Berichte im Annex zu finden sind.
Kommentar:
Obwohl z.Z. nur als Entwurf vorliegend und auf die Validierung von Medizinprodukten
ausgerichtet, ist die "Guidance" sehr lesenswert, um Trends im Bereich von
Validierungen bei der FDA kennen zu lernen. Zumal viele der in diesem Dokument
aufgeführten Forderungen auch auf Arzneimittel übertragbar sind.
Um den aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen, hat CONCEPT
HEIDELBERG deshalb das Good Validation Practices Programm nochmals aktualisiert
und eine Veranstaltung mit dem Titel Risikoanalyse die Grundlage einer
erfolgreichen Validierung! zum 6./7.Oktober 1999 in Mannheim organisiert.
Quellen:
ECA-Veranstaltung European Validation Conference and Postconference-Workshop 5. - 7. May,
1999, Berlin