Der "EG-Leitfaden einer Guten Herstellungspraxis für
Arzneimittel" ist am 1. Januar 1992 in Kraft getreten und zum 1. Januar
bzw. 1. Juli 1993 sind auch die meisten der Ergänzenden Leitlinien in Kraft
gesetzt worden. Seither wurden einige der Ergänzenden Leitlinien revidiert
und einige neue Ergänzende Leitlinien wurden im Laufe der Zeit
hinzugefügt.
Ganz neu, und zum ersten Mal geplant, ist jetzt eine Ergänzung der
bisherigen 9 Kapitel des eigentlichen EG-GMP-Leitfadens.
Die Europäische Kommission hat am 15. Dezember 2003 zwei Ergänzungen
zum EG-GMP-Leitfaden vorgeschlagen:
- Im Kapitel 1 ein neuer Unterpunkt 1.5 mit dem Titel: "Product
Quality Review"
- Im Kapitel 6 die neuen Unterpunkte 6.23 bis 6.33 mit der Überschrift
"Ongoing Stability"
Kommentare können zu beiden Vorschlägen bis zum Juni 2004 eingereicht
werden.
Welches sind die wichtigsten Inhalte dieser beiden Vorschläge?
1. Product Quality Review (Überprüfung der
Produktqualität)
Hier wird zukünftig eine regelmäßige, jährliche Überprüfung der
Qualität aller hergestellten Chargen eines Arzneimittels gefordert mit dem
Ziel, die Beständigkeit eines (Herstellungs-) Prozesses zu verifizieren und
mögliche Trends festzustellen. Es wird detailliert aufgeführt, welche
Punkte hierbei zu überprüfen sind.
Solch eine regelmäßige Qualitätsbewertung aller Produkte wird von der FDA
schon lange gefordert (21 CFR Part 211.180(e)) und wurde auch für die
Herstellung von Wirkstoffen im ICH Dokument Q7A aufgenommen. Hier erfolgt
also eine Anpassung an bereits bestehende Vorgehensweisen, die hiermit jetzt
auch für Arzneimittel in Europa fest vorschrieben werden sollen.
Der Product Quality Review bzw. Annual Product Review ist ebenso wie
Trending und viele weitere Themen Gegenstand des in Wien am 21.-23. April
2004 stattfindenden 3-Tage-Intensivseminars "FDA
and EU-GMP Compliance in Quality Assurance Units".
Den Entwurf der EG-Kommission zum Product Quality Review finden Sie hier.
2. Ongoing Stability
Nachdem ein Arzneimittel auf den Markt gebracht wurde, soll durch ein
kontinuierliches Programm die Stabilität eines Produktes über die gesamte
Laufzeit regelmäßig überprüft werden (Monitoring). Dies betrifft primär
Arzneimittel in den endgültigen Verpackungen. Es wird aber auch kurz
angesprochen, dass Zwischenprodukte (Bulk Product), die lange
zwischengelagert werden, möglicherweise einen Einfluss auf die Stabilität
eines Fertigarzneimittels haben können. Das Ongoing Stabilitätsprogramm
ist nach einem schriftlichen Plan für jedes Arzneimittel, das sich auf dem
Markt befindet, durchzuführen. Pro Dosisstärke und pro Primärpackmittel
soll eine Charge pro Jahr in dieses Stabilitätsprogramm aufgenommen werden.
Bracketing und Matrixing Designs können hierbei angewendet werden. Ongoing
Stabilitätsstudien müssen auch nach jeder signifikanten Änderung (Change)
oder Abweichung (Deviation) des Prozesses durchgeführt werden. Es wird
ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bestätigte "Out of
Specification" – Ergebnisse, die sich bei Ongoing Stability
Untersuchungen zeigen, der zuständigen Behörde mitgeteilt werden müssen.
Solch ein Stabilitätsmonitoring - Programm wird ebenfalls bereits durch
die ICH Guideline Q7A für Wirkstoffe gefordert und auch in den USA war in
einem Entwurf zur Überarbeitung des CFR im Jahre 1996 die Forderung nach
einer jährlichen Überprüfung der Stabilität von Arzneimitteln
aufgenommen worden, allerdings wurde diese Überarbeitung des CFR nie
verabschiedet.
Erstaunlich ist, dass man dem Thema Ongoing Stability innerhalb des
EG-GMP-Leitfadens 1,5 DIN A 4 Seiten mit 11 Unterpunkten widmen will.
Dadurch wird dieses Thema im Gesamtleitfaden sicherlich überbetont. Bei ICH
Q7A hat man diesen Sachverhalt wesentlich kürzer und prägnanter
formuliert.
Möglicherweise führt der Begriff "Ongoing Stability" zu
Irritationen, da er teilweise anders verstanden wird, im Sinne einer
Weiterführung der Stabilitätsprüfungen an den ersten drei (Produktions-)
Chargen. Im Gegensatz hierzu wäre der in der pharm. Industrie weit
verbreitete Begriff "Follow-up Stability" geeigneter, um eine
klare Abgrenzung dieser beiden unterschiedlichen Aktivitäten innerhalb der
Stabilitätsprüfung zu erzielen.
Hochaktuell ist daher unsere Konferenz "Stabilitätsprüfung
in der pharmazeutischen Industrie" am 27./28. Januar in Heidelberg.
Den Entwurf der EG-Kommission zur Ergänzung von Kapitel 6 des
EG-GMP-Leitfadens finden Sie hier.
Autor:
Dr. Günter Brendelberger
CONCEPT HEIDELBERG