| Vom 15.- 17. Juni 1999 organisierte die
European Compliance Acadamy in Zusammenarbeit mit Concept Heidelberg die European
Conference on Computervalidation. Lilian Hamilton von
der schwedischen Überwachungsbehörde gab zunächst einen Überblick über die
existierenden GMP-Anforderungen an Computergestützte Systeme. In Europa definiert die 11.
Ergänzende Leitlinie zum EG-GMP-Leitfaden Anforderungen an computergestützte Systeme.
Außerdem sind Anforderungen in Kapitel 4.9., Anforderungen an die Dokumentation,
aufgeführt. Im September 1998 wurde der PIC/S Draft "Recomandations on
Implementation, Validation and Operation of Computerised Systems" publiziert. Dieser
Draft referiert wiederum auf :
References for Relevant Standards
and GMP Guides/Codes
- GAMP Guide Version 3.0 1998
- PDA Technical Report No 18
- Relevant CFR sections
- ISO Standards
- IEEE Publications
Bei der Vorlage des Draft im Dezember 1998 wurde der Draft,
der zur Kommentierung an die Industrie gehen sollte, zurückgezogen. Derzeit ist,
durch einen Wechsel in der Leitung der PIC Arbeitsgruppe, Tony Trill von der MCA
verantwortlich für die Vorlage eines neuen Drafts. Frau Hamilton stellt dar, daß der
neue PIC-Draft zusätzliche Anforderungen an Electronic Signature und Electronic Records
enthalten wird.
Als Beispiel für kritische EDV-Systeme nannte Frau
Hamilton:
- batch documentation systems
- LIMS
- process applications
- material status control systems
Zwei Forderungen an Computer-Systeme stellte sie besonders
in den Mittelpunkt " Sicherheit", d.h. u.a. physikalische Sicherheit,
Zugriffskontrolle usw. sowie" Handhabung und Instandhaltung" insbesondere
(Change Control, Configurations Management, Systembeschreibungen etc.).Im folgenden
führte Sie die bei MPA - Inspektionen am häufigsten gefundenen Abweichungen auf:
Inspection findings
- No validation performed
- No system description
- System description not complete or updated
- Irrelevant software installed
- Temperature in computer room too high
- Cables not labelled
- Passwords not changed regularly
- No self inspections
- Diskettes not stored or handled properly
- Emergency plan eight years old and not updated
- QC/QA not involved in validation
- Not testet if data can be restored
- Routines in computer room not strict enough
- Protection against fire not sufficient
Den zweiten Beitrag hielt J.A. Norder von der
holländischen GMP - Überwachung. Dabei stellte er nochmals die vorhandenen Guides und
Guidelines dar. Ausdrücklich erwähnte er GAMP und den PDA-Technical Report No. 18. Diese
beiden Industriepapiere sind zwar keine rechtlich zwingenden Vorgaben, aber als
Industriestandard anzusehen, da die Papiere ja von Vertretern der pharmazeutischen
Industrie erstellt wurden. Außerdem nannte er den britischen " TickIT - Scheme and
Guide", der sowohl für Anwender als auch für Lieferanten von EDV-Systemen
interessant ist.
Anschließend stellte er dar, welche Dokumente zur
Computervalidierung ein Inspektor erwartet. Als erstes Dokument nannte er den
Validierungsmasterplan mit allgemeinen Angaben u.a. zu Zeitplan, Verantwortlichkeiten,
Verweisen zu SOP`s, Format der Validierungspläne und Protokolle sowie Akzeptanzkriterien.
Als spezielle Anforderungen nannte er die fünf GAMP Kategorien, die definieren, wie
umfangreich ein spezifisches System zu validieren ist. Dabei werden die Computersysteme in
Abhängigkeit von dem Nutzungsgrad und dem Entwicklungsstand des Systems bewertet.
Zum Beispiel erfordert Kategorie 5 "kundenspezifische
Systeme", d.h. Systeme, die speziell für einen Kunden geschrieben werden, daß diese
Systeme umfassend zu validieren sind und der Softwarehersteller zu auditieren ist.
Nach den zwei Sichtweisen der Inspektoren stellte Herr Dr.
Schumacher von der Firma Asta Medica die Industriestatements zu den internationalen
Computervalidierungsguidelines vor. Er ging ebenfalls auf den GAMP-Guide ein, der gem. der
o.g. Kategorien für die Software der Stufen 4 und 5 ein Audit des Softwarelieferanten
fordert. Die Notwendigkeit dieses Audits wurde anschließend ausgiebig von den anwesenden
Teilnehmern aus Industrie und Behörden diskutiert. Share Audits , d.h.
Gemeinschaftsaudits mehrerer Firmen, können hier sicherlich einen Ausweg darstellen. Herr
Dr. Schumacher ging anschließend auf Altsysteme ein. Der PIC/S/-Draft von 1998 fordert
hier die nachträgliche Erarbeitung von User Requirements. Herr Dr. Schumacher stellte in
Frage, ob diese Forderung einen Nutzen darstellt. Er plädierte daher dafür, daß bei der
Überarbeitung des Drafts dieser Punkt entfallen sollte
Aus den GMP-Trends und dem Gold Sheet zitierte er Findings
von MCA und FDA-Inspektoren die im folgenden genannt sind:
Observations of FDA and MCA during Inspections
- Missing system specification
- Responsibilities not defined
- User training not documented
- No systematic data backup
- Charts of data flow not existing
- No internal audits of the system by QA unit
- No documentation of deviations
Den letzten Vortrag des ersten Tages hielt Dr. J. Gill von
Tanvec, UK, der sich bereits seit 1990 mit Computervalidierung, u.a. als Mitarbeiter von
Zeneca und Novo Nordisk, beschäftigt hat. Er stellte die wichtigsten Dokumente aus dem
Life Cycle Concept vor:
- System Register
- Vendor - Audit Report
- User System Requirements
- Functional specification
- System Test specification (Test der belegt, daß die
Software die functional specification erfüllt)
- Validation Report
Er betonte die Notwendigkeit detaillierter und sehr
ausführlicher User System Requirements, da diese die Grundlage für die weiteren
Validierungsaktivitäten sind und nur so überprüft werden kann, ob das System auch
wirklich das tut, was es soll. Herr Dr. Gill wies darauf hin, daß bei Altsystemen das
Life Cycle Concept nur bedingt anzuwenden ist. Ebenfalls stellte er in Frage, ob
nachträglich erarbeitete User-Requirements wirklich Nutzen bringen.
Den ersten Vortrag am zweiten Tag hielt Herr Nehls von der
Firma Novartis. Er stellte die Techniken, Kriterien und Vorteile von Risikoanalysen dar.
Zum Thema Techniken der Risikoanalyse stellte er dar, daß
die Risikogebiete vier Bereiche umfassen:
- Sicherheit
- Umweltbedingungen
- Schutz der EDV Systeme (z.B. Zugriffsschutz,
Datenintegrität) und natürlich
- Qualität
Er empfahl bei der Risikoanalyse neben der EDV-Abteilung,
den Nutzer (Prozeßexperten), die QA - Abteilung und wenn möglich den Lieferanten des
Systems einzubinden. Jedoch ist darauf zu achten, daß das Team nicht mehr als fünf
Personen umfaßt. Bei den Kriterien der Risikoanalyse führte er aus, daß zunächst die
regulatorischen Anforderungen erfaßt werden müssen, die für eine Funktion existieren
z.B. Electronic Signature oder Zugriffsschutz. Zusätzlich muß die Häufigkeit des
Gebrauches ( 100 mal am Tag oder 1 mal pro Monat) erfaßt werden. Die "Technischen
Risiken" umfassen z. B. Schnittstellen und evtl. ausgeführte Kalkulationen durch das
System.
Anschließend müssen die "Anwenderrisiken" (z.B.
manuelle Dateneingabe notwendig?) erfaßt werden. Nicht zu vergessen sind die beiden
letzten Kriterien für die Risikoanalyse:
- Konsequenz des Fehlers (Fehlerauswirkung im Sinne der
Arzneimittelsicherheit)
- Buisiness-Risiken, d.h. welche Kosten verursacht ein
möglicher Fehler?
Ein weiteres z.Zt. sehr stark diskutiertes Thema wurde von
Herrn Dr. Werling von der Firma Propack data vorgetragen:"Elektronic Signature and
Electronic Records"
Nach 21 CFR Part 11 gibt es lt. Dr. Werling die im
folgenden genannten Anforderungen an Elektronische "Batch-Protokolle". Er
stellte diese Anforderungen dar, indem er die GMP-Anforderungen einer möglichen Umsetzung
gegenüberstellte:
Requirements of a Batch Protocol
According to FDA and EU/PIC
| Requirement |
System-oriented
Concept |
| Exact reproduction of a Master Production
Procedure |
Electronic Form |
For each significant processing step:
- Date and time of activities
- Identification of Equipment, container, Batches of
components
- Batches of in-process material
- Identification of operators, controllers and those
responsible
|
- System generated time stamp
- Barcode-guided collection of objects with direct
transmission into the batch protocol electronic signature
|
Requirements of a Batch Protocol According to FDA and EU/PIC
Requirement |
System-oriented
Concept |
For each significant
processing step (cont.):
- Control results
- In-process controls
- Verification of packaging and labelling
zones
- Checking lables
- Material accounting (current and Theoretical
quantities, unit of Quantities weight
- Information regarding collected random
samples and/or samples
- Recording of special problems
|
- Electronic checklists
- System-supported SOP managment
- Direct download from order data
- on-line connection to scales/periphery
- System supported random sample
identification and management
- Electronic log book, eventually mandatory
comments
|
Anschließend stellte er die zwei Verfahren
zur elektronischen Unterschrift dar:
- Biometrische Verfahren
- Nichtbiometrische Verfahren
Zu den Biometrischen Verfahren zählen u.a.:
a. Fingerabdruck
b. Stimmenerkennung
c. dynamische Unterschrift ( autom. Erkennung durch das EDV System)
d. Augen/Irisidentifizierung) usw.
Häufiger angewendet werden jedoch z.Zt. nichtbiometrische
Verfahren. Dabei sind jedoch zwei Sicherheitsmechanismen notwendig. So z.B. ein logischer
Schlüssel ( Paßwort und Zugriffsberechtigungskonzept) und ein physikalischer Schlüssel,
z.B. Barcode oder Smartcard.
Die Validierung von pharmazeutischen Ausrüstungen und
dabei den besonderen Aspekt der Computervalidierung, stellte Herr Reines von Novatis,
Barcelona dar. Er verdeutlichte, daß man bei der Erarbeitung eines
Validierungsmasterplans schnell zur Erkentnis kommt, dass nahezu bei jeder
Validierungsaktivität auch computergestützte Systeme betrachtet werden müssen.
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Manufacturing Equipment |
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Analytical Equipment |
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Cleaning Procedures |
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Computerised Systems |
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Calibration |
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| Manufacturing Processes |
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Clean Steam Generation |
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Compressed Air |
|
Analytical Methods |
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PW System |
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|
|
HVAC |
|
Daher stellt sich die Frage zur
Vorgehensweise. Es gibt zwei Möglichkeiten:
- Computervalidierung von SPS, PLT etc., ist Teil der
Equipment Qualifizierung, oder
- die computergesteuerten Systeme werden in einem umfassenden
Plan auschl. für diese Systeme betrachtet. Dafür hat sich Novartis in Spanien
entschlossen.
Im Laufe seines Beitrages stellte er anschließend ein
praktisches Beispiel dar. Er ging danach auf die Notwendigkeit der Überprüfung und evtl.
Revalidierung von Computersystemen ein. Zwei Möglichkeiten gibt es hierzu:
- Zeitabhängige Überprüfung des Systems
- Ereignisabhängige Überprüfung
Die Ereignisabhängige Überprüfung wird durch ein
geeignetes Change Control System gesteuert, das evaluiert, wie umfangreich der Eingriff in
den Prozeß und/oder das System ist. Auf Basis dieser Daten wird eine Entscheidung über
die Notwendigkeit einer Revalidierung getroffen.
Herr Dr. Schumacher von Asta Medica berichtete
anschließend von der Validierung eines Lagerverwaltungssystems. Er betonte zu Beginn
seines Vortrages die Vorteile eines Vendor-Audits. Dabei ist es aber unbedingt notwendig,
sämtliche Schritte eines solchen Audits gewissenhaft zu planen, durchzuführen und, nicht
zu vergessen, auch zu dokumentieren. Die folgenden sieben Punkte nannte er als
Voraussetzung:
Vendor Audit
- Select audit team ( IT, QA, User)
- Generate specific Checklist (Contains target, scope,
detailed questions)
- Ask for audit, submit Checklist to auditee
- Carry out audit
- Write audit report with follow - up activities
- Evaluate response of auditee
- Make contract with supplier
Bei einer systematischen Analyse der vorhandenen
QS-Maßnahmen kann man, eine gute Dokumentation bei den Lieferanten vorausgesetzt, viele
Dokumente identifizieren, die als Bestandteil der Validierung genutzt werden können. Er
stellte dar, daß die ISO 9000 oder Tick IT-Zertifizierung des Lieferanten nicht mit der
Validierung gleichzusetzen ist, aber:
- Es ist zumindestens ein Hinweis auf eine zuverlässige
Dokumentation und
- Die Zertifizierung steigert das Vertrauen in den Lieferanten
(Einhaltung der zugesicherten Eigenschaften)
Eine kritische Frage ist, ob mit sog. "
Dummy-Chargen" oder mit " echten " Produkten getestet werden sollte. Aus
Sicherheitsgründen hat man sich bei diesem System für "Dummy-Chargen" (leere
Flaschen) entschlossen.
Herr Wright stellte anschließend ausführlich den
GAMP-Guide dar. Grund für die Entwicklung durch eine Gruppe von Firmenvertretern und MCA
- Inspektoren waren erhebliche Verluste, die verschiedene Firmen dadurch erlitten, daß
die FDA kein Vertrauen in die Validierung der Systeme hatte, es aber zeitgleich keine
exakten Hinweise zur Umsetzung gab. Er stellte die nach GAMP wesentlichen Dokumente aus
dem V-Modell für die Computervalidierung vor, im einzelnen sind dies:
- User Requements Specification
- Functional Specification
- Hardware Design Specification
- Software Design Specification
- Software Module Design Specification
- Application Software Production
- Software Module Test Specification
- Software Integration Test Specification
- Hardware Acceptance Test Specification
- System Acceptance Test Specification
Herr Wright stellte heraus, daß GAMP kein Standard sondern
eine Guideline ist. Die Vorteile sind seiner Ansicht nach u.a. geringere
Validierungskosten durch das bessere Managment der Validierungsaktivitäten, sowie die
weite Akzeptanz. Nicht nur die MCA - Inspektoren; auch die FDA hat GAMP bereits mehrfach
kommentiert. Nach diesen positiven Erfahrungen soll auch bis 2001 an einer Version 4.0
gearbeitet werden.
Dr. Gill von der Firma Tanvec hielt anschließend den
Vortrag . "Computer Validation: A value added Process". Nach seiner Auffassung
ist die Testphase wahrscheinlich der kostenintensivste Part der Validierung. Als Gründe
dafür können beispielhaft genannt werden.
- Die Tests wurden bei der Inbetriebnahme, Computervalidierung
und der Equipment Validierung (z.B. SPS - Steuerungen) wiederholt.
- Schlechte Dokumentation führt in der Regel zu schlechter
Testdurchführung
- Es werden zuviele Daten aufgenommen, die für die
Validierung gar nicht benötigt werden.
- Die Genehmigungsliste ist so umfangreich, das eine
Abstimmung sehr zeit- und damit kostenintensiv ist.
Diese und eine Reihe anderer Gründe machen deutlich, daß
eine umfassenden Planung wie z.B in GAMP definiert, notwendig ist, da ansonsten
Aktivitäten ausgeführt werden, die nicht sinnvoll und notwendig sind.
Die Konferenz verdeutlicht, daß der Aufwand an die
Validierung von EDV - Systemen enorm ist. Die Anforderungen steigen und ein Ende, selbst
bei der Validierung von Altsystemen, ist nicht abzusehen.
Autor: Oliver Schmidt, Concept Heidelberg |