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GMP-News Nr. 37
1. Juli 1999


Konferenzbericht
European Conference on Computervalidation

Vom 15.- 17. Juni 1999 organisierte die European Compliance Acadamy in Zusammenarbeit mit Concept Heidelberg die European Conference on Computervalidation.

Lilian Hamilton von der schwedischen Überwachungsbehörde gab zunächst einen Überblick über die existierenden GMP-Anforderungen an Computergestützte Systeme. In Europa definiert die 11. Ergänzende Leitlinie zum EG-GMP-Leitfaden Anforderungen an computergestützte Systeme. Außerdem sind Anforderungen in Kapitel 4.9., Anforderungen an die Dokumentation, aufgeführt. Im September 1998 wurde der PIC/S Draft "Recomandations on Implementation, Validation and Operation of Computerised Systems" publiziert. Dieser Draft referiert wiederum auf :

References for Relevant Standards and GMP Guides/Codes

  • GAMP Guide Version 3.0 1998
  • PDA Technical Report No 18
  • Relevant CFR sections
  • ISO Standards
  • IEEE Publications

Bei der Vorlage des Draft im Dezember 1998 wurde der Draft, der zur Kommentierung an die Industrie gehen sollte, zurückgezogen. Derzeit ist,  durch einen Wechsel in der Leitung der PIC Arbeitsgruppe, Tony Trill von der MCA verantwortlich für die Vorlage eines neuen Drafts. Frau Hamilton stellt dar, daß der neue PIC-Draft zusätzliche Anforderungen an Electronic Signature und Electronic Records enthalten wird.

Als Beispiel für kritische EDV-Systeme nannte Frau Hamilton:

  • batch documentation systems
  • LIMS
  • process applications
  • material status control systems

Zwei Forderungen an Computer-Systeme stellte sie besonders in den Mittelpunkt " Sicherheit", d.h. u.a. physikalische Sicherheit, Zugriffskontrolle usw. sowie" Handhabung und Instandhaltung" insbesondere (Change Control, Configurations Management, Systembeschreibungen etc.).Im folgenden führte Sie die bei MPA - Inspektionen am häufigsten gefundenen Abweichungen auf:

Inspection findings

  • No validation performed
  • No system description
  • System description not complete or updated
  • Irrelevant software installed
  • Temperature in computer room too high
  • Cables not labelled
  • Passwords not changed regularly
  • No self inspections
  • Diskettes not stored or handled properly
  • Emergency plan eight years old and not updated
  • QC/QA not involved in validation
  • Not testet if data can be restored
  • Routines in computer room not strict enough
  • Protection against fire not sufficient

Den zweiten Beitrag hielt J.A. Norder von der holländischen GMP - Überwachung. Dabei stellte er nochmals die vorhandenen Guides und Guidelines dar. Ausdrücklich erwähnte er GAMP und den PDA-Technical Report No. 18. Diese beiden Industriepapiere sind zwar keine rechtlich zwingenden Vorgaben, aber als Industriestandard anzusehen, da die Papiere ja von Vertretern der pharmazeutischen Industrie erstellt wurden. Außerdem nannte er den britischen " TickIT - Scheme and Guide", der sowohl für Anwender als auch für Lieferanten von EDV-Systemen interessant ist.

Anschließend stellte er dar, welche Dokumente zur Computervalidierung ein Inspektor erwartet. Als erstes Dokument nannte er den Validierungsmasterplan mit allgemeinen Angaben u.a. zu Zeitplan, Verantwortlichkeiten, Verweisen zu SOP`s, Format der Validierungspläne und Protokolle sowie Akzeptanzkriterien. Als spezielle Anforderungen nannte er die fünf GAMP Kategorien, die definieren, wie umfangreich ein spezifisches System zu validieren ist. Dabei werden die Computersysteme in Abhängigkeit von dem Nutzungsgrad und dem Entwicklungsstand des Systems bewertet.

Zum Beispiel erfordert Kategorie 5 "kundenspezifische Systeme", d.h. Systeme, die speziell für einen Kunden geschrieben werden, daß diese Systeme umfassend zu validieren sind und der Softwarehersteller zu auditieren ist.

Nach den zwei Sichtweisen der Inspektoren stellte Herr Dr. Schumacher von der Firma Asta Medica die Industriestatements zu den internationalen Computervalidierungsguidelines vor. Er ging ebenfalls auf den GAMP-Guide ein, der gem. der o.g. Kategorien für die Software der Stufen 4 und 5 ein Audit des Softwarelieferanten fordert. Die Notwendigkeit dieses Audits wurde anschließend ausgiebig von den anwesenden Teilnehmern aus Industrie und Behörden diskutiert. Share Audits , d.h. Gemeinschaftsaudits mehrerer Firmen, können hier sicherlich einen Ausweg darstellen. Herr Dr. Schumacher ging anschließend auf Altsysteme ein. Der PIC/S/-Draft von 1998 fordert hier die nachträgliche Erarbeitung von User Requirements. Herr Dr. Schumacher stellte in Frage, ob diese Forderung einen Nutzen darstellt. Er plädierte daher dafür, daß bei der Überarbeitung des Drafts dieser Punkt entfallen sollte

Aus den GMP-Trends und dem Gold Sheet zitierte er Findings von MCA und FDA-Inspektoren die im folgenden genannt sind:

Observations of FDA and MCA during Inspections

  • Missing system specification
  • Responsibilities not defined
  • User training not documented
  • No systematic data backup
  • Charts of data flow not existing
  • No internal audits of the system by QA unit
  • No documentation of deviations

Den letzten Vortrag des ersten Tages hielt Dr. J. Gill von Tanvec, UK, der sich bereits seit 1990 mit Computervalidierung, u.a. als Mitarbeiter von Zeneca und Novo Nordisk, beschäftigt hat. Er stellte die wichtigsten Dokumente aus dem Life Cycle Concept vor:

  • System Register
  • Vendor - Audit Report
  • User System Requirements
  • Functional specification
  • System Test specification (Test der belegt, daß die Software die functional specification erfüllt)
  • Validation Report

Er betonte die Notwendigkeit detaillierter und sehr ausführlicher User System Requirements, da diese die Grundlage für die weiteren Validierungsaktivitäten sind und nur so überprüft werden kann, ob das System auch wirklich das tut, was es soll. Herr Dr. Gill wies darauf hin, daß bei Altsystemen das Life Cycle Concept nur bedingt anzuwenden ist. Ebenfalls stellte er in Frage, ob nachträglich erarbeitete User-Requirements wirklich Nutzen bringen.

Den ersten Vortrag am zweiten Tag hielt Herr Nehls von der Firma Novartis. Er stellte die Techniken, Kriterien und Vorteile von Risikoanalysen dar.

Zum Thema Techniken der Risikoanalyse stellte er dar, daß die Risikogebiete vier Bereiche umfassen:

  • Sicherheit
  • Umweltbedingungen
  • Schutz der EDV Systeme (z.B. Zugriffsschutz, Datenintegrität) und natürlich
  • Qualität

Er empfahl bei der Risikoanalyse neben der EDV-Abteilung, den Nutzer (Prozeßexperten), die QA - Abteilung und wenn möglich den Lieferanten des Systems einzubinden. Jedoch ist darauf zu achten, daß das Team nicht mehr als fünf Personen umfaßt. Bei den Kriterien der Risikoanalyse führte er aus, daß zunächst die regulatorischen Anforderungen erfaßt werden müssen, die für eine Funktion existieren z.B. Electronic Signature oder Zugriffsschutz. Zusätzlich muß die Häufigkeit des Gebrauches ( 100 mal am Tag oder 1 mal pro Monat) erfaßt werden. Die "Technischen Risiken" umfassen z. B. Schnittstellen und evtl. ausgeführte Kalkulationen durch das System.

Anschließend müssen die "Anwenderrisiken" (z.B. manuelle Dateneingabe notwendig?) erfaßt werden. Nicht zu vergessen sind die beiden letzten Kriterien für die Risikoanalyse:

  1. Konsequenz des Fehlers (Fehlerauswirkung im Sinne der Arzneimittelsicherheit)
  2. Buisiness-Risiken, d.h. welche Kosten verursacht ein möglicher Fehler?

Ein weiteres z.Zt. sehr stark diskutiertes Thema wurde von Herrn Dr. Werling von der Firma Propack data vorgetragen:"Elektronic Signature and Electronic Records"

Nach 21 CFR Part 11 gibt es lt. Dr. Werling die im folgenden genannten Anforderungen an Elektronische "Batch-Protokolle". Er stellte diese Anforderungen dar, indem er die GMP-Anforderungen einer möglichen Umsetzung gegenüberstellte:

Requirements of a Batch Protocol According to FDA and EU/PIC

Requirement System-oriented Concept
Exact reproduction of a Master Production Procedure Electronic Form
For each significant processing step:
  • Date and time of activities
  • Identification of Equipment, container, Batches of components
  • Batches of in-process material
  • Identification of operators, controllers and those responsible
  • System generated time stamp
  • Barcode-guided collection of objects with direct transmission into the batch protocol electronic signature


Requirements of a Batch Protocol According to FDA and EU/PIC

Requirement

System-oriented Concept
For each significant processing step (cont.):
  • Control results
  • In-process controls
  • Verification of packaging and labelling zones
  • Checking lables
  • Material accounting (current and Theoretical quantities, unit of Quantities weight
  • Information regarding collected random samples and/or samples
  • Recording of special problems

 

  • Electronic checklists
  • System-supported SOP managment
  • Direct download from order data
  • on-line connection to scales/periphery
  • System supported random sample identification and management
  • Electronic log book, eventually mandatory comments

Anschließend stellte er die zwei Verfahren zur elektronischen Unterschrift dar:

  • Biometrische Verfahren
  • Nichtbiometrische Verfahren

Zu den Biometrischen Verfahren zählen u.a.:

a. Fingerabdruck
b. Stimmenerkennung
c. dynamische Unterschrift ( autom. Erkennung durch das EDV System)
d. Augen/Irisidentifizierung) usw.

Häufiger angewendet werden jedoch z.Zt. nichtbiometrische Verfahren. Dabei sind jedoch zwei Sicherheitsmechanismen notwendig. So z.B. ein logischer Schlüssel ( Paßwort und Zugriffsberechtigungskonzept) und ein physikalischer Schlüssel, z.B. Barcode oder Smartcard.

Die Validierung von pharmazeutischen Ausrüstungen und dabei den besonderen Aspekt der Computervalidierung, stellte Herr Reines von Novatis, Barcelona dar. Er verdeutlichte, daß man bei der Erarbeitung eines Validierungsmasterplans schnell zur Erkentnis kommt, dass nahezu bei jeder Validierungsaktivität auch computergestützte Systeme betrachtet werden müssen.

Manufacturing Equipment Analytical Equipment
Cleaning Procedures Computerised Systems Calibration
Manufacturing Processes Clean Steam Generation Compressed Air Analytical Methods
PW System HVAC

Daher stellt sich die Frage zur Vorgehensweise. Es gibt zwei Möglichkeiten:

  1. Computervalidierung von SPS, PLT etc., ist Teil der Equipment Qualifizierung, oder
  2. die computergesteuerten Systeme werden in einem umfassenden Plan auschl. für diese Systeme betrachtet. Dafür hat sich Novartis in Spanien entschlossen.

Im Laufe seines Beitrages stellte er anschließend ein praktisches Beispiel dar. Er ging danach auf die Notwendigkeit der Überprüfung und evtl. Revalidierung von Computersystemen ein. Zwei Möglichkeiten gibt es hierzu:

  1. Zeitabhängige Überprüfung des Systems
  2. Ereignisabhängige Überprüfung

Die Ereignisabhängige Überprüfung wird durch ein geeignetes Change Control System gesteuert, das evaluiert, wie umfangreich der Eingriff in den Prozeß und/oder das System ist. Auf Basis dieser Daten wird eine Entscheidung über die Notwendigkeit einer Revalidierung getroffen.

Herr Dr. Schumacher von Asta Medica berichtete anschließend von der Validierung eines Lagerverwaltungssystems. Er betonte zu Beginn seines Vortrages die Vorteile eines Vendor-Audits. Dabei ist es aber unbedingt notwendig, sämtliche Schritte eines solchen Audits gewissenhaft zu planen, durchzuführen und, nicht zu vergessen, auch zu dokumentieren. Die folgenden sieben Punkte nannte er als Voraussetzung:

Vendor Audit

  1. Select audit team ( IT, QA, User)
  2. Generate specific Checklist (Contains target, scope, detailed questions)
  3. Ask for audit, submit Checklist to auditee
  4. Carry out audit
  5. Write audit report with follow - up activities
  6. Evaluate response of auditee
  7. Make contract with supplier

Bei einer systematischen Analyse der vorhandenen QS-Maßnahmen kann man, eine gute Dokumentation bei den Lieferanten vorausgesetzt, viele Dokumente identifizieren, die als Bestandteil der Validierung genutzt werden können. Er stellte dar, daß die ISO 9000 oder Tick IT-Zertifizierung des Lieferanten nicht mit der Validierung gleichzusetzen ist, aber:

  • Es ist zumindestens ein Hinweis auf eine zuverlässige Dokumentation und
  • Die Zertifizierung steigert das Vertrauen in den Lieferanten (Einhaltung der zugesicherten Eigenschaften)

Eine kritische Frage ist, ob mit sog. " Dummy-Chargen" oder mit " echten " Produkten getestet werden sollte. Aus Sicherheitsgründen hat man sich bei diesem System für "Dummy-Chargen" (leere Flaschen) entschlossen.

Herr Wright stellte anschließend ausführlich den GAMP-Guide dar. Grund für die Entwicklung durch eine Gruppe von Firmenvertretern und MCA - Inspektoren waren erhebliche Verluste, die verschiedene Firmen dadurch erlitten, daß die FDA kein Vertrauen in die Validierung der Systeme hatte, es aber zeitgleich keine exakten Hinweise zur Umsetzung gab. Er stellte die nach GAMP wesentlichen Dokumente aus dem V-Modell für die Computervalidierung vor, im einzelnen sind dies:

  • User Requements Specification
  • Functional Specification
  • Hardware Design Specification
  • Software Design Specification
  • Software Module Design Specification
  • Application Software Production
  • Software Module Test Specification
  • Software Integration Test Specification
  • Hardware Acceptance Test Specification
  • System Acceptance Test Specification

Herr Wright stellte heraus, daß GAMP kein Standard sondern eine Guideline ist. Die Vorteile sind seiner Ansicht nach u.a. geringere Validierungskosten durch das bessere Managment der Validierungsaktivitäten, sowie die weite Akzeptanz. Nicht nur die MCA - Inspektoren; auch die FDA hat GAMP bereits mehrfach kommentiert. Nach diesen positiven Erfahrungen soll auch bis 2001 an einer Version 4.0 gearbeitet werden.

Dr. Gill von der Firma Tanvec hielt anschließend den Vortrag . "Computer Validation: A value added Process". Nach seiner Auffassung ist die Testphase wahrscheinlich der kostenintensivste Part der Validierung. Als Gründe dafür können beispielhaft genannt werden.

  1. Die Tests wurden bei der Inbetriebnahme, Computervalidierung und der Equipment Validierung (z.B. SPS - Steuerungen) wiederholt.
  2. Schlechte Dokumentation führt in der Regel zu schlechter Testdurchführung
  3. Es werden zuviele Daten aufgenommen, die für die Validierung gar nicht benötigt werden.
  4. Die Genehmigungsliste ist so umfangreich, das eine Abstimmung sehr zeit- und damit kostenintensiv ist.

Diese und eine Reihe anderer Gründe machen deutlich, daß eine umfassenden Planung wie z.B in GAMP definiert, notwendig ist, da ansonsten Aktivitäten ausgeführt werden, die nicht sinnvoll und notwendig sind.

Die Konferenz verdeutlicht, daß der Aufwand an die Validierung von EDV - Systemen enorm ist. Die Anforderungen steigen und ein Ende, selbst bei der Validierung von Altsystemen, ist nicht abzusehen.

Autor: Oliver Schmidt, Concept Heidelberg