Die genannten Normen werden von Seiten der Behörden in der EU nicht
einheitlich als auf Arzneimittel anwendbar angesehen. Die Argumentation geht dahin,
daß DIN EN 554 und 285 speziell auf poröse Güter abgestimmt sind, die mit mehreren
Zyklen gesättigtem Dampf sterilisiert werden. Diese Bedingungen sind typisch im Bereich
des Krankenhauses und im Medizinproduktebereich.
In der pharmazeutischen Industrie sind diese Bedingungen mit
Ausnahmen (z.B. Kleidung) nicht durchgängig vorhanden.
Die Effektivität der Sterilisationsbedingungen ist während des
"Cycle Development" festgestellt worden. Dies schließt, wenn möglich,
Bioburden-Ergebnisse, Beladungsmuster, Hitzeverteilungsmuster und das Aufzeigen der
Eignung des Prozesses ein.
Für Sterilisations-Zyklen von geschlossenen Gefäßen ist ggf.
nicht unbedingt gesättigter Dampf notwendig.
Der wissenschaftliche Ansatz der vollständigen Entfernung von Luft
wurde kritisch hinterfragt, da im Rahmen von Qualifizierungen und Validierungen die
Beladungsmuster wissenschaftlich begründet vorgegeben werden.
Aufgrund dieser Tatsachen stellt sich die Frage, wie der PDA Letter
schreibt ob alle Forderungen der DIN EN 554 und 285, speziell der tägliche
Penetrationstest, auf pharmazeutische Belange angewandt werden sollten. Dies ging soweit,
daß die Frage gestellt wurde, ob diese Normen überhaupt sinnvoll auf Arzneimittel
angewendet werden können, da sie gezielt für Medizinprodukte entwickelt wurden. Die
Antwort, die von der PDA kommt, lautet "eher nicht", es sei denn es handelt sich
um die Endsterilisation poröser Güter.
Fazit:
Wie schon in der Zeitschrift PROCESS Nr 11/98 beschrieben,
stellen DIN-EN-ISO-Normen unzweifelhaft den Stand von Wissenschaft und Technik dar. Da
aber kein Abgleichsystem zwischen Normen und GMP-Regeln existiert, sollte ihre Anwendung
auf pharmazeutische Belange kritisch hinterfragt werden.
PS. Im Rahmen der Entwicklung von sterilen Arzneimitteln werden auch
die notwendigen Sterilisationsmethoden entwickelt und festgelegt. Hierzu hat die EMEA
(European Agency for the Evaluation of Medicines Products) einen Annex zum "Note for
Guidance on Development Pharmaceutics" (CPMP/QWP/155/96) herausgegeben. Das Dokument
(CPMP/QWP/054/98) beschreibt Entscheidungswege zur Auswahl von Sterilisationsmethoden,
insbesondere wenn keine Endsterilisation möglich ist. Dieses Dokument wird zum 1.
August 1999 gültig werden. Erhältlich ist es über das Internet