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5. August 2003
 

Werden die GMP-Regelwerke weltweit harmonisiert?

 
Die weltweite Harmonisierung der GMP-Anforderungen war lange Zeit undenkbar. Nun scheint dieser Gedanke nicht mehr so abwegig zu sein.

Erstaunlich ist sicher für viele, dass ausgerechnet die FDA eine derartige Initiative anstrebt. Wir haben bereits mehrfach über die FDA-Reform "cGMP for the 21st Century" berichtet. Der eine oder andere mag darin nur einen üblichen Verbesserungsprozess einer Behörde gesehen haben. Welche Auswirkungen diese Initiative hat, wird nun auch den letzten Zweiflern deutlich werden.

Die Initiative, über die wir in unserer News vom 30. August 2002 berichtet haben, wurde etabliert, um eine grundsätzliche Überprüfung bzw. Überarbeitung der nun fast 25 Jahre alten GMP-Regelwerke durchzuführen. Kern dieser Initiative ist der sogenannte Risk-based Approach. Darüber will die FDA sämtliche Aktivitäten, also beispielsweise die Erstellung von Guidelines, aber auch die Durchführung von Inspektionen, koordinieren. Im Sinne der Patientensicherheit sollen nun diejenigen Prozesse, die ein hohes Risiko für den Patienten in sich bergen, intensiver betrachtet werden. Das heißt, dass z. B. die aseptische Fertigung sicher stärker im Brennpunkt der Regelwerke und der Inspektionen stehen wird als eine klassische Feststoffproduktion für ein Generikum.

Diese Initiative sieht die FDA nicht als ein isoliertes Vorhaben. Die FDA will diesen Ansatz auch in die internationale Harmonisierung einbringen. Ziel ist die Harmonisierung von Inspektionen und Regelwerken und damit eine höhere Patientensicherheit bei geringeren Kosten. Die FDA will dazu über die International Conference on Harmonisation (ICH) die GMP-Anforderungen in wichtigen Bereichen harmonisieren. Mit der ICH Q7A gibt es bereits ein GMP-Regelwerk (GMP für Wirkstoffe), das weltweit harmonisiert ist. Die übrigen in der Triade Europa, Japan und USA harmonisierten Regelwerke betreffen vor allem die Zulassung von Arzneimitteln. Die FDA prüft derzeit die Mitgliedschaft bei der PIC/S (Pharmaceutical Inspection Convention Scheme). Vor wenigen Monaten wäre dies noch völlig undenkbar gewesen. Aber die eingeleiteten ersten Schritte sind eindeutig. Aus dem Sitzungsprotokoll des FDA-Meetings zur Vorbereitung auf ICH6 am 24. Juni 2003 stammt die folgende Passage:
   

Frau Showalter, ICH-Koordinatorin der FDA: "Wir werden die Besprechung heute dergestalt durchführen, dass wir einige der wichtigen Themen für das Treffen in Brüssel durchgehen. Einer der bedeutenden Punkte auf der Tagesordnung ist in der Tat der ICH-Teil des GMP-Programms, des Programms für die Arzneimittelqualität oder für GMP für das 21. Jahrhundert."
[...] 
"Als wir uns dazu entschlossen, die GMP-Initiative bei der ICH zur Sprache zu bringen, hatten wir einige Bedenken, ob die ICH der richtige Ort dafür sei. Als wir dort hingingen, dachten wir über die Natur einiger der Themen nach, die wir in der Vergangenheit bei der ICH aufgegriffen hatten, und stellten fest, dass es einige Parallelen zu anderen Themen gab in Bezug auf die Vorgehensweise, die wir möglicherweise für dieses Thema wählen würden."
[...] 
"Eine der anderen Stellen, die immer wieder erwähnt werden - wir haben darüber bei unserer Zusammenkunft im Februar diskutiert - ist die PIC/S. Wir prüfen derzeit, ob dieses Gremium für eine weitergehende regulatorische Zusammenarbeit bezüglich dieses Themas in Frage kommt."

 
Die FDA hat den von Frau Showalter ausgeführten Vorschlag bereits beim Vorbereitungsmeeting in Brüssel für die kommende ICH6-Konferenz ihren Ansatz eingebracht und ist dort auf offene Ohren gestoßen. In dem Sitzungsprotokoll des ICH-Meetings vom 15. bis 18. Juli heißt es:
  

Der Lenkungsausschuss war erfreut über das positive Ergebnis eines Brainstorming-Workshops zu Initiativen für eine risiko-basierte Herangehensweise an die Arzneimittelqualität. Bei dieser Sitzung waren mehr als 60 designierte Experten der sechs ICH-Parteien, -Beobachter und externen Gruppen anwesend. Die Workshop-Diskussion führte zu einer allgemeinen Übereinkunft über eine anspruchsvolle Vision: ein harmonisiertes pharmazeutisches Qualitätssystem, das auf den gesamten Lebenszyklus des Produktes angewendet werden kann und dessen Schwerpunkt auf einer einheitlichen Herangehensweise an das Risikomanagement liegt.

Der Lenkungsausschuss kam darin überein, dass die Experten von den sechs Parteien auf zwei Gebieten weiterarbeiten sollen:

  • im Bereich der pharmazeutischen Entwicklung, wobei der gesamte Produkt-Lebenszyklus abgedeckt und Risiko- und Qualitätselemente des Designs enthalten sein sollen.
  • eine verbesserte Definition der Prinzipien, mit denen das Risikomanagement in die qualitätsrelevanten Entscheidungen einschließlich der GMP-Konformität einbezogen wird - sowohl seitens der Behörden als auch seitens der Industrie.

Die Industrie wird außerdem ein Dokument zur Festlegung der wichtigsten Parameter des Qualitätssystems erstellen, das GMP als einen Unterpunkt enthält und das solche Bereiche ansprechen soll, die erkennbare Unterschiede in den drei Regionen aufweisen.

Darüber hinaus wurde vereinbart, dass eine einstündige Sitzung mit Präsentationen zu diesen GMP-Diskussionen und -Initiativen in das Programm der ICH6-Konferenz aufgenommen werden soll.

 
Und was sagt die Industrie dazu? Die ist mehr als positiv überrascht! Sie sieht in der neuen FDA-Initiative "cGMP for the 21st century" eine ganz außergewöhnliche Chance dafür, die Anforderungen zu harmonisieren und sie dabei am Risiko für den Patienten auszurichten. Innerhalb kürzester Zeit hat die EFPIA, also der Verband der forschenden Arzneimittelhersteller in Europa, ein eigenes Papier dazu erstellt. Hier nur ein kurzer Auszug, der deutlich macht, wie positiv der europäische Pharmaverband auf die FDA-Initiative reagiert:
  

Die EFPIA befürwortet die Initiative der FDA zur Entwicklung von Regelwerken und Guidelines, die dazu beitragen würden, wissenschaftlich fundierte und einheitliche Systeme zu fördern, deren Anwendung die Arzneimittelqualität gewährleisten könnte. Außerdem begrüßt die EFPIA die Möglichkeit, das Concept Paper zu kommentieren und an der weiteren Diskussion beim ICH-Treffen im Juli in Brüssel teilzunehmen.

 
Diese einzigartige Initiative der FDA wird also nicht nur auf den von der FDA regulierten und inspizierten Bereich Einfluss haben, sondern auch direkt auf die Anforderungen hier in Europa.

Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums von CONCEPT HEIDELBERG organisieren wir daher speziell zu dieser außerordentlichen Initiative die:
FDA-Konferenz 2003
FDA im Umbruch - Die neue cGMP-Initiative und ihre Auswirkungen

am 1./2. Oktober in Köln

Quellen:

Autor:
Oliver Schmidt
CONCEPT HEIDELBERG