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GMP-News Nr. 33
8. Juni 1999


Konferenzbericht
European Validation Conference
4.-5. Mai 1999, Berlin

Vom 4.-5. Mai 1999 fand die von der European Compliance Academy (ECA) gemeinsam mit CONCEPT HEIDELBERG organisierte European Validation Conference in Berlin statt. Auf ihr diskutierten Vertreter von pharmazeutischen Unternehmen, der Überwachung und von Serviceanbietern den Stand und die Trends im Bereich Validierung/Qualifizierung. Workshops zu den Themen "Reinigungsvalidierung" und "Risikoanalyse mittels FMEA" ergänzten die Konferenz.

Das erste Referat wurde von Robert DELATTIN, GMP-Inspektor in Belgien, gehalten. Er gab einen allgemeinen Überblick über die regulatorischen Anforderungen in der EU, die Validierung betreffend. Besonderes Interesse löste seine Mitteilung aus, daß das PIC-Dokument PH 1/96 "Principles of Qualification and Validation in Pharmaceutical Manufacture", in überarbeiteter Version (PIC/S PR 1/99-1) schon seit 1. März gültig ist.

Konferenzort: Berlin-Köpenick
Wir danken der Firma UNIVALID, Amsterdam, die uns freundlicherweise die
Fotos auf dieser Seite zur Verfügung gestellt hat.

Mvc-007f2.gif (48875 Byte)Für eine weitergehende Überraschung sorgte die Aussage von Herrn Delattin, daß PIC/S PR 1/99-1 die Basis für einen 15. Annex zum EG-Leitfaden sein wird. Mit diesem Annex ist bis zum Ende des Jahres zu rechnen.  
Dr. Hermann ALLGAIER, Life Sciences Meissner + Wurst GmbH, der Moderator des ersten Konferenztages, gab einen Überblick über die "FDA Requirements zur Equipment Qualification and Process Validation". Er ging besonders auf die geplanten Änderungen des Code of Federal Regulations (CFR) ein, die unter den Paragraphen 210.3, 211.22, 211.220, und 211.222, Definitionen zum Thema Validierung, Verantwortlichkeiten bezüglich Validierung, Angaben zu Umfang und Dokumentation von Validierungen und zur Methodenvalidierung vorsehen. Besonders interessant war seine Darstellung bezüglich der Warning Letters 97/98, die besonders folgende Validierungsdefizite aufführen:

  • Failure to apply scientifically sound or appropriate validation principles
  • Deviations from validation protocols or procedures
  • Lack of software validation for automated processing equipment
  • Inadequate documentation

 

Besonders bemerkenswert war, daß 75% aller Validierungsdefizite den Bereich der Wirkstoffe betraf (s. Abb.)  

Warning.jpg (22340 Byte)

Abb. Warning Letters Fiscal Year 1997/1998 Percentage of Qualification /Validation Issues


Dr. Stephane BUREAU, Parke-Davis, referierte über das "Tool" Failure Mode and Effects Analysis (FMEA) zur Risikoanalyse. Er sieht den großen Vorteil dieser Methode darin, daß potentielle Risiken und deren Einfluß identifiziert werden und sich die Validierungsaktivitäten auf die Punkte mit hohen Risiken konzentrieren.

Blick in den Konferenzsaal

Mvc-8f2.gif (52902 Byte)Grundlage für eine FMEA sind drei Fragen:                                                                             

  • Was passiert, wenn ein Fehler auftritt?
    - Bewertung des Auftretens
  • Welches sind die möglichen Auswirkungen dieses Fehlers?
    - Bewertung der Bedeutung
  • Wird der Fehler entdeckt, wenn er auftritt?
    - Bewertung der Entdeckung

Jede dieser drei Fragen wird in eine Rangliste von 1-5 eingeteilt; die Einzelergebnisse werden dann miteinander multipliziert, so daß man eine Risikoprioritätszahl (RPZ) erhält.

Nach Berechnung der Durchschnitts-RPZ werden Korrekturmaßnahmen dort eingeleitet, wo die RPZ über dem Durchschnitt liegt. Dadurch werden die Prozesse verbessert und Validierungsaktivitäten auf Hochrisikopunkte konzentriert, was einem "Streamlining" entspricht. Im Post-Conference-Workshop wurde an praktischen Beispiele eine FMEA von den Teilnehmern erstellt.

Christopher WOOD, Glaxo Wellcome referierte über den Stand der ISPE-Baseline Commissioning & Qualification Guide. Die Baseline ist eine von zwei horizontalen "Guides", die zusammen mit der FDA erstellt werden, um die Basis-Anforderungen in Abstimmung mit den Behörden festzulegen. C. Wood unterschied direkte und indirekte Systeme sowie Systeme ohne Einfluß auf die Produktqualität. In allen drei Fällen ist die Good Engineering Practice (GEP) anzuwenden. Damit sind etablierte technische Industriestandards gemeint, die abgestimmt auf die regulatorischen Anforderungen der Pharmabranche, angewandt werden.

Bei indirekten Systemen wird eine Kommissionierung durchgeführt. Damit ist ein umfassender Ansatz gemeint, bei dem die Planung, Dokumentation und das Projektmanagement strukturiert sind, um die vorgegebenen Designkriterien und "User Specifications" zu erhalten.

Qualifizierungsaktivitäten (klassische IQ, OQ) sind laut C. Wood nur bei Systemen, die direkten Einfluß auf die Produktqualität besitzen, notwendig.

Interessanterweise vermeidet der ISPE C& Q Guide den Begriff "Design Qualification" und benutzt statt dessen die Bezeichnung "Enhanced Design Review". Damit sollen Verwechslungen mit regulatorischen Anforderungen aus dem Medizinproduktesektor vermieden werden. In diesem Bereich ist das "Designing" streng reguliert.

Ziel ist es, den kompletten Guide im November 99 der FDA zum Review vorzulegen, so daß er dann im ersten Quartal 2000 als offizielles Dokument publiziert werden könnte.

"Streamlining validation"und damit auch eine Kostenreduzierung war auch das Thema des zweiten Vortrags von Dr. Hermann ALLGAIER, Life Sciences Meissner + Wurst GmbH. Er zeigte in einer Complexity Matrix wie umfangreich Validierungs-/Qualifizierungsaktivitäten innerhalb eines Unternehmens sind.

Für Dr. Allgaier ist der Schlüssel zur Effizienzsteigerung von Validierungen die Integration von Qualifizierungs- und Validierungsaktivitäten.

Darunter fällt insbesondere auch:

  • Die Vermeidung von Doppelarbeiten
  • Verantwortlichkeiten fokussieren
  • Aktivitäten intergrieren und koordinieren

Er verdeutlichte dies anhand eines Engineering Turnover Package Approach.

Dr. Hans H. SCHICHT, Contamination Control Consulting, gab eine Übersicht über die aktuellen und zukünftigen regulatorischen Anforderungen in Europa und den USA die Reinheitszonen betreffend. Er führte aus, daß neben dem europaweiten Regelwerk (EG-GMP-Leitfaden) und der Aseptik-Guideline der FDA sowie dem U.S. Pharmacopeia Draft Proposal die ISO-Normen eine große Rolle spielen. Insbesondere die ISO 13408-1 gibt Partikelgrenzen für Räume an, in denen asptisch gefertigt wird.

Table Top Exhibition

Mvc-010f.gif (46989 Byte)Eine Klassifizierung für Räumlichkeiten gibt ebenfalls die ISO 14644-1. Angaben zur Qualifizierung von Räumlichkeiten führt die ISO/DIS 14644-4 aus, Requalifizierungsanforderungen sind in der ISO/DIS 14644-2 beschrieben.

Diskutiert wurde ferner ein Vorschlag von Dr. Schicht zu einer Klassifizierung von Räumlichkeiten für Nicht-Sterile Herstellung.

Den letzten Vortrag des ersten Tages hielt Walter TRAMPEDACH, CONCEPT HEIDELBERG. Sein Thema lautete "Die Qualifizierung von Wassersystemen gemäß den aktuellen GMP-Anforderungen". Nach einer kurzen Einführung über Ausführungsmöglichkeiten von Wassersystemen beschrieb W. Trampedach ausführlich die einzelnen Qualifizierungsstufen (DQ, IQ, OQ, PQ) und gab praktische Beispiele bezüglich der Dokumentation.

In seinen Ausführungen legte W. Trampedach sehr großen Wert auf die korrekte Erstellung einer DQ. Dadurch verringern sich nicht nur Reklamationen bezüglich der Ausführungslieferung sondern auch die IQ wird dadurch vereinfacht. Als die mindestens notwendigen SOP´s zum Betreiben eines Wassersystems nannte er:
  • Bedienungs-SOP
  • Inspektions-SOP
  • Kalibrierungs-SOP
  • Reinigungs-SOP
  • Wartungs-SOP
  • Sterilisierungs-SOP
  • Filter-Kontroll-SOP

sowie  

  • das Maschinen-Log-Buch
Ganz im Sinne des PIC/S PR 1/99-1 sieht W. Trampedach die PQ als ersten Schritt der Validierung des Systems an.

Für Erstaunen sorgte, daß Äußerung von W. Trampedach, daß auch im europäischen Arzneibuch ab 1. Juli 99 - wie im USP - Konduktivitäts- (bei 20 °C nicht mehr als 1.1µS · cm-1 und TOC-Messungen (nicht größer als 0,5 mg/l) gefordert werden. Dafür entfallen einige naßchemische und physikalische Tests. 

 

Diskussion während der Mittagspause:
W. Trampedach, Concept Heidelberg;
Anthony Trill von der Englischen Überwachungsbehörde MCAMvc-019f.gif (65256 Byte)

Den ersten Vortrag des zweiten Veranstaltungstages hielt Dr. Helmut BENDER; Boehringer Ingelheim Pharma KG. Er beschrieb, welche Anforderungen hinsichtlich Qualifizierungen und Validierungen an die pharmazeutische Entwicklung und Klinikmusterfertigung gestellt werden. Dr. Bender ging intensiv auf die "FDA-Guideline on the preparation of investigational new drug products" ein. In ihr steht klar geschrieben, daß bei der Produktion von Ansätzen für frühe klinische Phasen, die Durchführung der Prozeßvalidierung nur eingeschränkt möglich ist. Daher wird eine erweiterte In-Prozeß- und Endprodukt-Kontrolle gefordert. Als einen entscheidenden Faktor, um Validierungen ökonomisch durchführen zu können, nannte er die Risikoanalyse. Als mögliche Tools kommen für Ihn FMEA (s. o.), HACCP (Hazard Analysis And Critical Control Points) sowie die HAZOP (Hazardous and Operability Analysis) in Frage.

Zum Thema "Streamlining Validation" empfahl Dr. Bender neben der Erstellung eines Mastervalidierungsplan u.a. das Zusammenlegen der IQ und OQ in einen "IOQ-Plan". Dies verringert den Dokumentationsumfang und verbessert die Lesbarkeit der Dokumente, da Wiederholungen wegfallen. Aus dem Teilnehmerkreis wurde allerdings kritisiert, daß mit diesem kombinierten Dokument bei einer Inspektion sehr viel mehr Daten dem Inspektor präsentiert werden, mit der Gefahr einer Vertiefung der Inspektion.  

 

Dr. Paolo VERARDI, Glaxo Wellcome, beschrieb in seinem Vortrag über Umbauaktivitäten im Bereich seiner sterilen Pulverabfüllung. Dr. Verardi legte dar, daß ein Neubau mit neuen Anlagen deutlich teuerer gekommen wäre als der Umbau. Der Umbau umfaßte eine Kabinierung der Anlagen, ein neues Laminar-Flow-Konzept, verbesserte Abfülleinheiten und -kontrollen und eine neue Instrumentierung mit Computeranbindung (PLC). Alle diese Maßnahmen brachten nicht nur eine erheblich verbesserte Prozeß- und Arbeitssicherheit, sondern hatten auch ökonomische Auswirkungen. So wurden durch das verbesserte Abfüllen Kosten von 83.000 $ eingespart.

Dr. Verardi stellte ferner die Bioluminiszenzmethode zur Bestimmung von Keimzahlen im Rahmen des Monitorings vor. Diese Methode, basierend auf der Lichtemission von freigesetztem bakteriellem ATP durch Aktivierung mit Luciferin/Luciferase, erwies sich als sehr praktikabel. Bestätigt wurde dies durch Vergleichsmessungen mittels "klassischer" Agartechnik.

Der große Vorteil der Bioluminiszenzmethode liegt laut Dr. Verardi in ihrer Schnelligkeit. Schon nach 10 Minuten ist ein aussagefähiges Ergebnis erhältlich. 

 

Kritische Aspekte bei der Validierung von Festen und Halbfesten Formen wurden von Pat JEATER, Validation in Partnership erläutert. Er stellte zu Beginn seiner Präsentation den FDA Guide to Inspections of Oral Solid Dosage Forms vom Mai 1994 vor. Am hypothetischen Beispiel von Dr. Fausts Tabletten erläuterte er - sich immer auf Beispiele aus den GMP-Trends beziehend - kritische Validierungsaspekte. Der Prozeß umfaßt die Schritte Einwiegen, Mahlen, Mischen, Mahlen, Tablettieren, Verpacken (s. Abb.) 

ABBILDUNG11.gif (6972 Byte)

Abb. Prozeß zur Herstellung von Dr. Fausts Tabletten.

Beim Mischen ist es seiner Meinung wichtig, daß im Rahmen von Validierungen die Mischgeschwindigkeit und -zeit sowie der Befüllungsgrad ermittelt wird. Bestätigt werden die Daten mittels Proben, die an kritischen Punkten gezogen werden. Untersucht wird die Content Uniformity und ebenfalls das Schütt- und Stampfvolumen. Wichtig ist, wie P. Jeater ausführte, daß in einem Plan festgelegt wird wann, wo und wie Proben gezogen werden. Ebenfalls sehr wichtig ist der Umgang mit den Proben. Je mehr "Handling", desto mehr Fehlermöglichkeiten.

Beim Mahlen sollte im Rahmen der Validierungsläufe auch die Partikelgrößenverteilung in die Analytik einbezogen werden. Sie sollte auch in der Herstell-Spezifikation festgelegt sein. Der Probezug erfolgt nach dem Mahlen aus den Fässern, in die das gemahlene Material eingefüllt wird. Beprobt wird der Boden, die Mitte und Oberfläche jeden Fasses. Die Fässer werden allerdings an unterschiedlichen Stellen beprobt (Nord, Süd, West, Ost und Zentrum).

ABBILDUNG12.gif (8760 Byte)

Abb.  Probezug nach dem Mahlen

Kritische Parameter beim Tablettieren sind seiner Meinung die Art der Presse, Transportart und -rate des Bulks, Vorpressung, Tablettiergeschwindigkeit, Entstaubung, und die Computerisierung. Analysiert werden das Tablettengewicht, -dicke, -abrieb, -härte sowie die Zerfallszeit und die Auflösung.

Bei der Blisterung sind validierungsrelevanten Punkte ein mögliches Zusammenkleben von Tabletten sowie die Temperatur und die Dauer des Versiegelns (möglicher Abbau des Wirkstoffs). Hilfreich bei der Qualifizierung/Validierung von neuen Produktionsräumen kann die ISPE Baseline "Oral Solid Dosage Forms" sein.

Bezüglich Semi-Solids kann je nach Produkt auch eine Ausweitung der Qualifzierungsaktivitäten auf die Räumlichkeiten notwendig sein (HVAC). Da die Verpackung ein integraler Bestandteil des Produkts ist, ist besonders auf Entmischungen während des Verpackens zu achten.

 

Dr. Clemens RUFER, ehemals Schering AG, ging in seinem Vortrag auf "Die Anforderungen an die Prozeßvalidierung im Bereich der Wirkstoffproduktion" ein. Er erläuterte zu Beginn die relevanten Regelwerke und wies darauf hin, daß sich wohl in keinem anderen GMP-Bereich derzeit soviel ändert. Zur Zeit existieren von drei Organisation (FDA, ICH, PIC/S) Entwürfe zu Wirkstoff-GMP, die alle auch Angaben zur Qualifizierung/Validierung enthalten. Bezüglich der notwendigen Schritte, die in die Validierung mit einbezogen werden sollen, zeigte Dr. Rufer eine sehr anschauliche Pyramide.

Abb. "Herstellungspyramide"

Berlin.jpg (17608 Byte)

Validierungsaktivitäten sollen bei dem Schritt (= kritischer Schritt) beginnen, ab dem Einflüsse auf die Qualität und Reinheit des Endprodukts nicht ausgeschlossen werden können. Den Begriff "kritisch" hat Dr. Rufer nochmals gemäß dem Berliner Volksmund zitiert: Kritisch ist, wo, wenn was schiefläuft, das Ende auch nicht jut jeht!

Dr. Rufer gab ferner Beispiele welche Struktur bei Schering Validierungspläne und -berichte haben. Er wies auch auf die Problematik der retrospektiven Validierung hin, die immer weniger Akzeptanz bei den Behörden findet. Falls dennoch eine retrospektive Validierung durchgeführt werden soll, ist auch für sie die Vorgehensweise in einem Validierungsplan zu beschreiben. Bezüglich Revalidierungen gab Dr. Rufer an, daß sie nach Prozeßänderungen - entsprechend der Änderungen - und natürlich bei Ergebnissen, die auf eine Prozeßänderung hinweisen (z.B. im Rahmen des Annual Product Review) notwendig werden. Aus diesem Grund ist ein funktionierendes Change Control System sehr wichtig. Dieses wird neben SOP´s, der Validierungsdokumentation und den Annual Product Reviews auch im Rahmen von Inspektionen häufig überprüft. 

  Social Event: Dr. Allgaier, Dr. Verardi, Pat Jeater

Mvc-027f.gif (66348 Byte)

Das Thema "Aktueller Stand der Reinigungsvalidierung" referierte wiederum
Dr. RUFER. Zu Beginn gab Dr. Rufer einen Überblick über die entsprechenden Regelwerke und wies darauf hin, daß mit der Änderung des PIC PH 1/96 Papiers auch dessen Kapitel Reinigungsvalidierung geändert wurde. Dr. Rufer hält ferner eine SOP oder Guideline für notwendig, die die "Policy" und die Ausführungen der Reinigungsvalidierung firmenspezifisch beschreibt. Sie sollte folgendes beinhalten: 

 

  • Ziele
  • Allgemeine Prinzipien (Wann/wann nicht ist Reinigungsvalidierung notwendig)
  • Allgemeines "Bracketing Konzept"
  • Beschreibung der prinzipiellen Vorgehensweisen und der Verantwortlichkeiten

Angaben zu

  • Validierungsplänen
  • Probezug und Testmethoden
  • Auswahl und Bestimmung von Limiten
  • Validierungsdurchführung
  • Validierungsbericht
  • Prozedere nach Abschluß der Validierung (Monitoring, Review, Revalidation)

Auf einige Punkte ging Dr. Rufer besonders ein:

Wann wird die Validierung der Reinigung gefordert? Die Forderung umfaßt alle Schritte in der pharmazeutischen Produktion und in der Wirkstoffproduktion mindestens ab dem "Final Intermediate" (ggf. auch frühere Schritte, wenn Rückstände weitergetragen werden könnnten). Bei der Kampagnenproduktion ist eine Reinigung nicht nach jedem Ansatz notwendig, allerdings sollten die Reinigungsintervalle festgelegt sein (Ansatzzahlen und Zeiten). Für schwer zu reinigendes Material (z. B. Filter) empfiehlt Dr. Rufer "dedicated equipment". Bestimmt sein sollte ebenfalls die Standzeit zwischen Prozeßende und Reinigung bzw. bis zur erneuten Produktion.

Zum Thema "Bracketing" führte Dr. Rufer aus, daß gleiche Produktgruppen zu Produktfamilien kombiniert werden können, wenn sie bezüglich ihren chemisch-physikalischen Eigenschaften wirklich vergleichbar sind (z. B. Löslichkeit). Gleiche Geräte können zu Gerätefamilien zusammengefaßt werden, wenn sie bezüglich ihrer Reinigbarkeit (z.B. Oberfläche, Material) vergleichbar sind. Bezüglich der Probenahmetechnik (z.B. Swab) empfahl Dr. Rufer dringend, Wiederfindungsraten zu ermitteln.

Als geeignetes Reinigungslimit für Wirkstoffe sieht Dr. Rufer das 0,1%-Kriterium an, das auch in der Impurity Guideline der ICH aufgeführt ist.

Im Post-Conference-Workshop wurden die Änderungen des Kapitels Reinigungsvalidierung durch das neue Dokument PIC/S PR 1/99-1 detailliert diskutiert.

 

Anthony J. TRILL, Senior Inspector der MCA, referierte über die GMP-Anforderungen an computerisierte Systeme. Als Rahmenbedingung zum Spezifizieren und Testen sieht A. Trill das V-Modell an.

ABBILDUNG14.gif (55280 Byte)
Abb.  V-Modell 

Im Rahmen von Inspektionen wird seinen Ausführungen nach darauf geachtet, ob das computerisierte System direkten Einfluß auf die Sicherheit und/oder Qualität des pharmazeutischen Produkts hat. Da computerisierte Prozesse und Datenaufzeichnungen ebenfalls direkten Einfluß auf die Produktqualität haben können, werden diese im Rahmen der Inspektion ebenfalls überprüft.

Die GMP-Regeln nennen nur sehr allgemeine Anforderungen bezüglich computerisierten Systemen  und sind deshalb interpretationsfähig, wie A. Trill erläuterte. Um "in compliance zu sein" sollen computerisierte System vollständig beschrieben, dokumentiert und in ihren Funktionen definiert sein. Sie sollen ferner qualitätssichernden Maßnahmen unterliegen, validiert sein und sich in kontrolliertem Zustand befinden. Inspektoren achten deshalb darauf, ob computerisierte Systeme:

valide

  • sicher
  • genau
  • zuverlässig  

sind und zwar in den Bereichen F&E, Herstellung, Qualitätskontrolle und entlang der "Supply Chain", also bis hin zum Vertrieb. Als gut bekannte und anwendbare Regelwerke um "Compliance" zu erreichen, empfiehlt A. Trill - neben den bekannten GMP-Regularien - insbesondere GAMP 3 und das britische Dokument BS 7799.

Topics bei Inspektionen sind laut A. Trill:

  • Mängel bei Supplier Audits/QA and Product Certification
  • Legacy System: retrospective validation and documentation of systems
  • Project management and staff awareness training (QA staff and general)
  • Year 2000 compliance

Bemängelt hat A. Trill, daß bezüglich elektronischer Unterschriften und Berichte im Moment derzeit wenig Harmonisierung zu verzeichnen ist. Im Rahmen der PIC/S wird versucht, dies zu ändern. 

 

Den letzten Vortrag hielt der Moderator des zweiten Tages Dr. Norman C. FRANKLIN, Interactive Consulting GmbH i.G. Dr. Franklin leitete seinen Vortrag mit einem historischen Abriß und den aktuellen Anforderungen zum Thema "Changes" und "Deviations" ein und erläuterte dabei die Unterschiede der beiden Begriffe. Er zeigte danach auf, wie die Vorgaben des CFR auf die Validierung angewandt werden können. Wie sollte man nun bei Abweichungen (Deviations) vorgehen? Grundsätzlich sind 4 Punkte zu beachten, wenn eine Abweichung auftritt:

  • Feststellen, daß eine Abweichung vorliegt
  • Untersuchung der Abweichung
  • Fehler beseitigen
  • Versuch wiederholen

Bei Abweichung im Rahmen von Validierungsexperimenten im Labor und in der Produktion, sollte eine Fehlersuche initiiert werden, um festzustellen ob  

  • ein defektes Gerät
  • eine Bedienungs-/Bearbeitungsfehler
  • oder ein anderer erklärbarer Fehler

die Ursache war. In diesen Fällen ist eine Wiederholung statthaft.

Dr. Franklin wies ferner auf den Entwurf der Guidance for Industry zum Thema "Investigating Out-of-Specification (OOS) Test Results" hin, die die Meinung der FDA zu diesem Thema zum Ausdruck bringt.

 

Quelle: ECA-Veranstaltung European Validation Conference and Post-Conference Workshop
5 - 7 May 1999, Berlin

Möchten Sie weitere Informationen? Die ausführlichen, englischsprachigen Konferenzunterlagen können Sie für DM 300,- zzgl. MwSt. und Versand bestellen bei CONCEPT HEIDELBERG, Postfach 10 17 64, 69007 Heidelberg, Telefon 06221 / 84 44 0, Fax 06221 / 84 44 84

Autor: S. Pommeranz, Projektleiter, CONCEPT HEIDELBERG

 

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