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GMP-News
25. Februar 2003
 

FDA zieht alle Part 11 Guides zurück
und publiziert einen neuen Draft

 
Die FDA hat am 20. Februar alle Part 11 Guides zurückgezogen. Gleiches gilt auch für den Compliance Policy Guide. Im einzelnen sind das:

  • Guidance for industry, 21 CFR Part 11; Electronic Records; Electronic Signatures Validation
  • Guidance for industry, 21 CFR Part 11; Electronic Records; Electronic Signatures, Glossary of Terms
  • Guidance for industry, 21 CFR Part 11; Electronic Records; Electronic Signatures, Time Stamps
  • Guidance for industry, 21 CFR Part 11; Electronic Records; Electronic Signatures, Maintenance of Electronic Records
  • Compliance Policy Guide, CPG 7153.17: Enforcement Policy: 21 CFR Part 11; Electronic Records; Electronic Signatures;

Bereits am 4. Februar hatte die FDA den zuletzt publizierten Guide Guidance for industry, 21 CFR Part 11; Electronic Records; Electronic Signatures, Electronic Copies of Electronic Records 79" zurückgezogen (siehe News Nr. 283).

Der Rückzug betrifft die Part 11 Guides nicht die Rule (also den Part 11 selbst)

Natürlich stellt sich die Frage warum die FDA diesen doch einschneidenden Schritt vollzogen hat. Dazu ist zu sagen, dass die neue cGMP Initiative dafür der Auslöser war (siehe unsere News Nr. 230). Über diese Initiative will die FDA einen risikobasierenden Ansatz für sämtliche regulatorische und Inspektionsvorgaben heranziehen. Darüber hinaus sieht die FDA 3 Gründe die zu einer Rückziehung geführt haben. Die in den Guides genannten Anforderungen könnten dazu führen, dass:

  1. neue elektronische Systeme nicht oder nur verspätet eingeführt werden
  2. eine unverhältnismäßig hohe Kostenbelastung aufgrund der umfangreichen Compliancemaßnahmen für die Firmen entstehen
  3. innovative Technologien nicht eingeführt werden (ohne das die öffentliche Gesundheit dabei gefährdet wird)

Die FDA kündigt an die Anforderungen an Validierung, Audit Trails, Aufbewahrung und Wiederherstellung von Aufzeichnungen (Records), kopieren/Umwandlung von Aufzeichnungen und die Anforderungen an Alt Systeme innerhalb eines Ermessensspielraums bei Inspektionen zu bewerten. Dieser "besondere Umgang" mit den Anforderungen gilt solange, bis eine Bewertung/Überprüfung der Rule Part 11 erfolgt ist. Die FDA betont, dass alle übrigen Anforderungen weiterhin umzusetzen sind. Konkret heißt es:

It is important to note that FDA's exercise of enforcement discretion as described in this guidance is limited to the specified part 11 requirements. We intend to enforce all other provisions of part 11 including, but not limited to, certain controls for closed systems in § 11.10, the corresponding controls for open systems (§ 11.30), and requirements related to electronic signatures (e.g., §§ 11.50, 11.70, 11.100, 11.200, and 11.300). We expect continued compliance with these provisions, and we will continue to enforce them.

Mit den o.g. Erläuterungen zum Rückzug der diversen Part 11 Guides wurde ein neuer Draft publiziert, der die aktuelle Meinung der FDA zu Elektronischen Aufzeichnungen und Elektronischer Unterschrift beinhaltet. Er trägt den Titel: Part 11, Electronic Records; Electronic Signatures – Scope and Application.

Zu Beginn werden nochmals die Gründe für die Erstellung dieses Guides benannt, wobei dieses inhaltlich identisch mit dem ist, was in der o.g. Erläuterung im Federal Register bereits ausgeführt wurde. Der eigentliche inhaltliche Teil kommt gerade einmal auf 4 Seiten (Seitenanzahl gesamt 9).

Unter "Narrow Interpretation of Scope" findet sich gleich eine sehr weitgehende Aussage zum Umgang mit Electronic Records. Hier sagt die FDA, dass sofern ein Papierausdruck aufbewahrt wird, es nicht mehr notwendig ist das Electronic Record zu archivieren

Im Punkt 2 Definition of Part 11 Records wird der oben ausgeführte Punkt noch etwas näher ausgeführt. U.a. empfiehlt die FDA das im Vorfeld definiert wird welche Aufzeichnungen in Papier und welche in elektronischer Form aufbewahrt werden. Dies kann sinnvollerweise in Form einer SOP gemacht werden.

Unter Punkt C geht die FDA auf die Bereiche ein, bei denen zukünftig ein Ermessensspielraum genutzt werden kann. Hier stellt man insbesondere auf den Einsatz eines "Risk Assessments" also einer Risikoanalyse ab. Dies ist der Schlüsselbegriff der sich durch den gesamten Guide zieht. Über die Risikoanalyse muss ermittelt werden wie weit ein spezifisches System die Produktqualität, Sicherheit und Record Integrität beeinflusst. Wird hier ein hohes Risiko gesehen, so sind die Anforderungen z.b. an die Validierung umzusetzen. Wenn das Risiko gering ist, so ist dies nicht notwendig. Die FDA zitiert hier ein Beispiel das auf vielen Konferenzen mit FDA Beteiligung sehr kontrovers diskutiert wurde. Die FDA sagt: For instance, a word processor used only to generate SOPs would most likely not need to be validated. In der Fortführung dieses Gedankens müsste demnach auch ein Word File mit einer SOP (geringes Risiko für Produktqualität) nicht mehr nach den Anforderungen von Part 11 gehandhabt werden. Wie sieht es aber mit komplexeren Records aus? Z.B. mit einem Excel Sheet mit Berechnungen, die innerhalb einer Freigabeentscheidung verwendet werden. Folgt man auch hier dem o.g. Ansatz so würden hier wieder sämtliche Anforderungen aus Part 11, sprich Validierung, Audit Trail etc. greifen.

Eine Veränderung ergibt sich analog bei Audit Trails. Auch hier ist ein risikobasierender Ansatz empfohlen. Gleichzeitig betont die FDA jedoch:

Audit trails are particularly important where the users are expected to create, modify, or delete regulated records during normal operation.

Neben der Risikoanalyse ist noch ein weiterer Punkt von Bedeutung: " All records held by you are subject to inspection in accordance with predicate rules". Daher wird es für die Entscheidung über den Umfang der Maßnahmen die für bestimmte elektronische Aufzeichnungen umzusetzen sind entscheidend sein, welche Anforderungen in dem zugrundeliegendem GMP Vorgaben (z.B. 21 cfr 210/211) definiert sind.

Spannend wird sein wie umfangreich die FDA die Rule Part 11, d.h. das den Guides zugrundeliegende Gesetz, verändern wird.

Abschließend kann man sagen das die FDA hier auf viele Forderungen der Industrie eingegangen ist. Schwierig erscheint der Umgang mit dem gewährten Ermessungsspielraum. Wo kann man nun wirklich auf die Part 11 Anforderungen verzichten? Wie definiert man, dass eine spezifische Aufzeichnung, die sich aus den GMP-Anforderungen ergibt, ein vergleichsweise niedriges Produktrisiko hat und demnach dort auf die Part 11 Forderungen verzichtet werden kann (auch dann wenn die Aufzeichnung über ein elektronisches System erfolgt)?

Hier können Sie den neuen Draft herunterladen:
http://www.fda.gov/cber/gdlns/prt11elect.pdf

Der folgende Link führt Sie zu der Ankündigung im Federal Register (Zurückziehung der Part 11 Guides):
http://www.fda.gov/cder/gmp/cd0314.pdf

Speziell zum Thema Computervalidierung bieten wir derzeit die folgenden Veranstaltungen an:

Nr. Datum Veranstaltung Ort
492
8. April 2003GAMP 4 (CV 2)Heidelberg
494
29./30. April 2003SPS in der Pharmaindustrie: Validierung, GAMP-4-Anforderungen und Part-11-Implementierung (CV 3)Heidelberg
509
20./21. Mai 2003SAP R/3: Validierung und Part-11-ImplementierungHeidelberg
425
5. Juni 2003Electronic Records/Electronic Signatures (CV 2) - Implementierung von 21 CFR Part 11Mannheim
446
17./18. Juni 2003Validierung computergestützter Systeme (CV 1)Heidelberg
518
9./10. September 2003FDA-/GMP-Anforderungen an die IT-Infrastruktur (CV 3)Mannheim
447
30./31. Oktober 2003Validierung computergestützter Systeme (CV 1)Heidelberg

In Kooperation mit der European Compliance Academy organisieren wir:

Nr. Datum Veranstaltung Ort
442
12./13. Mai 200321 CFR Part 11 Compliance - FDA Requirements on and Implementation of Electronic Records/Electronic SignaturesBarcelona, Spanien
11514.-16. Mai 2003GMP Compliance for Computer ValidationBarcelona, Spanien

Autor:
Oliver Schmidt
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