Die Herstellung von kosmetischen Mitteln nach den Grundsätzen der
Guten Herstellungspraxis (GMP) ist aufwändig. Deswegen ist ein Blick auf
ein 3 Jahre altes Projekt zur Umsetzung von Kosmetik-GMP mittels eines
Qualitätsmanagement-Systems hilfreich.
Mit der Änderung der Definition "kosmetisches
Mittel" in der 6. Änderungsrichtlinie fiel auch die
Feuchttuch-Produktion der Firma Hakle-Kimberley Deutschland GmbH & Co.
in Mainz unter die Anforderungen der EG-Kosmetik-Richtlinie. Aus diesem
Grund hatte sich die Firma Hakle entschlossen, ihre GMP-Aktivitäten im
Rahmen eines Qualitätsmanagement-Systems (QM-System) – basierend auf
den lKW-GMP-Leitlinien – zu strukturieren. Zur Unterstützung wurde ein
externer Berater der Firma Concept Heidelberg hinzugezogen, um eine
unabhängige Meinung mit einfließen zu lassen und möglichst viele
Tätigkeiten "outsourcen" zu können.
Im Rahmen einer ausführlichen Ist-Analyse auf Basis
der lKW-Checkliste zur Selbstbewertung, ergänzt um Fragestellungen zur
Forschung und Entwicklung, zur Herstellung und Prüfung im Lohnauftrag
sowie zum Einkauf und Vertrieb, wurde der aktuelle GMP-Standard bewertet.
Mitarbeitermotivation - das A und O
Nach halbjähriger Aufbau- und Implementierungsphase
wurde das QM-Handbuch im Oktober 1998 gültig. Zu Beginn ergaben sich kaum
Verhaltensänderungen der Mitarbeiter. Ihnen war – noch nicht –
bewusst, dass sie einen ganz erheblichen Teil des QM-Systems ausmachen.
Erst nach einer wiederholten Schulung begannen die Mitarbeiter das Konzept
auch "zu leben".
Mit Einführung des QM-Systems sind einerseits zwar
zusätzliche schriftliche Vorgaben dazugekommen, andererseits aber auch
Doppelarbeiten entfallen, etwa beim Protokollieren. Zu Beginn der
Einführung des QM-Systems arbeiteten die Mitarbeiter nur sehr zögerlich
mit den neuen Dokumenten. Richtige Akzeptanz erfolgte als anhand der
Dokumentation ein Fehler rückverfolgt werden musste. Im Sinne einer
Anwendermotivation hat sich gezeigt, dass standardisierte
Arbeitsanweisungen (Standard Operating Procedures (SOPs)), wenn sie von
den Personen erstellt werden, die sie auch anwenden, wesentlich mehr
besser akzeptiert werden als eine vergleichbare Fremd-SOP. Dies wurde sehr
deutlich im Produktionsbereich, wo die SOPs vom Leiter der Produktion
geschrieben wurden. Dort erfolgte ihre Umsetzung zögerlicher als in den
anderen Bereichen.
Erleichtert wurde der Übergang durch das einheitliche
Layout der Dokumente wodurch sich jeder Mitarbeiter im entsprechenden
Dokument auch sofort zurechtfindet. Durch die zentrale Lenkung
(Verteilung, Einziehung, Archivierung) der GMP-Dokumente durch eine Person
ist eine GMP-gerechte Dokumentation erst möglich geworden. Es liegen nun
alle notwendigen Dokumente in aktueller Version am richtigen Platz vor.
Ein neu eingeführtes Monitoringprogramm als Basis
einer regelmäßigen Inspektion, das von einem Fremdinstitut im Turnus von
6 Wochen durchgeführt wird, bildet den Schlüssel dafür, auch
Selbstverständliches kritisch zu hinterfragen, potenzielle Schwachstellen
zu identifizieren und im Rahmen einer Fehlerverfolgung auch zu beheben.
Auch im Bereich Forschung und Entwicklung hat die
Einbindung in das QM-System zu deutlichen Verbesserungen geführt. Durch
die strukturierte Vorgehensweise sind F+E-Projekte transparenter geworden
und werden im Sinne eines Projektmanagements auch effizienter umgesetzt.
Durch das QM-System konnte die Schnittstelle zur Produktübergabe neu
definiert werden. Nun herrschen klare Verantwortungsabgrenzungen.
Auch die Einhaltung der maßgeblichen
Rohstoffspezifikationen ist erleichtert worden, da hier nur noch gelenkte
Dokumente mit aktuellen Informationen vorhanden sind, die von den
Lieferanten unterzeichnet sind. Somit gelten für beide Parteien
eindeutige Vorgaben.
Im Rahmen von externen Audits und dem oben genannten
Monitoringprogramm werden die Umsetzungsmaßnahmen des QM-Systems in die
Praxis kritisch bewertet und Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet.
Bedingt durch die strukturierten Abläufe im Rahmen des
QM-Systems und die GMP-Schulungen der Mitarbeiter traten weniger Fehler
auf. Falls doch einmal ein Fehler auftritt, wird er nun wesentlich früher
registriert, wodurch die Fehlerfolgekosten reduziert werden können.
Dies führte zum Leben des QM-Systems durch die
Belegschaft, die im Sinne eines Kontinuierlichen Verbesserungsprozessen
(KVP) nun selbst GMP-Schwachstellen benennt. Nach den üblichen
Anfangsschwierigkeiten ist nun das QM-System akzeptiert und wird auch
gelebt mit den oben beschriebenen positiven Folgen. Hakle-Kimberley plant
zukünftig dieses QM-System auf sämtliche europäische Standorte
auszudehnen.
Autoren:
Dipl.-Biol. Sven Pommeranz, CONCEPT HEIDELBERG, Heidelberg
Dr. Frank-Michael Tesky, Hakle-Kimberley Deutschland GmbH & Co., Mainz