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Mit der Veröffentlichung von ICH Q9 "Qualitätsrisikomanagement" und dessen Übertragung als Annex 20 zum EG-GMP-Leitfaden nimmt der Gedanke, Risikomanagement als firmenweites System zu nutzen, kontinuierlich zu. Die ICH selbst hat zwar Trainingsmaterial darüber veröffentlicht, siehe GMP-News vom 30. Oktober 2006, viel mehr Umsetzungshilfen gibt es aber nicht. Mit Datum 4. Januar 2010 hat die Pharmaceutical Inspection Convention Scheme (PIC/S) ein 30-seitiges Dokument als Beispiel zur Methodik der Implementierung von ICH Q9 im pharmazeutischen Umfeld veröffentlicht. Das Dokument ist ausdrücklich weder eine PIC/S-Empfehlung noch eine Guideline. Die (Nicht-) Anwendung seitens der Industrie hat auch keinen Einfluss auf Inspektionen, so in der Einführung des Dokuments geschrieben. Das Dokument ist in 4 Abschnitte eingeteilt: - Einführung
- Beschreibung der Methodik
- Implementierung der Methodik
- Einsatz der Methodik
Im Kapitel Methodenbeschreibung wird einführend darauf hingewiesen, dass Qualitätsrisikomanagement (QRM) nicht als "Alibi" für unzureichende Ressourcen und "Non-Compliance" herhalten sollte. Nachdem der QRM-Prozess nach ICH Q9 kurz erläutert wurde, wird darauf hingewiesen, dass die in ICH Q9 genannten Risikoanalyse-Tools (z.B. FMEA, FTA, HAZOP, HACCP) für die Unterstützung eines globalen QRM zu viele Ressourcen verschlingen könnten. Als Filter zur Ermittlung der zu betrachtenden Einzelprozesse im Qualitätsmanagement- (QM-) System eines Unternehmens wird ein"Risk Treatment Process" vorgestellt. Dieser führt zu den kritischen Prozessen, deren Risiken möglichst reduziert werden (hierzu können dann ggf. Risikoanalys-Tools eingesetzt werden). Die Ergebnisse dieser Einzelbetrachtungen (primäre System-Risiken [Rsp] und verbleibende System-Risiken [Rsr]) sind dann der "Output". Dieser "Output" soll fortlaufend (z. B. im Hinblick auf CAPA-Maßnahmen) betrachtet werden und mindestens jährlich revisioniert werden. Zur besseren Ressourcenausnutzung trennt das Dokument sogenannte Konstanten (alle Felder außer das Produkt) von Variablen (Produktcharakteristika). Das Gesamtrisiko (Rg) ist dann das Produkt aus Systemrisiken (Rs, s.o.) und den Produktrisiken ausgedrückt durch einen Produktfaktor (P). Zur Quantifizierung werden Vorschläge bezüglich Schweregrad (Severity, S), Häufigkeit (Frequency, F) und Entdeckungswahrscheinlichkeit (Detectability, D) gemacht. Zusätzlich wird ein weiterer Faktor N beschrieben, der die Compliance-Historie des jeweiligen Unternehmens abbilden soll. Mittels diesen Parametern lassen sich dann die Systemrisiken (Rs) multiplikativ quantifizieren. Um zum Gesamtrisiko (Rg) zu gelangen, wird noch der spezifische Produktfaktor einkalkuliert. Dieser Faktor setzt sich wiederum aus zwei Faktoren (E, C) additiv zusammen. Das sind einmal die Produkterfahrung (E) selbst sowie die Produktcharakteristika ( C, z. B. pharmakologische, physikochemische Daten) . Die Bewertungen und Berechnungen werden entsprechend einem standardisiertem EDV-gestützten Verfahren durchgeführt. Primärrisiken werden dann mittels dieser Software in 3 Level eingeteilt: niedrig, mittel und hoch. Im mittleren Bereich spielt die Entdeckbarkeit eine Rolle, ob das Risiko akzeptiert werden kann. Diese Risiken werden dann im EDV-System bezüglich Reduzierungsmöglichkeiten bearbeitet und führen dann zu systemischen Restrisiken. Anschließend wird der Produktfaktor durch Auswahl von Vorgaben zur Produkterfahrung und den Produktcharakteristika EDV-technisch (Datenbank), bestimmt. Das Gesamtrisiko wird dann durch Multiplikation des systemischen Restrisikos mit dem Produktrisiko ermittelt. Sie finden das komplette Dokument hier. Zum Thema Qualitätsrisikomanagement bietet Concept Heidelberg bzw. die ECA folgende Veranstaltungen an: - ICH-Q9 Kurs, 11.-12. Mai 2010 in Heidelberg, ein praxisorientierter Kurs, der Ihnen u. a. die Möglichkeit bietet, eigene Beispiele im integrierten Workshop zu bearbeiten
- 5. Risikomanagement-Konferenz, 22./ 23. April in Berlin. Eine Diskussionsplattform für Führungskräfte bezüglich Einführung, Pflege und Weiterentwicklung von Risikomanagement-Systemen
- speziell auf die Sterilproduktion bezogen: Risikomanagement in der Sterilproduktion, 14./15. Oktober 2010 in Heidelberg (oder als ECA-Veranstaltung in englischer Sprache am 16./17. März 2010 in Barcelona)
Autor: Sven Pommeranz CONCEPT HEIDELBERG
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