In Deutschland gibt es derzeit keine
gesetzliche Verpflichtung, pharmazeutische Hilfsstoffe (Bulk
Pharmaceutical Excipients, BPE) GMP-gerecht herzustellen. Andererseits
aber ist der pharmazeutische Unternehmer für die Qualität der von ihm
verarbeiteten BPEs verantwortlich. Aufgrund des 'Kundendrucks' von Seiten
der pharmazeutischen Industrie kommt somit der GMP-gerechten Herstellung
und Distribution pharmazeutischer Hilfsstoffe eine Schlüsselrolle zu.
Doch selbst die für den pharmazeutischen
Unternehmer bestehende Verpflichtung, Ausgangsstoffe von qualifizierten
Lieferanten zu beziehen und die Ausgangsstoffqualität zu überprüfen,
haben die – versehentliche oder absichtliche – Distribution und
Verarbeitung minderqualitativer Wirk- und Hilfsstoffe und deren teilweise
verheerenden Folgen für den Patienten nicht verhindern können. So sind
beispielsweise im Jahr 1996 in Haiti etwa 80 Kinder nach der Einnahme von
Parametamol-Sirup, der mit Diethylenglykol kontaminiertes Glycerol
enthielt, gestorben.
Während die Herstellung und Distribution
von Arzneimitteln gesetzlich geregelt sind, fehlen in vielen Ländern
entsprechende gesetzliche Grundlagen für Wirk- und Hilfsstoffe. Mit der
ICH Q7a 'Good Manufacturing Practice Guide for Active Pharmaceutical
Ingredients', die im November 2000 verabschiedet wurde, gibt es inzwischen
eine weltweit harmonisierte GMP-Richtlinie für Wirkstoffe, die die
Einhaltung von GMP-Regeln auch für 'Agents, Brokers, Traders,
Distributors, Repackers und Relabellers' fordert und somit die gesamt
Handelskette einschließt. Dennoch hat diese Guideline beispielsweise in
Europa noch keine rechtliche Relevanz, die durch entsprechende gesetzliche
Grundlagen erst geschaffen werden muss.
Damit sind zwar Regelungen für
Arzneimittel und inzwischen auch für Wirkstoffe verfügbar. Wie der oben
genannte Fall aber zeigt, können auch Hilfsstoffe die Ursache
katastrophaler Arzneimittelzwischenfälle sein.
Vor diesem Hintergrund wurde im Jahr 1991
die IPEC (International Pharmaceutical Excipients Council) als
internationale Interessenvertretung der chemischen, pharmazeutischen und
Lebensmittelindustrie gegründet. IPEC ist eine Dachorganisation, die sich
in drei regionale Vereinigungen in den USA (IPEC-Americas), in Europa
(IPEC Europe) und Japan (JPEC) unterteilt und die mit dem Ziel gegründet
wurde, einen aktiven Beitrag zu weltweiten Verbesserung von Sicherheit und
Wirksamkeit von Arzneimitteln zu leisten. Im Rahmen ihrer Aktivitäten
bemüht sich die IPEC insbesondere um die Harmonisierung von
Hilfsstoff-Standards und hat inzwischen einige Hilfsstoff-spezifische
Leitfäden veröffentlicht:
- GMP Guide for Bulk Pharmaceutical
Excipients
- GMP Audit Guideline for Bulk
Pharmaceutical Excipients
- GMP Audit Guideline for Distributors of
Bulk Pharmaceutical Excipients
- Significant Change Guide for Bulk
Pharmaceutical Excipients
- Certificate of Analysis Guide for Bulk
Pharmaceutical Excipients
Der ursprünglich aus dem Jahr 1995
stammende 'GMP Guide for BPEs' wurde im November letzten Jahres unter
Berücksichtigung aktueller, für die BPEs relevanten cGMP-Anforderungen
und neuer Anforderungen an das ISO Qualitätsmanagementsystem revidiert.
Dabei wurde die ISO 9001:2000 Nummerierung in die revidierte Fassung des
GMP Guide übernommen.
Der 'GMP Guide for BPEs' aus dem Jahr
1995 dient beispielsweise der World Health Organization (WHO) als
Richtlinie zur Herstellung pharmazeutischer Ausgangsstoffe für ihre
Mitgliedstaaten. Auch wurde diese Guideline in die amerikanische
Pharmacopoeia USP 24/NF 19 sowie in Pharmeuropa, das Journal der
Europäischen Pharmacopoeia, aufgenommen.
Die Guidelines können bei der IPEC
angefordert werden. Die Kontaktadresse für IPEC Europe und IPEC Americas
lauten wie folgt:
Dr. Evert Izeboud
IPEC Europe
Tel.: +31-70-320-9894
Fax : +31-70-320-3759
E-Mail : eizeboud@worldonline.nl
Mr. Alan Mercill
IPEC Americas
Tel.: +1-703-875-2127
FAX: +1-703-525-5157
E-Mail: ipecamer@aol.com
In diesem Zusammenhang sei auch auf die
Veranstaltung 'Bulk Pharmaceutical Excipients - GMP bei der Herstellung
pharmazeutischer Hilfsstoffe' verwiesen, die am 12. März 2002 in Darmstadt
stattfindet. Ziel dieser Veranstaltung ist es, die derzeitige rechtliche
Situation der Hilfstoffherstellung und Distribution darzustellen und
mögliche zukünftige Regelungen in Deutschland, Europa und USA
vorzustellen. Weiterhin werden praktische Anregungen bei der Umsetzung von
GMP bei der Herstellung und dem Vertrieb von BPEs gegeben sowie die
Anforderungen an die Qualität von BPWs aus der Sicht der pharmazeutischen
Industrie einerseits und aus Sicht der BPE-Hersteller andererseits
diskutiert. Bei dieser Veranstaltung erhalten Sie die aktuellen IPEC
Guides kostenfrei. Zu weiteren Information über diese Veranstaltung
klicken
Sie bitte hier.
Autor:
Dr. Barbara Jentges,
CONCEPT HEIDELBERG
|