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9. Oktober 2001
 

FDA Draft Guidance zu 21 CFR Part 11

 

Am 24. September 2001 hat die FDA zwei Draft Guidances for Industry zu 21 CFR Part 11, Electronic Records, Electronic Signatures, veröffentlicht. Der erste Guide enthält ein Begriffsglossary zu 21 CFR Part 11. Viele der dort aufgeführten Begriffe beziehen sich direkt auf 21 CFR Part 11. Für die Definition von "Off-the-shell Software" bezieht sich der Guide auf die Definition des FDA Center for Devices and Radiological Health: "A generally available software component for which the user can not claim complete software life cycle control". Die Validierung dieser käuflichen Standardprogramme nimmt breiten Raum im 2. Draft Guidance zum Thema Validierung ein. Näheres dazu finden Sie in diesem Artikel.

Zu den vielleicht weniger bekannten Begriffen gehört die sog. "Regression Analysis and Testing". Sie wird definiert als: "A software verification and validation task to determine the extent of verification and validation analysis and testing that must be repeated when changes are made to any previously examined software products".

Größere Bedeutung wird zweifelsohne die 2. Guidance for Industry zum Thema "Validation" haben. Unter 5.1 wird die Bedeutung der "System Requirement Specifications" im Rahmen der Validierung hervorgehoben. Die FDA sagt: "Without first establishing end user needs and intended uses, we believe it is virtually impossible to confirm that the system can consistently meet them". Weiterhin wird zu "System Requirement Specifications" ausgeführt, dass auch andere Faktoren, die nicht speziell in Part 11 benannt sind, einen Einfluss auf Electronic Records haben können. Deshalb müssen auch für solche Faktoren "System Requirement Specifications" erstellt werden.

Als Beispiel führt der Guide z.B. das Scannen von Papierdokumentationen (z.B. Chargenprotokollen) auf. Hier ist es erforderlich, die Auflösung, Geschwindigkeit, Farbgenauigkeit, die Hardware und die Performance bezüglich deren Auswirkungen auf Electronic Records zu bewerten. Ebenfalls sind die Anforderungen zu Scaleability (in einer Netzwerkumgebung) und die Umgebungsbedingungen (z.B. elektromagnetische Interferenzen und Temperatur/Feuchte) zu definieren und demnach auch später im Rahmen der Validierung zu prüfen.

Unter 5.2 führt der Guide die erforderlichen Dokumente zur Validierung eines Systems gemäß Part 11 an. Benannt wird ein "Validation Plan" als "strategisches Dokument", in dem definiert wird, was zu tun ist, wie der Zeitplan der Validierung ist, welche Aufgaben ausgeführt werden müssen und wer für die Validierung verantwortlich ist. Dieser Plan sollte wie die anderen zwei Dokumente "reviewed and approved by designated management" sein. Die "Validation Procedure" sollte detaillierte Schritte zur Umsetzung der Validierung enthalten, dazu gehört die Systemkonfiguration, Testmethoden und Akzeptanzkriterien inkl. des erwarteten Ergebnisses. Schließlich sollte der "Validation Report" die Ergebnisse der Validierung zusammenfassen. Wann immer möglich, sollten hier quantifizierbare Größen anstatt "bestanden/nicht bestanden" aufgeführt werden.

Unter 5.3 Equipment Installation ist gefordert, dass vor Beginn der Validierung Hard- und Software richtig installiert wurde und die erforderlichen Dokumentationen, z.B. Benutzerhandbücher, SOPs, Spezifikationsblätter, etc., vorliegen.

Unter 5.4 "Dynamic Testing" sind die Rahmenbedingungen für die Testdurchführungen aufgeführt. Benannt sind: Testbedingungen (normale und Stressbedingungen), Simulationstests (mit Simulationsprogramm) sowie Life user-site test (unter den vorhandenen Nutzungsbedingungen des Systems). Die Tests selbst werden in "Strukturelle Test" (white box testing), Funktionale Test (black box testing) und Program Built Tests (Modul, Integrations- und Gesamtprogrammtests) unterschieden.

Der Guide hebt hervor, dass Dynamic Testing ein wichtiger Teil der Validierung ist, jedoch alleine keine Validierung darstellt. Daher sind "Static verification techniques", dazu zählt z.B. Source Code Reviews, unbedingt erforderlich. Der Umfang der funktionalen Tests kann bei guten Ergebnissen reduziert werden. Den Umfang der Validierung für ein Part 11 System hängt wesentlich vom Risiko des Programms für Produktsicherheit, Wirksamkeit und Qualität ab. Weiterhin sind die Risiken bezüglich Datenintegrität, Authentizität und Vertraulichkeit sowie der Systemkomplexität heranzuziehen.

Unter 5.7 ist die Unabhängigkeit des Reviews gefordert, welches durch die Einbindung von externen Parteien (Third Party) oder durch organisatorische Trennung erreicht werden kann.

Bezüglich des Change Control (Konfigurationsmanagement) wird besonders auf die Überwachung der Lieferanten und deren "Upgrades", "Fixes" bzw. "Service Packs" abgehoben. Hier ist die Regressionsanalyse und Regressionstest als "extremely important tool" benannt (siehe Definition zu Beginn dieses Artikels).

Unter dem Punkt "Special Considerations" sind ausführliche Anmerkungen zu sog. Commercial, Off-the-shelf Software" gemacht worden. Deren Validierungsnotwendigkeit wird durch das Statement "We do not consider commercial marketing alone to be sufficient proof of a program's performance suitability" ausgedrückt.

Auch wenn im folgenden gesagt wird "However, the end user's validation approach for off-the-shelf software is somewhat different from what the developer does".

Schwierig wird die Umsetzung der Forderung unter 6.1.1 sein. Wenn möglich, sollte der Nutzer eine Kopie der Anforderungspezifikationen des Entwicklers besorgen. (Das wird sehr schwierig sein - Anmerkung des Verfassers)

Bezüglich der Software-Strukturintegrität fordert der Guide, wenn der Source Code nicht zur Prüfung verfügbar ist, die folgenden Maßnahmen einzuleiten:

1. Untersuchungen zur Programmhistorie

und

2. "vorzugsweise" Auditierung des Softwareherstellers

Bezüglich der funktionalen Tests von Off-the-shelf Software wird ausgeführt, dass hier umfangreiche Tests notwendig sind, wenn ein Review des Source Codes nicht möglich ist. (Das wird die Regel sein – Anmerkung des Verfassers). Der zweite Punkt zu "Special Considerations" befasst sich mit dem Internet, insbesondere bei der Übertragung von Electronic Records. Als klares Statement ist die Aussage: "We recognize that the Internet, as computer system, cannot be validated because its configuration is dynamic" zu verstehen.

Darauf ausbauend definiert der Guide, dass es extrem wichtig ist, eine Validierung von Sender und Empfänger unter besonderer Betrachtung der Genauigkeit, Vollständigkeit und (recht)zeitigem Transfer von Daten und Records durchzuführen.

In den Anhängen zu dem Guide sind eine Vielzahl von Publikationen zur Interpretation von Software benannt, die Hilfestellung zur Umsetzung von 21 CFR Part 11 geben.

Wir hoffen, dass Ihnen diese "persönliche" Kommentierung der Draft Guidance weiterhilft.

Download-Adressen:
http://www.fda.gov/cber/gdlns/esigglos.pdf

http://www.fda.gov/cber/gdlns/esigvalid.pdf

Veranstaltungen zu diesem Thema:
Electronic Records / Electronic Signatures, 17. Januar 2002, Heidelberg
21 Cfr Part 11 Konferenz - Electronic Records / Electronic Signatures, 27./28. Februar 2002, Mannheim

Autor: Oliver Schmidt, CONCEPT HEIDELBERG
 

 

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