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In regelmäßigen Abständen beantworten Experten aus Behörden und Industrie
Fragen, die häufig im Rahmen von Veranstaltungen gestellt werden - dieses Mal
erläutert Prof. Dr. Hensel, Stellvertretender Leiter des deutschsprachigen GAMP
D-A-CH steering committee, die Neuigkeiten im GAMP® 5 und beantwortet Fragen zu
den neu hinzugekommenen Anforderungen.
Was sind die wesentlichen Änderungen / Neuerungen von GAMP® 5 in Bezug zu
GAMP® 4. Wie viel ist identisch aus GAMP® 4 übertragen. Haben sich Inhalte von
gleich lautenden Anhängen geändert?
GAMP® 5 beschreibt nun den gesamten Lebenszyklus von der Planung, über die
Projektierung und Installation und den Betrieb eines Systems bis hin zur
Stilllegung. Für jeden dieser Abschnitte werden adäquate Prinzipien aus der
Praxis beschrieben.
GAMP® 5 stellt das Risikomanagement als zentrales Element im Lebenszyklus auf.
An mehreren Stellen im Lebenszyklus wird die Risikobetrachtung empfohlen, um den
Umfang und die geeigneten Maßnahmen für die Validierung festzulegen. Die
Risikobewertung und das Risikomanagement werden als zentrales Instrument zur
Senkung des Validierungsaufwands und damit der Validierungskosten betrachtet.
GAMP® 5 führt eine Skalierung des V-Modells der Software-Entwicklung ein. Dabei
wird nicht mehr der komplette Entwicklungszyklus alleine dargestellt, sondern
verschiedene verkürzte Zyklen, die auf die jeweilige Softwarekategorie angepasst
sind. Diese Skalierbarkeit trägt der Situation Rechnung, dass eine zunehmend
größere Zahl von Systemen und Softwarepaketen mit vorkonfektionierten
Funktionsvorräten geliefert werden und diese gegebenenfalls nur noch zu
konfigurieren sind. Die Bedeutung spezifisch zugeschnittener Softwaresysteme hat
dagegen massiv abgenommen.
GAMP® 5 ist an die Terminologie der ASTM E2500 und der ISPE Baseline-Guide
"Commissioning and Qualification" angepasst worden. Dadurch sind die
Bezeichnungen IQ, OQ und PQ aus dem V-Modell verschwunden. Der "Testschenkel"
des V-Modells, der in GAMP® 4 in zwei unterschiedlichen V-Modellen entweder mit
den Engineeringtest-Bezeichnungen oder mit den Qualifizierungstest-Bezeichnungen
dargestellt wurde, wird in GAMP® 5 nun als "Verifizierung" bezeichnet und
beschreibt die Engineeringtests. GAMP® 5 beschreibt kein
Qualifizierungs-V-Modell mehr, sondern weist darauf hin, dass die
Verifizierungstests bereits die Qualifizierungstests darstellen und nur
entsprechend zugeordnet werden müssen. GAMP® 5 weist ebenfalls darauf hin, dass
den Firmen die Wahl der Begriffe freisteht, so dass auch die bisher verwendete
Qualifizierungsterminologie weiter eingesetzt werden kann.
GAMP® 5 stellt die wirksame Einbindung der Lieferanten in den
Entwicklungsprozess und in die Unterstützung in der Betriebsphase als ein
wesentliches Instrument zur Senkung der Validierungskosten heraus. An vielen
Stellen in GAMP® 5 wird darauf hingewiesen, dass die Kenntnisse, die Erfahrungen
und die Systemdokumentation der Lieferanten stark in die Entwicklungs- und
Betreuungsprozesse eingebunden werden sollen. Die Rollen und
Verantwortlichkeiten der Anwender und der Lieferanten werden deshalb detailliert
dargestellt.
Kapitel, die sich in GAMP® 4 mit speziellen Computersystem-Typen beschäftigt
haben, wurden gestrichen, da sich GAMP® 5 als Rahmendefinition zur Validierung
aller Computersystem-Typen, vom kleinsten Gerät bis zu hierarchischen und (ggf.
global-) verteilten Computernetzen, versteht.
Was bedeutet die Hinwendung zur Verifikationsterminologie. Was ist der
Unterschied zur Qualifizierungsterminologie. Hat das Einfluss auf das V-Modell
und auf DQ, IQ, OQ, PQ. Welche Rolle spielt die DQ in GAMP® 5?
IQ- und OQ-Tests sind eigentlich Verifikationstests, da sie nachprüfen
sollen, dass die Spezifikationen eingehalten werden.
GAMP® 4 unterschied zwei Modelle, eines für den üblichen Engineering-Ablauf, mit
den Spezifikationen im linken Ast des V-Modells und den zugehörigen Tests
(Modul, Integrations-, Funktions- und Systemtest) im rechten Ast und dem
V-Modell für die Validierung mit denselben Spezifikationen, aber besonderen
Testzusammenstellungen für IQ und OQ.
Betrachtet man die Tests genauer, so finden sich exakt die Tests des
Engineeringmodells wieder, lediglich in anderer Zusammenstellung, mit anderer
Gewichtung und ggf. mit anderer formaler Dokumentation
GAMP® 5, der ISPE Baseline-Guide Commissioning and Qualification und die ASTM
E2500 beschreiben nun einheitlich nur den sog. Verifikationsast im V-Modell, da
genau diese Tests für die Überprüfung der Spezifikationen benötigt werden.
Werden diese Tests gemäß den GMP-Anforderungen durchgeführt und dokumentiert, so
stellen sie bzw. ein Teil davon die IQ- und OQ-Tests dar
Was kann man unter Skalierbarkeit des Lebenszyklus verstehen; welche Rolle
spielt dabei die Kategorisierung der Systeme.
Unter der Skalierbarbeit des Lebenszyklus ist eigentlich die Skalierbarkeit
der Validierungsaktivitäten innerhalb des Lebenszyklus zu verstehen. Dabei soll
der Umfang der Aktivitäten über Risiko- und Kritikalitätsbetrachtungen adäquat
festgelegt werden. Es sollen folgende Kriterien beachtet werden:
- Systemeinfluss auf die Patientensicherheit, die Produktqualität und die
Datenintegrität (Risikobewertung)
- Systemkomplexität und -neuheit (Architektur und Kategorisierung der
Systemkomponenten
- Ergebnis der Lieferantenbewertung (Lieferantenfähigkeit)
Die Anpassung der Tiefe der Validierungsaktivitäten soll zu einer Reduktion des
Validierungsaufwands führen, da nur dort intensive Validierungsanstrengungen
erforderlich sind
Was hat sich an der Kategorisierung der Systeme geändert?
Die Hardware-Kategorien haben sich nicht geändert.
Die Software-Kategorien haben eine starke Änderung erfahren. Kategorie 1 wird in
GAMP® 5 mit "Infrastruktur" bezeichnet und umfasst alle Softwaresysteme vom
Betriebssystem über Server bis hin zu vernetzten Strukturen. Sie hat damit eine
erhebliche Ausweitung gegenüber GAMP® 4 erfahren. Die Validierungskriterien der
Kategorie 1 sind gleich geblieben. Neben der Protokollierung der Versionsnummer
wird nur die Verifikation der korrekten Installation durch Befolgen geprüfter
Installationsprozeduren gefordert.
Die Inhalte der Kategorie 2, die in GAMP® 4 mit "Firmware" bezeichnet wurde,
wurden in andere Kategorien verschoben, da Firmware in vielfältiger Form
vorliegen kann und in verschiedene Kategorien, je nach Einsatzgebiet,
Komplexität und Konfigurierbarkeit einzugliedern ist. Die Kategorie 2 ist damit
leer, sie wird aber dennoch erhalten, um für die höheren Kategorien die
Konsistenz der Kategorienummern zu GAMP® 4 zu erhalten.
Die Kategorie 3 beinhaltet nun "nicht konfigurierte Software". Darunter ist
Software zu verstehen, die entweder nicht konfigurierbar ist oder zwar
konfigurierbar ist, aber in ihrer Standardkonfiguration ohne Anpassung auf
spezifische Geschäftsprozesse eingesetzt wird.
Die Kategorie 4 beinhaltet "konfigurierte Software". Darunter sind alle
Softwarepakete und -systeme zu verstehen, die ohne Programmierung mittels
Konfigurierung an spezifische Geschäftsprozesse angepasst werden.
Die Kategorie 5 beinhaltet, wie in GAMP® 4, die für spezifische
Geschäftsprozesse zugeschnittene Software, die für die Anwendung programmiert
wurde.
Welche Konsequenzen hat die Herausstellung des Risikomanagements bei der
Validierung computergestützter Systeme nach GAMP® 5?
Der verstärkte Einsatz von Risikobewertungen soll zu einer Reduktion des
Validierungsaufwands und zu einer verbesserten Prozesskenntnis führen, die
Voraussetzung für eine verbesserte Prozesskontrolle und Beherrschung der
Variabilität von Prozess und Einsatzstoffen ist.
Risikobewertungen zu frühen Zeitpunkten des Lebenszyklus sollen dazu führen, die
Validierungsaufwendungen auf kritische Systeme (hinsichtlich der
Patientensicherheit, der Produktqualität oder der Datenintegrität) zu
konzentrieren.
Eine solche frühe Risikobewertung kann zu erheblichen Einsparungen führen.
Andererseits weist GAMP® 5 darauf hin, dass eine Risikobewertung einen nicht zu
vernachlässigenden Aufwand darstellt, und dass, insbesondere bei wenig komplexen
Systemen, vor der Durchführung einer solchen Bewertung geprüft werden sollte, ob
nicht die Durchführung der Validierung selbst kostengünstiger als die
Risikobewertung ist.
Gibt es spezielle Vorgaben für Lieferanten; was versteht man unter wirksamer
Lieferantenbeteiligung?
Die Lieferantenvorgaben in GAMP® 5 unterscheiden sich von denen aus GAMP® 4
dahingehend, dass den Lieferanten in bestimmten Bereichen größere Freiheiten,
aber auch größere Zuständigkeiten und damit Teilverantwortlichkeiten zugestanden
werden. Insbesondere wird den Lieferanten von Systemen der Softwarekategorien 1
bis 4 eingeräumt, die Systementwicklung gemäß eines anerkannten Entwicklungs-
und Qualitätsmanagement-Modells ohne Berücksichtigung spezifischer
GxP-Anforderungen zu entwickeln. Natürlich sollte bei der Entwicklung die
GxP-Eignung des entwickelten Systems mit berücksichtigt werden.
Von den Lieferanten angebotene Dokumentation kann, soweit möglich, direkt und
ohne Umformatierung in der Validierungsdokumentation des Anwenders verwendet
werden.
Dienstleistungen der Lieferanten sollen möglichst weitgehend eingesetzt werden.
Damit sollen Lieferanten sowohl in der Spezifizierung als auch in der
Verifizierung eingesetzt werden, wobei auch die Anwendung lieferanten-eigener,
GxP-geeigneter QM-Systeme akzeptiert werden soll.
Wie ist der Link zum ASTM E2500?
In der Einleitung zu GAMP® 5 findet sich der Satz: "This Guide aims to be
fully compatible with the approach described in the American Society for Testing
and Materials (ASTM) E2500 Standard Guide for Specification, Design, and
Verification of Pharmaceutical and Biopharmaceutical Manufacturing Systems …"
Werden Elemente von ITIL in GAMP® 5 übernommen?
In der Einleitung zu GAMP® 5 findet sich der Satz: " The approach described
in this document is designed to be compatible with a wide range of other models,
methods, and schemes including approaches to IT Service management, such as the
IT Infrastructure Library® (ITIL)"
Zu welchen Kategorien in GAMP® 5 können SPSen bzw. Excel Sheet zugeordnet
werden?
Speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) werden in der Regel für
spezifische Geschäftsprozesse ausgelegt. Sofern es sich dabei um eine
Konfiguration vorkonfektionierter Module handelt, fallen diese Systeme in
Kategorie 4. Werden spezifische Programme unter Verwendung textorientierter
Programmiersprachen (AWL, ST) spezifisch für Geschäftsprozesse erstellt, so
handelt es sich um Kategorie 5 Software.
Sind SPS in Package Units eingebaut und werden diese für spezifische Package
Unit-Typen einmal ausgelegt und danach vielfach ohne Änderungen verkauft und
beim Anwender nicht angepasst, so können diese SPS in die Kategorie 3
eingeordnet werden.
Excel fällt als Office-Basispaket in die Kategorie 1. Dies gilt allerdings nur
für das Paket als solches und nicht für Anwendungen in Excel. Wird Excel als
Schreibmaschinenersatz verwendet, so verbleibt Excel in der Kategorie 1.
Wird Excel in seinen Standardparametern konfiguriert und z.B. als temporärer
Datenspeicher verwendet, so fällt es in Kategorie 3.
Werden spezifische Berechnungsformeln eingesetzt, die auf spezifische
Geschäftsprozesse angepasst werden, dann ist Excel in Kategorie 4
einzusortieren.
Werden die Makro- und Programmierfähigkeiten von Excel verwendet, um spezifische
Anwendungen zu erstellen, so handelt es sich um ein zugeschnittenes System der
Kategorie 5.
Wird der GAMP® 5 eine Vereinfachung bringen oder werden "wie so oft" neue
Anforderungen oben drauf gesattelt?
GAMP® 5 führt zu einer Änderung der Verfahrensweisen. Sicherlich wird durch
die Risikobewertung und die Skalierung der Validierungsaktivitäten und des
V-Modells eine Kostenreduktion erreicht. Auch die stärkere Einbeziehung der
Lieferanten und deren Dokumentation können zu reduzierten Validierungskosten
führen. Durch den frühzeitigen Ausschluss von Systemen aus der
Validierungspflicht wird die Validierungsaufgabe einfacher. Es muss allerdings
berücksichtigt werden, dass die Risikobewertungen zusätzlichen Aufwand
erfordern.
Zwar sind in GAMP® 5 umfangreichere Anhänge für den Betrieb enthalten, diese
stellen aber lediglich eine Zusammenstellung der guten geübten Praxis dar und
sollten eigentlich nicht zu erhöhtem Aufwand führen.
Zusammengestellt von:
Dr. Andreas Mangel
CONCEPT HEIDELBERG
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