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Der Pharma-Kongress 2008 konnte auch in diesem Jahr wieder einen Aussteller- und
Besucher-Rekord verzeichnen. Mit über 50 Ausstellern war die Ausstellungsfläche
vollständig ausgebucht. Über 350 Teilnehmer und Fachbesucher waren für den
Pharma-Kongress registriert, der auch in diesem Jahr drei parallel organisierte
GMP- und Technik-Konferenzen im Angebot hatte; neben der 10. Deutschen
Pharmatechnik-Konferenz die 2. Konferenz Sterilherstellung und die 4. Fertigspritzen-Konferenz mit insgesamt 33 Referenten aus GMP-Überwachung und
Industrie.
Die Konzeption des Pharma-Kongress ist einzigartig. Das Event versteht sich
nicht als Messe, sondern als jährliches Forum für Experten zum Meinungs- und
Erfahrungsaustausch im Compliance-Umfeld. Neben der Ausstellung und den
Konferenzen ermöglichen Betriebsbesichtigungen bei State of the Art Facilities -
dieses Jahr u.a. bei Roche Diagnostics, Heipha und Abbott - eine einmalige
Informationszusammenstellung. Abgerundet wurden die vermittelten Informationen
durch ein Social Event in den Ausstellungsräumen des m:con über den Dächern von
Mannheim.
Konferenzen stellen aktuelle Themen in den Mittelpunkt
Neben technischen Umsetzungsbeispielen, auf die sich die Pharmatechnik-Konferenz
konzentriert, vermitteln die Fachbeiträge der Konferenzen des Pharma-Kongresses
auch einen Einblick in neue technologische Entwicklungen. Diese sind immer auch
aus GMP Compliance-Gesichtspunkten zu bewerten. So manche interessante
Entwicklung ist in der Vergangenheit an der fehlenden GMP Compliance
gescheitert. Über aktuelle Entwicklungen auf diesem Gebiet informierte u.a. Dr.
Daniel Müller vom Regierungspräsidium in Tübingen. Dabei wurden die neuen
GMP-Entwicklungen, z.B. Annex 1 und Annex 2 diskutiert.
Besonders in der Diskussion sind der im Februar 2008 geänderte Annex 1 des EU
GMP-Leitfadens zur Sterilherstellung und der Entwurf von Annex 2 zu biologischen
Produkten. Beide Regelwerke sind vor dem Hintergrund des am 20. Februar
publizierten Annex 20 zu Quality Risk Management zu lesen. Dieser Annex setzt
die ICH Q9 in europäisches Recht um und fordert nun die Einführung des
Risikomanagement in allen GMP- Bereichen, also auch z.B. bei der
Sterilherstellung. Der Annex 1 wiederum wirft eine Vielzahl von
Interpretationsfragen auf, die derzeit in der Industrie, aber auch in der
GMP-Überwachung noch nicht eindeutig geklärt sind. Bei dem Thema
Reinraum-Klassifizierung/-Monitoring erfolgte eine Anpassung der Grenzwerte für
Partikel an die ISO 14644-1, aber bei <= 5µm Partikeln besteht immer noch ein
Unterschied von 9 Partikeln. Allerdings wurde nunmehr eine eindeutige
Differenzierung zwischen Klassifizierung (Qualifizierung) und Monitoring
(Umgebungskontrollen) erreicht.
Bei Media Fills erfolgte eine Neuformulierung der Akzeptanzkriterien und dabei
eine allgemein begrüßte Anpassung an den FDA Aseptic Guide. In Bezug auf
Bioburdenkontrollen ist eine Klarstellung enthalten, dass diese für aseptische
Prozesse und bei der terminalen Sterilisation erforderlich sind. Dabei ist bei
Overkill Sterilisationsbedingungen ggf. nur in Intervallen und bei
parametrischer Freigabe jede Charge zu prüfen.
Sehr interpretationsbedürftig ist das Thema "Capping of vials". Zu klären sind
u.a. die Definition von Schlüsselbegriffen wie z.B. Grade A conditions oder
Grade A air supply. Auch die Reinraumhintergründe für Grade A conditions und
Grade A air supply sind nicht eindeutig. Weiterhin wird in nächster Zeit zu
klären sein, ob für den so genannten "clean process" auch sterile Bördelkappen
notwendig sind und welches Ausmaß das mikrobiologischen Monitoring haben muss.
Der aktuelle Entwurf des Annex 2 ist ebenfalls in der Industrie auf viel Kritik
gestoßen. Problematisch sind die zu genauen Formulierungen (im Sinne eines "how
to do") sowie überlappende Inhalte und Regelungsgebiete mit Part 2 des EU
GMP-Leitfadens. Kritisch wird auch die Querverbindung zu Annex 1 gesehen. Daraus
ergeben sich Fragen wie z.B. ob Medien- und Pufferherstellung zukünftig nur noch
in Reinräumen der Klasse C erfolgen kann. Das Thema dedicated facilities,
welches auch in Annex 2 aufgegriffen wird, ist vor dem Hintergrund von Annex 20
im aktuellen Entwurf zu wenig risikobasiert. Das Thema der dedicated facilities
ist darüber hinaus seit 2006 aufgrund der Überarbeitung des Part 1 des EU
GMP-Leitfaden in der Revision. Während sich die Industrie hier eine Auswahl auf
Basis einer Risikobewertung wünscht, schlägt die EU-Kommission eine
Produktauflistung vor (u.a. Penicilline, hochwirksame Substanzen usw.). Ein
neuer Textentwurf ist für Ende 2008/Anfang 2009 vorgesehen und wird sicher
weitere Diskussionen hervorrufen.
Diese regulatorischen Diskussionen machen deutlich, wie wichtig eine
Fachdiskussion der involvierten Kreise - also GMP-Überwachung, Pharmaindustrie
und Zulieferer - ist. Der Pharma-Kongress hat sich hier als ein einmaliges Forum
etabliert, das speziell für Experten geschaffen wurde. Der Kongress wird auch
2009 wieder die dann wichtigen Entwicklungen aufgreifen. Alle Informationen dazu
werden unter www.pharma-kongress.de veröffentlicht werden.
Autor:
Oliver Schmidt
CONCEPT HEIDELBERG
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