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GMP-News
18. Februar 2008
  

Annex 1 des EG GMP Leitfaden zur Sterilherstellung neu veröffentlicht

 
Seit der ersten Veröffentlichung des Annex 1 (Manufacture of sterile medicinal products) zusammen mit dem EG GMP-Leitfaden wurde dieser bereits drei Mal revidiert - in 1996, 2001 und 2003. Die Version von 2003 ist auch heute noch gültig, wobei es auch hierzu bereits einige Änderungsentwürfe gegeben hat. In einer GMP-News vom 22.11.2005 wurde sehr detailliert auf einen dieser Entwürfe eingegangen.

Die Inhalte dieses Entwurfs sind nun auch nahezu vollständig in die endgültige Version übernommen worden. Die EU Kommission hat nun am 15. Februar die geänderte Version veröffentlicht. Die darin enthaltenen Anforderungen sind durch die Industrie bis zum 1. März 2009 umzusetzen. Für das "Capping" von lyophilisierten Vials wurde die Übergangsfrist auf den 1. März 2010 verlängert.

Folgende Änderungen haben sich zu der aktuellen Version ergeben:

  • Die Reinraumklassifizierung und der dazu erläuternde Text

  • Empfehlungen zu Media Fills

  • Empfehlungen zu Bioburden-Monitoring

  • Empfehlungen zum Verschließen ("capping") bei gefriergetrockneten Vials

Wir haben für Sie einen Dokumentenvergleich der aktuellen Version zu der neu publizierten erstellt. Diesen finden Sie am Ende dieser News.

Im Rahmen der Reinraumklassifizierung ist nun stark Bezug auf die ISO 14644 Bezug genommen worden - insofern ändern sich die Partikelgrenzen größtenteils im Vergleich zur Version 2003. So wurde die zulässige Grenze für 5,0µm Partikel in Klasse A auf 20 in Klasse A (in operation & at rest) angehoben. Neu sind auch Angaben zu tragbaren Partikelzählern und die starke Betonung auf das Monitoring, hier auch mit Bezug auf eine Einbindung von "Risk Management".
Gänzlich neu sind die Akzeptanzkriterien von Media Fills, die sich nun stark an den Vorlagen des FDA Aseptic Guides orientieren. Weiterhin ist die Forderung nach einer Fehlersuche bei Kontaminationen nun explizit erwähnt; auch im Hinblick auf die seit dem letzten Media Fill hergestellten Chargen.

Die Bioburden-Untersuchung soll bei jeder Charge - aseptisch gefertigt oder endsterilisiert - erfolgen, ebenfalls bei parametrisch freigegebenen Produkten (ist hierbei als In-Prozess-Test anzusehen). Eine Ausnahme sind Overkill-Verfahren, bei denen der Bioburden-Test in geeigneten Intervallen erfolgen kann. Wo notwendig soll auch die Endotoxinbelastung überprüft werden.

Mit die einschneidendsten Änderungen umfassen das "Capping" von Lyo-Vials. So sollen teilverschlossene, gefriergetrocknete Vials unter Klasse A-Bedingungen bis zum vollständigen Verschluss gehalten werden. Der Verschluss der Vials ist erst mit der Verbördelung beendet. Da die Verbördelung als Partikelquelle erkannt wurde, empfiehlt der neue Annex 1 eine "separate station" mit einer geeigneten Luftentsorgung ("air extraction").
Das "Capping" kann mit sterilisierten "caps" erfolgen oder als Prozess außerhalb des aseptischen Bereichs. Im letzten Fall sollen die Vials bis zur endgültigen Verbördelung mit Luft der Klasse A geschützt werden. Fehlende oder fehlerhaft aufgesetzte "stoppers" sollten vor dem Verbördeln zurückgewiesen werden. Bei menschlichem Eingreifen an der Bördelungsstation soll eine geeignete Technologie eingesetzt werden, um mikrobielle Kontaminationen zu minimieren. In diesem Zusammenhang werden "Restricted Access Barriers" und Isolatoren genannt.

Auffällig sind die langen Übergangsfristen, bis der neue Annex 1 gültig werden soll. Sie betragen 12 Monate, mit der Ausnahme der Umsetzungen für das "capping of freeze-dried vials". Hier beträgt die Übergangsfrist 24 Monate - ein weiterer Hinweis auf die einschneidenden Veränderungen.
 

Auswirkungen des neuen Annex 1 werden - speziell auf die Thematik Validierung und Qualifizierung in der Sterilfertigung bezogen - in der Veranstaltung Qualifizierung/Validierung in der Sterilproduktion (QV 3) am 22./23. April 2008 in Heidelberg und auf Reinraumtechnik bezogen in der Veranstaltung Reinlufttechnische Anlagen: Planen - Bauen - Betreiben (PT 10) vom 22.-24. April 2008 in Mannheim behandelt.
 
Selbstverständlich widmet sich auch die Aseptik-Konferenz 2008 am 20./21. Februar in Mannheim intensiv diesem Thema.


Autoren:
Sven Pommeranz
Dr. Robert Eicher
CONCEPT HEIDELBERG


Quelle:

Neue Version des Annex 1 zum EU GMP Leitfaden:
http://ec.europa.eu/enterprise/pharmaceuticals/eudralex/vol-4/pdfs-en/2008_02_12_gmp_annex1.pdf

Den Vergleich der alten gegen die neue Version finden Sie hier.
 

 

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