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GMP-News
4. Februar 2008
  

Experten aus Behörde und Industrie beantworten Fragen:
Questions & Answers zur sterilen / aseptischen Herstellung

 
In regelmäßigen Abständen beantworten Experten aus Behörden und Industrie Fragen, die häufig im Rahmen von Veranstaltungen gestellt werden - dieses Mal zum Thema sterile / aseptische Herstellung.

Antworten von Dr. Daniel Müller, Regierungspräsidium Tübingen

Ist es erforderlich, dass man den "Hauskeim" mit in die Sterilisationsvalidierung einbezieht?


Der sog. "Hauskeim" (auch Monitoringisolat genannt) hat ja schon bewiesen, dass er in der Produktion vorkommt und ist somit immer ein potentieller Kandidat für eine Verunreinigung im Produkt. Er darf daher nicht einfach unberücksichtigt werden.
Wenn keine Daten zur Empfindlichkeit dieser Keimart gegenüber dem angewendeten Sterilisationsverfahren vorliegen, so muss eine Datenbasis geschaffen werden, die eine Beurteilung erlaubt.
Ein Vergleich dieser Keimart mit dem Standardkeim für die Validierung (vgl. Pharmacopoeia Europea, Monographie 5.1.2 ‚Biological Indicators of Sterilisation') führt dann zur Festlegung, welcher Keim bei der angewendeten Sterilisationsmethode den "worst case" darstellt. Dieser "worst case" muss dann auf jeden Fall (mit) in die Validierung aufgenommen werden.
In den allermeisten Fällen der Sterilisation mit feuchter Hitze (Dampf, Heißwasserberieselung) stellt aber der Standardkeim des Europäschen Arzneibuchs (Geobacillus stearothermophilus) den "worst case" dar, sodass keine zusätzlichen Hauskeime bei der Sterilisationsvalidierung eingesetzt werden - vorausgesetzt die Daten zur Empfindlichkeit der Hauskeime liegen vor.

Welchen Stellenwert hat aus Behördensicht die ISO (13408…).

Eine generell gültige Antwort für alle ISO-Guidelines kann man nicht geben, denn es gibt sehr viele verschiedene ISO-Guidelines.
Die ISO Guidelines sind sicherlich als Guides zum "Stand von Wissenschaft und Technik" anzusehen.
Doch sind die nationalen Gesetze und Verordnungen (z.B. AMG, AMWHV) sowie die EU-Vorgaben (z.B. Pharmacopeia Europea, EU-GMP-Leitfaden, Teile I und II mit Annices) den weiteren Guides zum Stand von Wissenschaft und Technik (z.B. Papiere von ICH, ISO, PDA, ISPE, ... u.v.a.) als vorrangig zu betrachten.
Zwei unterschiedliche Beispiele "aus dem Hause ISO" soll dies verdeutlichen:

  1. Die ISO 14644 ist sicherlich eine sehr wichtige Guideline zu Reinräumen, die es geschafft hat, international akzeptiert werden (z.B. USA, Europa).

  2. Die ISO 13408 ist eine Guideline, die momentan weniger Beachtung findet. Ein Grund mag sein, dass zum Thema der aseptischen Produktion schon einige, international anerkannte Guidelines gibt, die für die Anwender ausreichend Hilfestellung geben, z.B. FDA - Aseptic Guide (Sept. 2004), EU - Annex 1 (Revision), PIC/S PI 007-X (Datum), auch PDA Reports.

Welchen Stellenwert hat das statistische Konfidenzintervall der Kontaminationsrate bei Media Fills (0,1% mit 95% Wahrscheinlichkeit)? Laut ISO 13408-1 wäre dann z. B. bei mehr als 15.000 abgefüllten Einheiten das Aktionslevel erst im zweistelligen Bereich bzgl. Kontaminanten?

Für die Praxis relativ wenig!
Die Revision des Annex 1 wird zwar eine Konkretisierung bezüglich der erlaubten Kontaminationen und der dabei erwarteten Aktionen in Media Fills enthalten. Dennoch wird die neue Version wieder genauso deutlich machen, dass das Ziel immer eine Nullkontamination sein muss. In der Praxis wird jede aufgetretene Kontamination eine "Investigation" nach sich ziehen.
Erfreulicherweise sind aber in modernen Abfüllanlagen, die häufig in Isolatorentechnik oder als Restricted Access Barrier System (RABS) ausgeführt sind, die Kontaminationsraten sehr gering.

Kritische Eingriffe beim Media Fill; welche Erwartungen hat die Überwachungsbehörde. Gibt es Kriterien dafür, was kritische Eingriffe sind?

Das Ziel einer jeden aseptischen Produktion sollte die Minimierung oder besser gar die Elimination von Eingriffen in die kritische Zone sein. Dies gilt für Handgriffe im Isolator genauso wie für Eingriffe in ein Restricted Access Barrier System mit der ohne und erst recht für Manipulationen an einer "offenen" Produktionslinie (A/B Reinraum).
Für die unbedingt notwendigen Eingriffe gilt folgendes: alle Eingriffe in den kritischen A-Bereich (offenes Produkt), die im Routinebetrieb vorgesehen bzw. erlaubt sind, als kritisch anzusehen und müssen auch im Media Fill entsprechend abgebildet werden.
 

Diskutieren Sie auch Ihre Fragen auf der Aseptik-Konferenz 2008 mit Pre-Conference Workshop - am 20./21. Februar 2008 in Mannheim.


Zusammengestellt von:
Dr. Andreas Mangel
CONCEPT HEIDELBERG
 

 

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